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Menschen nutzen immer noch hauptsächlich traditionelle Medien, aber soziale Netzwerke holen auf

Die vielen Wege zur Nachricht

Die Presse, der Journalismus, die Medienwelt – was darf man 2017 darunter verstehen? Begriffe wie Pressefreiheit, Recherche, Nachrichten, Information und Wahrheit scheinen durch Schlagworte wie Lügenpresse, Fake News und alternative Fakten in Gefahr zu geraten. Unsere Zeitung macht ihr tägliches Tun für einen Monat zum öffentlichen Serienthema: den Journalismus. Heute geht es um das Thema: Auf welchen Wegen informieren sich die Menschen?

veröffentlicht am 10.05.2017 um 17:03 Uhr
aktualisiert am 13.06.2017 um 14:33 Uhr

Nicole Trodler

Autor

Onlineredakteurin zur Autorenseite

Es ist eine immer wieder gern gestellte Frage an Schüler und junge Praktikanten, die die Redaktion besuchen: „Lest ihr eigentlich die Tageszeitung?“ Die Antwort ist dann meistens sehr ernüchternd und geht oft mit einem gesenkten Kopf und einem leise gemurmelten Nein einher oder der Aussage, dass die Eltern die Zeitung abonniert hätten, man selbst jedoch nur selten einen Blick hineinwerfe. Fragt man dann als Nächstes, ob die Schüler im Internet, auf Facebook, WhatsApp und Co. unterwegs sind, wird schon eher genickt. Diese Beobachtung aus dem Alltag bestätigt sich auch durch einen Blick in einschlägige Studien zur Nachrichtennutzung in Deutschland. Die Jugendlichen aus dem Weserbergland liegen also im Trend.

Zeitungen, Radio, Internet oder das gute alte Fernsehen – die Möglichkeiten, an Informationen zu kommen, sind heutzutage zahlreich. Aber tatsächlich schalten die meisten Menschen immer noch den Fernseher an, um sich zu informieren. Fast drei Viertel der Deutschen schauen auch im Jahr 2016 regelmäßig TV-Nachrichten. Das hat das Reuters Institute mit Sitz in Oxford in einer Befragung von etwa 2000 Personen herausgefunden. Das Institut beschäftigt sich seit dem Jahr 2012 in regelmäßigen Untersuchungen mit der Frage, wie Menschen Nachrichten konsumieren und hat dabei vor allem die Gewohnheiten der Internetnutzer im Blick. Der „Digital News Survey“ zeigt jedoch auch auf dem zweiten Platz der am meisten genutzten Nachrichtenquellen ein traditionelles Medium: 46 Prozent der Befragten gaben an, durch Nachrichten im Radio informiert zu werden. Die gedruckten Zeitungen folgten mit 29 Prozent erst auf Platz fünf, noch hinter den sozialen Netzwerken, die von 31 Prozent genannt wurden.

Das alles sind Durchschnittswerte: Beim genaueren Hinschauen zeigt sich, dass es bei der Frage der Mediennutzung auf das Alter ankommt. Je jünger die Menschen, desto eher informieren sie sich online. Je älter, desto eher schalten sie den Fernseher ein. Generell ist die Zahl der „Onliner“ im Jahr 2016 auf einen Rekordwert gestiegen. Die Onlinestudie von ARD und ZDF zählt 58 Millionen Menschen, die im Netz unterwegs sind. Das entspricht einem Anteil von 83,8 Prozent an der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren. Rund zwei Drittel von ihnen (45 Millionen Menschen) nutzen das Netz dabei täglich. Vor allem die 14- bis 49-Jährigen sind täglich mehrere Stunden online. Die Älteren immerhin noch durchschnittlich zwischen 28 und 85 Minuten. Beim Surfen im Internet geht es vor allem um Kommunikation (E-Mailen, Chatten oder der Austausch in Sozialen Medien). Aber bereits an zweiter Stelle folgt die Online-Mediennutzung. Es zeigt sich also, dass die „Nachwuchs-Leser“ vor allem im Internet zu erreichen sind. Dabei spielen soziale Netzwerke seit einigen Jahren eine immer größer werdende Rolle, besonders bei den Jüngeren.

