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Diese gelbe Schicht überall …

Darum ist der Blütenstaub 2018 so heftig

Autos sind voll davon, Straßen stellenweise regelrecht gelb, Tische verstaubt: Blütenstaub ist aktuell überall zu sehen. Terrassenmöbel, Fensterscheiben, Blumentöpfe, Parkbänke, Spielplätze – alles Gelb. Und es könnte noch einige Zeit so bleiben. Schuld hat vor allem die Fichte.

veröffentlicht am 03.05.2018 um 19:11 Uhr

Im aufziehenden Wind weht Blütenstaub aus den Bäumen der Nadelwälder – und verteilt sich dann überall. Foto: dpa
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Dieses Jahr ist die Pollenbelastung besonders hoch“, teilt der Deutsche Wetterdienst in Offenbach nüchtern mit. Nach einem unterkühlten Frühjahr sorgt trockenes und warmes Wetter nun seit Wochen für eine Entwicklungsexplosion in der Natur. Dabei erfolgt die Blüte vieler Gewächse in diesem Jahr gleichzeitig – und dadurch sind derzeit besonders viele Pollen unterwegs.

Die Gründe liegen in der besonderen Wetterlage der vergangenen Wochen: „Durch das Sommerwetter im April gab es eine regelrechte Explosion der Vegetation. Hatte der Vegetationsstand Ende März noch etwa zwei Wochen Rückstand, ist er nun dank des rekordwarmen Aprils dem normalen Stand etwa zwei Wochen voraus“, sagt Diplom-Meteorologe Christian Herold vom Wetterdienst.

Hauptsächlich verantwortlich für den gelben Blütenstaubteppich sind die Fichten. Dies macht eine Prognose möglich, wie lange es noch so weitergeht: „In diesem Jahr ist die Fichtenblüte besonders intensiv. Normalerweise blüht die Fichte alle vier bis sieben Jahre. Doch die Abstände sind in den letzten Jahrzehnten immer kürzer geworden, sodass das Autowaschen also auch in den nächsten Tagen zwecklos bleibt, zumal die Fichtenblüte voraussichtlich noch ein paar Wochen andauern wird“, lässt der Wetterdienst verlauten. Die Hauptblütezeit der Fichte ist der Mai, danach erfolgt die Nachblüte – und die kann bis Anfang Juli dauern.

Aus den Pflanzen staubt es aktuell geradezu heraus: Der feine Staub setzt sich überall ab: auf Autos, Terrassen, Balkonen, Fensterscheiben, Parkbänken – einfach überall. Foto: Dana
  • Aus den Pflanzen staubt es aktuell geradezu heraus: Der feine Staub setzt sich überall ab: auf Autos, Terrassen, Balkonen, Fensterscheiben, Parkbänken – einfach überall. Foto: Dana
Eine Ente futtert den auf dem Wasser schwimmenden Blütenstaub. Foto: dpa
  • Eine Ente futtert den auf dem Wasser schwimmenden Blütenstaub. Foto: dpa
Die Autos im Weserbergland sehen momentan gerne mal so aus: Blütenstaub setzt sich auf dem Lack ab. Foto: Dana
  • Die Autos im Weserbergland sehen momentan gerne mal so aus: Blütenstaub setzt sich auf dem Lack ab. Foto: Dana
Staubige Pollen. Foto: Dana
  • Staubige Pollen. Foto: Dana
Aus den Pflanzen staubt es aktuell geradezu heraus: Der feine Staub setzt sich überall ab: auf Autos, Terrassen, Balkonen, Fensterscheiben, Parkbänken – einfach überall. Foto: Dana
Eine Ente futtert den auf dem Wasser schwimmenden Blütenstaub. Foto: dpa
Die Autos im Weserbergland sehen momentan gerne mal so aus: Blütenstaub setzt sich auf dem Lack ab. Foto: Dana
Staubige Pollen. Foto: Dana

„Die Fichte befindet sich derzeit in einem sogenannten Mastjahr: Dabei blühen die Bäume besonders stark“, erläutert Matthias Habel, Meteorologe von WetterOnline, den Fachbegriff. „Ein solches Mastjahr wiederholt sich unregelmäßig etwa alle fünf Jahre, wenn die Bäume besonders viel Energie in die Vermehrung stecken.“ In den Jahren dazwischen verwenden die Bäume ihre Kraft in erster Linie für das Wachstum und blühen daher schwächer. „In den kommenden Tagen wird die Fichte bei sonnigem Wetter noch stark blühen“, sagt Habel – und die kommenden Tage sollen laut Wetterprognose tatsächlich sommerlich werden. „In Kürze kommen die Pollen der Kiefer noch hinzu. Für Pollennachschub ist also gesorgt.“

In Kürze kommen die Pollen der Kiefer noch hinzu. Für Nachschub ist also gesorgt.

Matthias Habel, Meteorologe

Der rekordwarme April hat die Natur also quasi explodieren lassen. Die Blüte vieler Pflanzen hat nahezu gleichzeitig eingesetzt. „Ausbleibende Regenfälle und teils starke Winde verbreiten die Pollen leicht und über viele Kilometer“, sagt Habel. „Nur wenn es länger und kräftig regnet, werden die Pollen aus der Luft gewaschen.“ Franziska Polak, Diplom-Geografin und Meteorologin sagt zu dem gelben Spektakel: „Vielerorts blieb es aber trocken oder nur einzelne Schauer gingen nieder, sodass die Luft mit einem Anteil an Pollen belastet ist. Besonders groß ist derzeit der Anteil von Kiefern-, Raps-, Fichten-, Hainbuchen-, Buchen-, Eichen- und Ulmenpollen, aber auch Birkenpollen sind nach wie vor in größeren Mengen unterwegs. Dazu kommen die ersten Pollen von Gräsern und anderen Kräutern wie Spitzwegerich und Sauerampfer.“




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