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Hermann von Everstein und seine lippischen Verbündeten trafen am Ohrberg bei Hameln auf die welfischen Feinde

Die Schlacht am Trotzbusch

1404 wird es gewalttätig und blutig: Am 19. November kommt es am Ohrberg bei Hameln zur „Schlacht am Trotzbusch“: Dort kämpfen mal wieder Staufer-Freunde gegen Welfen-Freunde, die Eversteiner und Lipper gegen die Braunschweiger.

veröffentlicht am 16.05.2018 um 15:20 Uhr

Heute reitet er wieder, der Graf Hermann von Everstein in der Gruppe für lebendiges Mittelalter im Weserbergland „Grafschaft Everstein“. Foto: Andreas Busche

Autor

Felix David Reporter
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Gegen Ende des 14. Jahrhunderts deutete sich das Aussterben der Grafen von Everstein an. Die Grafschaft Everstein, die sich hauptsächlich auf beiden Ufern der Weser, zwischen Solling und Süntel, in überaus fruchtbarer Gegend ausbreitete, suchten alle bedeutende Nachbarn das Erbe anzutreten.

Durch Heirat waren die Eversteiner um 1250 Parteigänger der Staufer geworden und hatten Schutzbündnisse mit Kurköln, da das welfische Haus seine Hegemonialstellung an der Weser weiter auszubauen suchte.

Am 7. Januar 1399 schloss Hermann von Everstein einen Vertrag mit dem Bischof von Paderborn. Im Falle seines erbenlosen Todes sollte die gesamte Grafschaft mit Land und Leuten dem Bistum zufallen. Im Gegenzug erhielt der Graf 4000 rheinische Gulden geliehen. Das Welfenhaus beschwerte sich daraufhin beim König über die Nichtrückgabe der Grafschaft an das Königshaus zwecks Neuverteilung des Lehens.

Michael Sczesni mit seinem treuen Andalusier Nero. Foto: Andreas Busche
  • Michael Sczesni mit seinem treuen Andalusier Nero. Foto: Andreas Busche

Dann kam der ersehnte Thronnachfolger Otto von Everstein doch noch auf die Welt. Der Vertrag mit Paderborn und der Streit mit dem Welfenhaus endete dadurch. Leider verstarb Hermanns Sohn Otto im zarten Kindesalter zwischen 1402 und 1403, so dass die Grafschaft wieder erbenlos war. Graf Hermann brauchte neue Verbündete und schloss am 6. Juni 1403 ein neues Bündnis mit Simon III. zur Lippe und dessen Sohn Bernhard VI.

Wieder ein Affront für das Welfenhaus


Hermann von Everstein hatte nun gute und finanzstarke Partner gefunden. Die scheinbar kleine Herrschaft der Lipper mit den Eversteiner Landen war ein durchaus ernst zu nehmender Rivale für die welfischen Herzöge. Ein Konflikt war damit vorprogrammiert. Einen Vorwand lieferte die Verbindung der Edelherren zur Lippe zur Familie von Reden. Henning von Reden war von Herzog Heinrich als Landfriedensverbrecher angeklagt worden. Henning von Reden konnte sich zwar in Hofgeismar vor den versammelten Landrichtern wieder lösen, wurde aber trotzdem mit seiner Familie aus dem Hannoverschen vertrieben, seine Burg geschliffen und sein Vermögen eingezogen. Er flüchtete zu seinen Freunden ins Lippische auf die Burg Varenholz.

Der Herzog verlangte schriftlich die Herausgabe und drohte den Lippern mit Krieg und gewaltsamer Herausgabe. Die Erbverbrüderung mit Everstein war zu dieser Zeit schon abgesprochen. Man sah die Fehde schon voraus, hoffte aber auf friedliche Beilegung. Allerdings rüsteten beide Seiten schon auf. Rein rechtlich lieferten die Lipper den Herzögen durch die Aufnahme der Familie von Reden tatsächlich einen Fehdegrund. Nach Auffassung der Herzöge wurden die Lipper und indirekt die Eversteiner damit selbst auch zu Landfriedesverbrecher. Allerdings sahen das die Lipper und Eversteiner anders und beide Seiten versuchten über den König Ruprecht von der Pfalz eine gerichtliche Entscheidung herbeizuführen. Die militärischen Vorbereitungen gingen jedoch weiter.

Der Ausbruch der Kämpfe wurde wiederum durch die Brüder von Reden ausgelöst. In ihrer Privatfehde unternahmen sie einen Rachefeldzug in welfische Gebiete. Der Herzog stellte eine Truppe auf und verfolgte die Gebrüder von Reden persönlich bis ins Weserbergland nach Ohsen. Die Burg war aber nicht als Kampfplatz ausgesucht, da sich die Gebrüder von Reden weiter zurückzogen. Herzog Heinrich folgte ihnen weiter über die Weser. Den Übergang wählte das welfische Heer in der Nähe des Dorfes Ohr, wo es eine Furt gab. Am Ohrberg bei Hameln trafen sie dann am 19. November 1404 aufeinander.

Der Herzog glaubte nur die Gebrüder Reden zu verfolgen und lief dem Aufgebot förmlich in die Arme. Bernhard zur Lippes Truppe mit kölnischen Vasallen waren in der Übermacht und nahmen den Herzog gefangen. Die Schlacht wird zwar in mehreren Chroniken erwähnt, den Hergang erfährt man aber nur durch die Klageschrift des gefangen genommen Herzogs Bruder, Herzog Bernhard, an den König. Nachweislich wurden 31 Ritter und Knappen sowie 19 Knechte gefangen genommen. Von Toten wird auch berichtet, deren Zahl aber wohl gering war. Das Aufgebot des Herzogs wird wohl kaum 100 Mann überschritten haben. Der Herzog wird 200 bis 300 Mann und Lanzenträgern gegenübergestanden haben.

Die beiden Landkreise Hameln-Pyrmont und Holzminden führen den Eversteiner Löwen noch heute in ihren Wappen, Siegeln und Anschreiben und markieren die Kreisgrenzen

Herzog Heinrich wurde über Barntrup auf die als uneinnehmbar geltende Falkenburg bei Detmold verbracht und eingekerkert. Die Freude der Lipper und Eversteiner über die Gefangennahme wird wohl groß gewesen sein, wogegen der Schock im Welfenhaus sich als ein Desaster zeigte. Ihr Landesfürst Herzog Heinrich von Braunschweig-Lüneburg ist den verhassten Gegnern in die Hände gefallen. Nun wollte man den Welfen endgültig den gar ausmachen und forderte eine unverschämt hohe Lösegeldsumme in Höhe von 100 000 rheinische Gulden.

Durch Einbußen Eversteiner Ländereien und Städte in der Vergangenheit wie Hameln und Holzminden an die Welfen, taten sich nun scheinbar neue Möglichkeiten für die Eversteiner und Lipper auf. Man ging auf die Forderung zunächst ein und stellte fünf Schuldbriefe aus, die zwischen den Jahren 1406 und 1410 zur Zahlung fällig werden sollten.

Der Herzog schickte seinen Kaplan zu den Edelherren und teilte die Klageschrift an den König gegen diese Vorgehensweise mit. Es kam zu mehreren Schreiben an andere kirchliche und weltliche Fürsten und Städte in dieser Angelegenheit. Am 13. Mai des Jahres 1405 kam es zu einer Verhandlung in Worms vor dem Hofgericht. Beide Parteien ließen sich aber nur vertreten und es kam zu keiner Entscheidung. Der Herzog wurde unter Eid freigelassen, um wichtige Geschäfte erledigen zu können. Er kam vereinbarungsgemäß auf die Falkenburg zurück. Ein typisch adeliges Verhalten dieser Zeit.kmühle. Nach Recht zu entscheiden aber auch wichtige Partner nicht zu verprellen. Er half wegen dem hohen Lösegeld den Welfen mit Acht und Oberacht gegen die Lipper Edelherren, Graf Hermann von Everstein und die kölner Vasallen und Hauptleutte Gerhard von Ense, Hauptmann Ketteler, Johann Droste und Friedrich von Brencken.

Man rüstete sich erneut und im Frühjahr und Sommer 1407 brachen die Kämpfe erneut aus. Ein welfisches Aufgebot zog zur Burg Polle und nahm sie unvorbereitet Ostern 1407 an der Weser ein und verwüstete die lippischen Anteile der ehemaligen Grafschaft Schwalenberg. Ein lippisches Schadensregister zeigt zwar nur wenige tote Bauern, aber kein Hof ist vor Raub sicher gewesen. Kloster Falkenhagen und der Ort Rischenau hinter Polle wurde vollig verwüstet und niedergebrannt.

Eversteiner Gebiete, die man ja schadlos einnehmen wollte, blieben allerdings unberührt. Die reiche Grafschaft an der Weser mit ihren Wäldern und Feldern und der Weser als natürliche Grenze und Tor zum Westen war das begehrte Ziel welfischer Bestrebungen von Anfang an gewesen. Die Edelherren von Lippe hatten noch genug finanzielle Reserven, die Fehde fortzuführen.

Eine andere Situation ergab sich in dieser Zeit für Graf Hermann von Everstein. Er war nicht mehr gewillt, die Fehde fortzusetzen. Da kam ihm die Geburt seiner Tochter Elisabeth um 1404 zu Hilfe. Am 20. Januar 1408 kam es dann in Hameln mit den Herzögen zu einem Vertrag. Die Grafschaft Everstein wurde Braunschweigisch. Seine Tochter wurde mit dem viel älteren Herzogssohn Otto zur Ehe versprochen, die dann 1425 geschlossen wurde als Elisabeth 21 Jahre alt wurde. Graf Hermann wurde in den Rat der Herzöge aufgenommen. Schloß und Burg Aerzen wurde als Witwensitz für seine Frau Ermgard von Waldeck ausgesucht und für Graf Hermann Schloß Landestrost bei Celle als Alterssitz festgelegt.

Ein Jahr später, am 7. April 1409, schlossen auch die Lipper mit den Welfen auf Burg Polle endlich Frieden. Unter den Zeugen waren auch die von Münchhausen anwesend.

Seitdem ist die Grafschaft Everstein dauernd im Welfenhaus verblieben. Der Eversteiner Löwe, das Wappentier, wurde im Großen Staatswappen von Braunschweig Lüneburg aufgenommen und zierte auch auf deren Münzen. Die beiden Landkreise Hameln-Pyrmont und Holzminden führen den Eversteiner Löwen noch heute in ihren Wappen, Siegeln und Anschreiben und markieren die Kreisgrenzen.


Quelle: Paul Bartels 1881, Frank Huismann 2001, Andreas Busche 2018




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