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Für OTS Deckbergen-Schaumburg-Westendorf

Der Porsche-Mann

Sie gehörte einfach zum Straßenbild in Schaumburg, an der Bundesstraße 83, die feuerwehrrote Schierke-Feuerstein-Flasche auf dem Anhänger. Dann war sie verschwunden. Jetzt steht sie wieder vorm Haus von Wilhelm Rinne. Für Rinne mehr als eine Werbung für den Kräuterschnaps aus dem Harz. Die Flasche steht auch als Erinnerung und Symbol für 16 Bergrennen an der Westendorfer Landwehr.

veröffentlicht am 12.11.2018 um 14:10 Uhr

Laut, ruppig, schnell – Rinnes Porsche Carrera RSR am Berg. Foto: Archiv Rinne
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Hans Weimann Reporter

Die Schierke-Feuerstein-Flasche war verschwunden, weil der Hänger, auf dem sie steht, zum TÜV musste. Kein Witz. Auch ein Gefährt, das nur auf einer Wiese als Reklameuntersatz dient, unterliegt dieser technischen Prüfung. Danach gefragt habe er erzählt, die Flasche sei leer gewesen, sie musste wieder gefüllt werden, scherzt Rinne.

Nicht umsonst sagte man über das „Schaumburger Dreigestirn“, Wilhelm Rinne, Bernd Frank und Walter Struckmann, die in Westendorf an den Start gingen, sie seien bei Bergrennen nicht immer die schnellsten, aber die witzigsten. So hieß der Kräuterschnaps, der an Ständen bei Bergrennen ausgeschenkt worden ist, auch ganz einfach „Rinne-Schnaps“.

Rinnes Gruppe 4 Porsche Carrera RSR mit 330 PS, sah nicht nur gut aus, sondern war für damalige Verhältnisse auch brutal schnell. Der hochgejazzte Boxer-Motor röhrte ohne Schalldämmung über den Asphalt.

Siegelpokale aus ganz Europa stehen in der Vitrine. Foto: wm
  • Siegelpokale aus ganz Europa stehen in der Vitrine. Foto: wm
„Schaumburger Dreigestirn“: Walter Struckmann, Bernd Frank und Wilhelm Rinne. Archivfoto: tol
  • „Schaumburger Dreigestirn“: Walter Struckmann, Bernd Frank und Wilhelm Rinne. Archivfoto: tol

Den Porsche, heute ein Klassiker des Rennsports, mit dem sich Rinne 1979 die Deutsche Vize Bergmeisterschaft erfuhr und 1983 den 5. Platz in der Europa-Bergmeisterschaft, gibt es noch. Fahrbereit sogar, wieder in den Originalzustand versetzt.

Rinne hatte das Renngerät nach Belgien verkauft. Dann meldeten sich bei ihm Manager der Griesemann-Gruppe aus Köln, bekannt für Anlagenbau Engineering und Industrieservice. Die hatten den Oldtimer erworben und wollten von Rinne wissen, ober er noch dafür Ersatzteile in seiner Garage habe. Hatte Rinne. Und so kamen die Kölner nach Westendorf und Rinne staunte: Die hatten tatsächlich alles über das Auto (und damit über Rinne) gesammelt. Auch Fotos, Videos und Zeitungsausschnitte von Rennmagazinen.

Rinne hat auf vielen Bergstrecken auch bei den Fachjournalisten Eindruck hinterlassen. So schrieb die Rennsport-Revue über Rinnes Auftritt im Teutoburger Wald: „Kurventanz“ und „ausgelassene Drifts“.

Wenn Rinne in Schaumburg sein Arbeitszimmer betritt, hat er seine Siege immer noch vor Augen: Eine Wand füllen Pokale aus Läufen der Europa Bergmeisterschaft (EBM). Eine Motorsport-Rennserie für die Rinne unter anderem in Portugal, der Schweiz, Frankreich, Österreich, Belgien und Luxemburg gestartet ist.

In der Tschechoslowakei war er sogar dreizehn Mal dabei. Und auf der längsten Bergrennstrecke Europas, auf dem Trento Bondone in Italien schaffte es Rinne mit dem dritten Platz auf das Siegertreppchen. Am Trento Bondone geht es über 17,3 Kilometer durch drei Dörfer bei 1100 Höhenmetern.

Schierke Feuerstein aus Bad Lauterberg ist Rinne all die aktiven Jahre von 1979 bis 1994 als Sponsor treu geblieben. Der Beginn dieser Zusammenarbeit, erzählt Rinne, war ein Glücksfall nach dem Motto: Der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Rinne hatte seinen Porsche auf einer Messe in Herzberg ausgestellt. Dort traf er den damaligen Feuerstein-Chef Dieter Geyer. Es war wechselseitige Sympathie auf den ersten Blick.

Nach dem Ende seiner aktiven Rennfahrerlaufbahn hat sich Rinne weiter als Funktionär für den Bergrennsport engagiert, als „Fahrerverbindungsmann“ bei Osnabrücker Bergrennen am „Uphöfener Berg“. Dafür war er der ideale Mann, europaweit bekannt, auch bei Nachwuchsfahrern, oft Söhnen von erfolgreichen Bergrennfahrern.

Das Bergrennen in Westendorf ist Geschichte. 16 Rennen hat es gegeben. Ein Jahr musste der Motorsportclub im ADAC pausieren. 2008 hat man versucht, die Tradition wieder aufleben zu lassen. Aber die Zeiten haben sich geändert. Nicht nur im Schaumburger Land. In ganz Norddeutschland berichtet Rinne, gibt es noch ein einziges „echtes“ Bergrennen, das in Osnabrück. Alle anderen großen Rennen wie im Sauerland, in Höxter sind „Revivals“, Rennen, bei denen nicht die möglichen Höchstgeschwindigkeiten gefahren werden dürfen.

Schon finanziell, sagt Rinne, wäre ein Bergrennen in Westendorf nicht mehr zu stemmen. Alles sei teurer geworden, auch die Versicherung für eine solche Veranstaltung. Und man finde heute keine Helfer mehr, die unentgeltlich viele Stunden die Strecke sichern, die Organisation stemmen. Für das Osnabrücker Bergrennen würden so um die 200 000 Euro eingeplant. Und die müsse der Veranstalter aufbringen, ehe das erste Fahrzeug an den Start geht. Bisher habe das dank Sponsoren immer geklappt.

Rinne ist der Marke Porsche treu geblieben und hat noch immer einen Porsche in der Garage stehen, den er auch fährt. Doch die wilden Zeiten seien längst vorbei. Deshalb sehe man ihn inzwischen auch oft gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin auf einem Zweirad unterwegs: auf einem E-Bike.

Auch Rinnes Freunde aus der Westendorfer Bergrennzeit sind längst im Ruhestand: Walter Struckmann aus Stadthagen beendete seine Saison 2006. Bernd Frank wohnt in Rinteln.




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