weather-image
23°

Der Abfall in Hameln-Pyrmont

Der Müll muss weg

HAMELN-PYRMONT. Müll zu sortieren, gilt als Hobby der Deutschen. Müll zu reduzieren, wird hingegen noch nicht von jedem als beglückende Aufgabe angenommen. In Hameln-Pyrmont ist die Menge an Haus- und Sperrmüll im vorigen Jahr etwas gestiegen.

veröffentlicht am 05.06.2019 um 19:25 Uhr
aktualisiert am 06.06.2019 um 10:22 Uhr

Die Menge des Hausmülls ist in Hameln-Pyrmont gegenüber 2013 gesunken.
Marc Fisser

Autor

Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Der Blick auf das Tonnen-Lager vor der Haustür oder gar die Rundtour über den Wertstoffhof der Hameln-Pyrmonter Kreisabfallwirtschaft (KAW) führen es klar vor Augen: Es gibt viele Sorten von Abfall. Im vorigen Jahr sammelte die KAW Material mit einem Gewicht von 98 328 Tonnen ein. Das ist ein Rückgang gegenüber 2017 um 4000 Tonnen, was allerdings nur der geringeren Menge an Grünschnitt zu verdanken ist. Der Anfall der anderen Stoffe ist recht konstant, vielfach selbst im Fünfjahresvergleich.

Immerhin können sich die heimischen Abfallproduzenten auf eine Sache verlassen: Das Sortieren lohnt sich, denn dadurch lassen sich mehr als 70 Prozent der Gesamtmenge verwerten. Aus Biomüll und Altholz zum Beispiel wird klimaneutral Energie gewonnen, aus Metall, Glas, Papier und Kunststoff entstehen neue Produkte.

74 Prozent der Haushalte im Landkreis haben sich inzwischen mit der Grünen Tonne für Essensreste und kleinere pflanzliche Abfälle ausstatten lassen. Im vergangenen Jahr ist die angefallene Menge weiter gestiegen – auf 7724 Tonnen; 2013 war halb so viel in den Biotonnen. Bundesweit hat sich die Menge des getrennt gesammelten Bioabfalls seit den 1990er Jahren mehr als versiebenfacht. „Die Bioabfallverwertung leistet einen wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit Rohstoffen“, lobt denn auch das Umweltministerium.

2 Bilder
Die Menge der Leichtverpackungen mit dem Grünen Punkt in den Gelben Säcken ist leicht gestiegen. Der eingesammelte Biomüll hat sich verdoppelt.

Die Altpapiermenge ist zwischen Bad Münder und Bad Pyrmont, Langenfeld und Hajen innerhalb eines Jahres um 408 Tonnen gesunken. Die Müllwerker beobachten, dass weniger Zeitschriften gelesen werden. Hingegen bleibe der Anteil der Pappe hoch – vermutlich wegen des zunehmenden Einkaufens via Internet. Die Bestellungen werden dann in teils voluminösen Kartons ins Haus geliefert.

Die Tonnage der von der KAW erfassten Leichtstoffverpackungen, also der Inhalt der Gelben Säcke, ist auf Jahressicht um gerade einmal 39 auf 4130 zurückgegangen. Im Jahr 2013 waren es mit 3943 Tonnen ähnlich viel.

Um den Auftrag, die Haushalte und Betriebe in Hameln-Pyrmont vom Müll zu befreien, kümmern sich bei der KAW 120 Mitarbeiter. Die Kosten für das Personal liegen bei knapp 6 Millionen Euro. 150 000 Euro mehr wurden 2018 nach der Tariferhöhung um etwa 2,8 Prozent aufgewendet. In diesem April gab es eine ähnliche Steigerung.

Information

Fast eine Punktlandung hat die Kreisabfallwirtschaft Hameln-Pyrmont, finanziell betrachtet, im vorigen Jahr hingelegt. Das Jahr schloss unter dem Strich mit einem bilanztechnischen Fehlbetrag von 8000 Euro – nach einem Überschuss von 137 000 Euro im Jahr zuvor. Eigentlich war für 2018 im Wirtschaftsplan sogar eine Unterdeckung von 199 000 Euro veranschlagt worden, das Jahr lief dann aber „deutlich besser“. Das ist vor allem auf die Gebührenanpassung im Januar zurückzuführen.

Ihre Gebühren muss die KAW so kalkulieren, dass keine dauerhaften Gewinne anfallen. Deshalb wurden im vergangenen Jahr aus den Einnahmen von 16,2 Millionen Euro sogleich 339 000 Euro in die Gewinnrücklage überwiesen. Dieser Topf enthält inzwischen fast eine Million Euro. Das Geld wird dafür verwendet, künftige Gebührenanhebungen aufzuschieben oder abzudämpfen. Für 2019 erwartet die KAW einen Fehlbetrag von 899 000 Euro, in den Folgejahren werde es aber wohl wieder besser aussehen. Wie es sich auswirken wird, dass die Gelben Säcke nun nicht mehr durch die KAW eingesammelt werden, lässt sich nach Aussage der Finanzfachleute erst am Ende des Jahres beurteilen. Einige Fixkosten müssen auf die anderen Abfallarten umgelegt werden.

An den Landkreis, dem die KAW gehört, werden von dem Müllbetrieb 31 000 Euro als Eigenkapitalverzinsung abgeführt.

Die Müllgebühren klaffen in Deutschland weit auseinander. Nach einer am Mittwoch vorgelegten Studie von IW Consult für den Eigentümerverband Haus und Grund, in der die 100 größten deutschen Städte verglichen werden, sind in Flensburg 123 Euro pro Jahr fällig, in Leverkusen knapp 771 Euro. Zugrundegelegt ist ein vierköpfiger Haushalt im Einfamilienhaus mit 60-Liter-Restmülltonne. Die Gebührentabelle in Hameln-Pyrmont weist für diese Leistung allgemein 110,99 Euro aus, für die Städte Hameln und Bad Pyrmont 117,84 Euro, beides besser als beim Spitzenreiter der IWC-Studie. Für die großen Differenzen gibt es organisatorische Gründe.mafi




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare