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Rennfahrer René Rast aus Minden und sein Manager Dennis Rostek aus Bückeburg sind ein gutes Duo

Ein Meister-Team

Den Grund, weshalb sie 2008 ein halbes Jahr kein Wort miteinander gewechselt haben, kennen Rennfahrer René Rast und sein Manager Dennis Rostek gar nicht mehr. Aber an den Zeitpunkt erinnern sich die Zwei ganz genau. Mitten in der Saison kam es seinerzeit zum Knatsch und beide kommunizierten nur noch über Dritte. Heute lachen sie darüber. Man spürt gleich, dass die beiden dicke Freunde sind.

veröffentlicht am 04.02.2019 um 13:15 Uhr

Rennfahrer René Rast fährt für Audi. Der Gewinn der Tourenwagenmeisterschaft 2017 ist der bislang größte Erfolg des gebürtigen Mindeners und Wahl-Österreichers. Foto: pr

Autor:

Carsten Korfesmeyer
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Es ist ein Donnersagabend und Rast und Rostek sind gerade von einer Veranstaltung aus Düsseldorf in Porta Westfalica eingetroffen. Tags drauf ist schon wieder ein Sponsorentermin in Frankfurt und für das Wochenende haben sie eine Einladung von Familie Porsche in Österreich. Gestresst oder müde wirken die beiden trotzdem nicht. „Wir verbringen gerne Zeit miteinander“, sagt der Rennfahrer. Kein Tag vergehe, an dem sie nicht wenigstens miteinander telefonieren. Jeder von beiden wisse auch fast immer, wo der andere gerade steckt.

Rostek spricht von einem eingespielten Team, das sich perfekt ergänze und in dem die Aufgabengebiete klar verteilt seien. Rast konzentriert sich auf das Renngeschehen, er sich um alles Drumherum. Vom Stand der oft sehr anstrengenden und nervenaufreibenden Verhandlungen erzählt der Manager seinem Schützling beispielsweise so gut wie nie etwas. „Ich bin ein Freund kürzerer Verträge, denn dadurch hat man mehr Flexibilität“, sagt der 45-Jährige. Rast, der 13 Jahre jünger ist, bleibt bei den Entscheidungen allerdings niemals außen vor. Bevor Verträge unterzeichnet werden, stimmt sich das Duo ab.

„Dennis macht sich die Gedanken über meine sportliche und wirtschaftliche Zukunft.“ Schön sei, dass er sich um dieses Thema nicht persönlich kümmern müsse. Vom Job eines Managers zeigt sich Rast allerdings angetan. Obwohl er die Zeit im Cockpit noch lange fortsetzen will, könnte er sich einen solchen Job für später gut vorstellen.

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Der Fahrer konzentriert sich auf Auto und Strecke, der Manager auf das Drumherum. Bei Rostek und Rast klappt diese Aufteilung perfekt. Foto: PR

Heute ist er etwa im Alter seines Managers, als die Zusammenarbeit der beiden im Jahr 2005 begann. „Damals lag deine Karriere so ziemlich am Boden“, sagt Rostek. Rast nickt. Den 23. Platz fuhr er 2004 in der Formel BMW ein – zu wenig, um in der Szene auf sich aufmerksam machen zu können und an die Sponsoren zu kommen, die im Rennsport von höchster Bedeutung sind. Rostek hingegen verfügte schon vor 14 Jahren über diese Kontakte und Rasts Vater fragte den damaligen Rennfahrer seinerzeit, ob er den Managerposten für seinen Sohn übernehmen könne. Für den Portaner war so eine Aufgabe damals zwar noch Neuland, doch er sagte zu – und die Erfolge kamen.

Wenn ich Dennis anrufe, weiß ich schon nach dem ersten Wort, wie er gerade drauf ist.

René Rast, Rennfahrer aus Minden über seinen Manager Dennis Rostek, der in Bückeburg lebt

Von außen betrachtet, scheint es, als hätte Rostek bei Rast einen Schalter umgelegt. Plötzlich lief es rund. Im Tourenwagensport startete der Rennfahrer durch und holte mit sechs Rennsiegen bereits in der ersten Saison den ADAC Volkswagen Polo Cup. Im Seat Leon Supercopa gewann er 2007 die Vizemeisterschaft und in den folgenden Jahren mehrere Titel mit Porsche. 2017 kam es zum bisherigen Karrierehöhepunkt des gebürtigen Mindeners. Rast wurde umjubelter Meister in der auch international beachteten Deutschen Tourenwagenmeisterschaft (DTM).

„Motorsport ist eben anders“, sagt der Rennpilot. Um zu zeigen, was man drauf hat, benötigt der Fahrer ein funktionierendes Arbeitsgerät. Das ist im Idealfall das schnellste Auto – und wenn dann noch ein starkes Team dahinterstehe, sei der Erfolg an sich schon sehr nah. Aber das kostet Geld, um das sich Rostek kümmert. Er schließt die Verträge mit den Automobilunternehmen ab.

Rast genießt durch seine Erfolge inzwischen große Popularität und in Rennfahrerkreisen eine Menge Respekt. Der Wahl-Österreicher, der in Bregenz lebt, kommt beruflich viel in der Welt herum. „Nächste Woche bin ich in Florida und danach auf Lanzarote“, sagt er. Allein im Jahr 2018 habe er 200 Nächte in Hotels verbracht. Ob ihm das gefällt oder nicht, lässt der Rennfahrer offen. Er sagt aber, dass er mit seiner Familie und vor allem mit seinem inzwischen zweieinhalbjährigen Sohn gerne viel mehr Zeit verbringen möchte.

Rast bekommt viel Fanpost – meist von Jungs, die den Traum vom Rennfahrer leben und ihr Idol um ein paar Tipps bitten. Der DTM-Pilot selbst macht um seine Person nicht viel Wirbel. Er ist bodenständig und braucht keinen Glamour. Seinen Beruf sieht er nüchtern. Es sei für ihn, als wenn er wie jeder andere ganz normal zur Arbeit gehe, erzählt er. Ohnehin hätten sehr viele Menschen völlig falsche Vorstellungen von dem, was er mache. „Es ist nicht damit getan, sich ins Auto zu setzen und Rennen zu fahren.“

Der Rennfahrer und sein Manager teilen Gemeinsamkeiten, sind in einigen Dingen aber auch unterschiedlich drauf. Rast ist ein Typ, der keine großen Ansprüche stellt. In Restaurants bestellt er eher die einfacheren Gerichte und in Luxushotels muss er nach eigenen Worten auch nicht unbedingt schlafen. „Ich bin da anders“, sagt Rostek. Er gönne sich gerne ein leckeres Steak und wenn er schon aus beruflichen Gründen in Hotels übernachten muss, möchte er es auch möglichst angenehm haben.

Rostek ist gebürtiger Portaner und hat vor einiger Zeit mit seiner Familie in Bückeburg ein Haus gekauft. In der Stadt steht auch sein Autohaus und in seiner Branche genießt er einen hohen Bekanntheitsgrad. Dass er und Rast aufeinandergetroffen sind, hat beide vorangebracht. Sie ergänzen sich und ihre Freundschaft ist so sehr gefestigt, dass der Rennfahrer der Patenonkel von Rosteks Tochter Mathilda ist. Beide sind der festen Überzeugung, dass sie auch nach ihrer beruflichen Zusammenarbeit viel Kontakt miteinander haben. Sie verstehen sich blind und erkennen die Stimmungslage des anderen jederzeit. Auch am Telefon. „Wenn ich Dennis anrufe, weiß ich schon nach dem ersten Wort, wie er gerade drauf ist.“




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