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Fotografische Gesellschaft Hameln feiert runden Geburtstag – ein Porträt

Faszination Foto

Vor 70 Jahren haben sich die Mitglieder der Fotografischen Gesellschaft Hameln zum ersten Mal getroffen. Was sie bis heute verbindet, ist die Liebe zur Fotografie.

veröffentlicht am 21.08.2018 um 16:29 Uhr

Bernd Schlüter hat dieses Foto geschossen – es trägt den Titel „Mythos“.

Autor:

EVa Henjes
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Das ist es, was mich fasziniert“, sagt Bernd Schlüter und blättert durch sein Fotobuch. Mal sieht man ein Fahrrad vor einer angesprühten Wand. Mal einen Fischkopf oder Seetank. Er fotografiert gerne die banalen Dinge des Alltags, sagt er. „Das was Leute normalerweise nicht sehen. Der Alltag kann so wunderschön sein. Ich liebe das.“

Bernd Schlüter ist 64 Jahre alt und seit knapp vier Jahren Mitglied in der Fotografischen Gesellschaft Hameln. Vor genau 70 Jahren haben sich die Mitglieder dieses „Fotoclubs“ erstmalig getroffen. Was sie bis heute verbindet, ist die Liebe zur Fotografie. Es ist für sie mehr als nur ein Hobby. „Wir sind mehrheitlich professionelle Amateure“, beschreibt Schlüter die überwiegend pensionierten Mitglieder. Wie viel wert ihnen das Fotografieren ist, zeigt allein die teure Ausstattung. „Um Gottes Willen nicht mit dem Handy fotografieren“, sagt Schlüter. Das könne er gar nicht. „Ich muss beim Fotografieren durch einen Zoomer gucken.“ Ob Nikon oder Canon, das sei immer ein Streitthema und „sehen die Kollegen unterschiedlich“. Der Trend gehe laut Schlüter allerdings gegen die Spiegelreflexkamera und er selbst sei mittlerweile auf eine Systemkamera von Sony umgestiegen. Diese sei kleiner und kompatibler. Teuer ist sie trotzdem. „Schon mal 3500 Euro. Ohne Objektiv.“

Um Gottes Willen nicht mit dem Handy fotografieren. Ich muss beim Fotografieren durch einen Zoomer gucken.

Bernd Schlüter, Fotograf

Die Fotografien seien daher „von höchster Qualität und auf einem gewissen Niveau“. Davon kann sich jeder selbst überzeugen. Denn anlässlich des Geburtstages lassen die Mitglieder durch eine „Jubiläumsausstellung“ die Öffentlichkeit an ihrer Arbeit teilhaben. Diese befindet sich in der Sparkasse Weserbergland, gegenüber der Marktkirche, und jeder kann nach dem Geldabheben oder einfach so die Fotos betrachten. Jedes der Mitglieder hat sich für die Ausstellung drei „besondere Bilder ausgesucht“, die dem individuellen Stil entsprechen. Die „qualitativ hochwertigen Fotos“ überzeugen laut Schlüter in Technik und Ästhetik. „70 Jahre fotografische Gesellschaft hat einen gewissen Anspruch.“ Ein Leitthema gibt es nicht. Die Fotos stammen aus den unterschiedlichsten Bereichen. „Ziel der Ausstellung ist Vielfältigkeit.“ Es gehe über Portraits und Landschaftsbilder bis zu Tier-, Architektur- und Tabletop-Fotografie.

Dieses Foto mit dem Titel „Kartenhaus“ stammt von Hans Meyer.
  • Dieses Foto mit dem Titel „Kartenhaus“ stammt von Hans Meyer.
Volker Kahle hat diese Fotografie „Besucher“ genannt.
  • Volker Kahle hat diese Fotografie „Besucher“ genannt.

