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Reportage auf dem Flugfeld

Bundeswehrfeuerwehr Bückeburg: In 60 Sekunden am Unfallort

BÜCKEBURG. „Wir sind innerhalb von 60 Sekunden ab Alarmierung durch die Leitstelle am möglichen Unfallort“, erklärt Edgar Leingang, Leiter der Bundeswehr-Feuerwehr Bückeburg. Seinen Sitz hat sie auf dem Flugfeld in Achum. Unsere Zeitung hat das Team einen Tag lang begleitet.

veröffentlicht am 16.08.2018 um 10:44 Uhr

Im Rettungsgriff wird der Pilot von zwei Feuerwehrbeamten der Bundeswehr-Feuerwehr Bückeburg aus der Kanzel des Helikopters geborgen. Foto: Bundeswehr

Autor:

Sandra Knauthe

BÜCKEBURG. „Florian für Tower, kommen!“ lautet der Funkspruch, der Detlef Nuttelmann und seinen Kollegen Thomas Heidenreich erreicht. Die beiden Feuerwehrbeamten der Bundeswehr-Feuerwehr Bückeburg sitzen alarmbereit in ihrem futuristisch aussehenden Flugfeldlöschfahrzeug. Es ist kurz vor 13 Uhr, die Mittagssonne knallt mit weit über 30 Grad erbarmungslos vom Himmel, doch Nuttelmann und sein Kollege tragen die komplette Einsatzbekleidung der Feuerwehrleute, nebst dicker Jacke, wenn sie mit ihrem Löschfahrzeug am Rande des Flugfeldes Pistenbereitschaft halten. „Wir sind innerhalb von 60 Sekunden ab Alarmierung durch die Leitstelle am möglichen Unfallort“, erklärt Edgar Leingang, Leiter der Bundeswehrfeuerwehr Bückeburg. Deshalb muss jeder Flughafen auch eine eigene Feuerwehr betreiben, da im Notfall eine Alarmierung der ortsansässigen Feuerwehren wertvolle Zeit verschwenden würde.

„Florian hört“, antwortet der 49-jährige Nuttelmann nun dem Lotsen im Tower. Aufmerksam lauscht er den Infos des Kollegen in der Einsatzleitzentrale. Ein Hubschrauberpilot habe einen Notruf abgegeben. Es gebe Rauch im Cockpit. Sofort wird eine Luftnotlage ausgelöst, die Einsatzkräfte rüsten sich mit ihren Atemschutzgeräten aus und stellen sich v-förmig vor das havarierte Flugfahrzeug, um beidseitig den Brandschutz zu sichern. Feuer ist nicht zu sehen. Der Angriffstrupp nähert sich dem Hubschrauber, öffnet das Cockpit und nimmt Kontakt zum verletzten Piloten auf, der glücklicherweise noch selbsttätig den Rotor ausschalten konnte. Notfalls müssten auch die Feuerwehrkräfte in der Lage sein, Bordwaffen zu sichern und Triebwerke abzuschalten.

Der Einsatzleiter schickt den Fliegerarzt zur Unglücksstelle und dieser entscheidet, den Verletzten durch den Feuerwehrtrupp per Rettungskorsett und Schleifkorbtrage aus dem Cockpit zu retten. Wärmebildkameras zeigen, dass es keinen Brand im Hubschrauber gab. Der Flugsicherheitsoffizier gibt Entwarnung. Zum Glück war alles nur eine Übung.

Detlef Nuttelmann präsentiert den Schnellstartknopf am FLF. Foto: Knauthe
  • Detlef Nuttelmann präsentiert den Schnellstartknopf am FLF. Foto: Knauthe
Ein Feuerwehrauto ist mit allem ausgerüstet, was die Einsatzkräfte im Notfall brauchen. Foto: Knauthe
  • Ein Feuerwehrauto ist mit allem ausgerüstet, was die Einsatzkräfte im Notfall brauchen. Foto: Knauthe