Wie die 15- bis 35-Jährigen – die sogenannten Millenials – Medien nutzen, war zuletzt Gegenstand einer Studie des Bundes deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen seien vor allem über soziale Medien wie WhatsApp, Facebook, Snapchat und Instagram erreichbar, heißt es in der im April 2017 vorgestellten Untersuchung. Aus Sicht der Zeitungsmacher positiv: Auf Qualität und fundierte Berichterstattung legen sie auch bei Nachrichten in sozialen Netzwerken wert. Negativ jedoch: Die Quelle, also die Angabe, woher der Artikel stammt, interessiert sie dabei weniger.

Die Bedeutung sozialer Netzwerke als Nachrichtenquellen wird jedoch noch weiter zunehmen. Nach einer Studie des britischen Meinungsforschungsinstituts YouGov sind über die Hälfte der Deutschen bereit, sich künftig über soziale Medien und Messenger über politische Themen zu informieren. Am ehesten können sich die Befragten dabei vorstellen, über das soziale Netzwerk Facebook informiert zu werden (31 Prozent). An zweiter Stelle einer möglichen künftigen Nachrichtenquelle folgt der Messenger Whats-App, allerdings mit 16 Prozent bereits etwas abgeschlagen. Immerhin noch zehn Prozent können sich vorstellen Google+ zur Information zu nutzen, neun Prozent nannten Twitter. Die jungen Netzwerke wie Instagram und Snapchat sehen nur wenige der Befragten als potenzielle Informationsquelle (vier beziehungsweise ein Prozent).

Soziale Netzwerke bringen übrigens auch viele Leser auf unsere Webseite. Sobald ein Artikel auf Facebook platziert ist, steigen die Zugriffe auf die Homepage.

Wenn Menschen im Internet Nachrichten lesen, stellt sich auch die Frage, welches Gerät sie dafür nutzen. Ob nun der Rechner hochgefahren oder das Handy in die Hand genommen wird, ist – ebenso wie die Frage nach der gewählten Plattform – vom Alter des Nutzers abhängig. Jüngere rufen Nachrichten vorrangig auf dem Smartphone auf, während Ältere auf den Laptop oder den PC zurückgreifen. Es lässt sich jedoch generell beobachten, dass die mobile Nutzung im Vergleich zum stationären Zugriff auf dem Vormarsch ist.

Das Smartphone hat den Laptop als häufigstes Internet-Gerät überholt, zeigen die Zahlen der ARD/ZDF-Onlinestudie 2016. Das Smartphone nutzten 66 Prozent am häufigsten, 38 Prozent das Tablet, 44 Prozent den PC und 57 Prozent den Laptop. Auch die Tageszeit spielt bei der Wahl des Geräts eine Rolle. Am Tag kommen die meisten Zugriffe über stationäre Rechner, zum Abend hin nehmen die mobilen Zugriffe zu. Woran das liegt? Am Tag sitzen die Menschen am Arbeitsplatz, am Abend holen sie auf dem Heimweg und auf dem Sofa das Handy raus. Diese Tendenz lässt sich auch tagtäglich anhand der Zugriffe auf unsere Internetseite nachvollziehen.

Was bedeuten nun all diese Aussagen über den modernen Nachrichtenkonsum für Tageszeitungen? Zum einen sollte klar sein, dass sich Verlage nicht mehr darauf verlassen können, mit ihrem klassischen Produkt, der gedruckten Tageszeitung, auch in Zukunft die Menschen zu erreichen. Es müssen alternative Verbreitungskanäle „bespielt“ werden. Die Zeitung braucht ein auf verschiedenen Geräten lesbares E-Paper und eine leserfreundliche Webseite. Es müssen zusätzliche Online-Inhalte geschaffen werden und Artikel sowie deren Überschriften an die Gewohnheiten der Online-Leser angepasst werden. Denn wer im Netz nach Informationen sucht, bekommt eine Fülle an Angeboten. Aus diesen herauszustechen, und die Aufmerksamkeit der Leser zu erlangen, ist eine große Herausforderung für Journalisten. Deshalb ist es von großer Bedeutung, die Online-Inhalte – Artikel, Fotos, Videos, Grafiken – auch in den sozialen Netzwerken an die Leser zu bringen. Vor allem, um die jungen Leser zu erreichen, die keine gedruckte Zeitung mehr gewöhnt sind. Damit irgendwann die Antwort auf die Frage: „Lest ihr die Tageszeitung?“ lautet: „Ja klar, im Internet.“



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