Was daran Kunst ist, kann jeder selbst entscheiden. Bernd Schlüter, der auch als Kunstlehrer tätig ist, sieht zwischen Fotografie und Kunst einen Unterschied. Über diesen Unterschied denkt er gerne nach und hält es für eine „spannende Diskussion“. Die Kunst müsse über das Fotografische hinausgehen, einen tieferen Sinn haben. Ein gutes Foto, wie beeindruckende Natur- oder Landschaftsaufnahmen, brauche nicht zwangsläufig eine Deutung. Die fotografische Gesellschaft wolle keine Kunst machen, „sondern gute Fotografie“. Der Übergang sei allerdings fließend und letztlich liege es am Betrachter, zu urteilen.

70 Jahre alt ist die Fotografische Gesellschaft Hameln mittlerweile – die Fotografen würden sich über neue Mitglieder freuen

Das perfekte Bild gibt es für Bernd Schlüter nicht. „Perfektion ist böse.“ Drei Dinge seien für Perfektion wichtig: „Zeit, Geld und Muße“. Zumindest die Zeit habe er nicht, um zum Beispiel aufwendig ein Stativ aufzustellen. Seine Fotos entstehen oft aus dem Momentum heraus. Er sitzt zum Beispiel in einem Doppeldeckerbus in London, der an der Ampel hält. Dann muss es schnell gehen und in wenigen Sekunden hat er ein Foto geschossen. Ein Foto, das auch bei der Ausstellung zu seiner Auswahl gehört.

Bei ihm sind viele „Schüsse“ gleich Treffer, denn „beim Fotografieren muss es mir schnell gehen.“ Zeit findet er ohnehin oft nur im Urlaub. Inszenieren muss er seine Fotografie nicht. Er nennt es „fotografischer Blick“ mit dem er das ganze Sortiment nutzt, das die Kamera zu bieten hat. Ihn haben Bilder schon immer fasziniert. Schließlich fotografiert er schon „eine sehr lange Zeit“, seit dem 15. Lebensjahr. Nachdem er die Fotos gemacht hat, kommen sie in die Bearbeitung. Das nimmt ein bis drei Tage am Computer in Anspruch. Er selbst verwendet das Programm Lightroom, mit dem er sehr zufrieden ist. Manchmal müsse zum Beispiel die Helligkeit angepasst oder der Ausschnitt verändert werden. Dann erstellt er nach Themen sortierte Fotobücher. Sein liebstes Motiv sind die Dinge, die sonst keiner wahrnimmt. „Banalitäten, die schön sein können.“ Nicht umsonst heißt eines seiner Fotobücher auch „Ikarus oder das Erscheinen des Unscheinen.“

Innerhalb der Fotografischen Gesellschaft wird bei den regelmäßigen Treffen im historischen Rattenfängerhaus „kritisch über die Bilder gesprochen“ und sich ausgetauscht. Zwölf Mitglieder sind es insgesamt. „Wir wären schon gerne mehr. Vielleicht kommen durch die Ausstellung mehr hinzu.“ Die fotografische Gesellschaft hat die Tradition, alle Vierteljahre Wettbewerbe zu bestimmten Themen auszurichten. Das kann zum Beispiel das Thema „Licht und Schatten“ sein. Sie schicken die Bilder dann einfach anderen Fotoclubs, was in Hannover oder Lehrte sein kann, und diese bestimmen die drei besten Fotos. Die ausgezeichneten Bilder sind alle themensortiert auf der Website der Fotografischen Gesellschaft zu finden. Die Website bietet ebenfalls durch individuelle Fotogalerien der Mitglieder einen Vorgeschmack auf die einzelnen Werke.

Die Ausstellung ist noch bis Donnerstag in der Schalterhalle der Sparkasse Weserbergland in Hameln zu sehen.


Die Treffen der Fotografischen Gesellschaft finden jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat um 20.15 im Rattenfängerhaus an der Osterstraße 14 statt. Jeder ist eingeladen, einfach vorbeizuschauen.




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