Der Heeresflugplatz Bückeburg betreibt eine eigene Feuerwache mit Leitstelle. Notrufe gehen hier aber nur bundeswehrintern ein. Wer den Notruf wählt, selbst wenn er sich auf dem Gelände der Kaserne befindet, landet automatisch bei der integrierten Leitstelle in Stadthagen. „Man arbeitet aber durchaus gut zusammen und unterstützt sich auch bei externen Einsätzen gelegentlich“, betont Brandrat Leingang. „Es kann auch durchaus vorkommen, dass wir bei Truppenbewegungen auf Landstraßen auf Unfälle stoßen oder Brände bemerken, da helfen wir natürlich sofort auch ohne Alarmierung.“ Vor Kurzem entdeckte eine Hubschrauberbesatzung bei einem Übungsflug einen in Vollbrand stehenden Holzhaufen, auch dort war die Flugplatzfeuerwehr tatkräftig im Einsatz.

Ausgerüstet ist die Flugplatzfeuerwehr Bückeburg ebenso gut wie jede andere kommunale Feuerwehr. 78 Feuerwehrbeamte und eine Beamtin sind auf insgesamt 14 Fahrzeugen einsatzbereit. Zusätzlich haben sie noch ein spezielles Flugfeldlöschfahrzeug (FLF). Das sind große Feuerwehrfahrzeuge, die den Brandschutz auf Flugbetriebsflächen sicherstellen. So ein Löschfahrzeug hat einen Tankinhalt von bis zu 10 Kubikmetern für Wasser und auch Schaum, kann bis zu 130 km/h beschleunigen und ist besonders geländegängig, um jeden Punkt des Flugplatzes gut zu erreichen. Sollte das Szenario eines brennenden Flugzeuges eintreten, können die eingesetzten Feuerwehrleute mit dem FLF schnell und massiv den Brand bekämpfen.

Besonderes Highlight ist der Schnellstartknopf, bei dem mit einem Fingerdruck sowohl das Fahrzeug, als auch Blaulicht und Einsatzhorn von außen gestartet werden können, um sofort einsatzbereit zu sein.

Es gibt derzeit bundesweit 60 Bundeswehr-Feuerwehren mit insgesamt circa 3200 Feuerwehrbeamten und -beamtinnen. Damit ist sie zahlenmäßig eine der größten Feuerwehren Deutschlands.

Feuerwehrmann/frau ist noch immer ein Traumberuf, und so befinden sich derzeit wieder fünf angehende Feuerwehrbeamte in Ausbildung in Bückeburg. Aber es ist auch ein Knochenjob, der absolute Fitness von den Einsatzkräften verlangt. Allein die komplette Ausrüstung inklusive Atemschutzgerät wiegt circa 25 Kilogramm. Deshalb wird jährlich die Leistungsfähigkeit des Personals überprüft. Die Flugplatzfeuerwehr hat dafür eine spezielle Anlage, die Atemschutzübungsstrecke. Sie sieht aus wie ein riesiger Käfig. Innen drin offenbart sie sich aber als Labyrinth, mit Hürden, die überwunden werden müssen: kleine Durchgänge, Röhren, Leitern und geschlossene Tore. Die Feuerwehrleute betreten den Parcours immer als Team, es herrscht absolute Dunkelheit und zur realistischen Darstellung können noch Rauch, flackernde Lichter und Geschrei eingespielt werden. So können die Einsatzkräfte auf das vorbereitet werden, was sie im Berufsalltag erwarten kann. Natürlich erfolgt die ganze Prüfung unter PA, also mit Atemschutzgerät. Die Ausrüstung eines Feuerwehrbeamten beinhaltet auch einen Totmann-Warner, ein akustisches Alarmsignal, das ertönt, sollte sich der Körper des Trägers längere Zeit nicht mehr bewegen.

Dass dann demjenigen nichts weiter passiert, dafür sorgen die Kollegen, „denn die Feuerwehr ist ein Team, fast wie eine Familie“,
bekräftigt Oberbrandmeister Detlef Nuttelmann, während er wieder Pistenbereitschaft hält – mit festem Blick auf das Flugfeld, damit die
Hubschrauberpiloten, die
gerade das Schweben über dem Boden üben, sich
jederzeit sicher und im
Notfall gut versorgt fühlen können.




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