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Interview mit Peter Stahlhut, O-I Glasspack Rinteln

Glas in über 30 Farben und 1200 Formen

RINTELN. Das O-I-Glaswerk in Rinteln hat seit August 2016 einen neuen Werksleiter: Peter Stahlhut. Der Standort Rinteln gehört zum weltweit 78 Werke umfassenden O-I-Netzwerk und kann Glas in über 30 Farben und 1200 Formen herstellen. Was hat Stahlhut mit dem Standort vor? Ein Interview.

veröffentlicht am 31.07.2018 um 15:00 Uhr
aktualisiert am 31.07.2018 um 15:51 Uhr

Glas in allen Formen und Farben: O-I Glasspack ist der Weltmarktführer für Glasbehältnisse. Der Standort Rinteln ist einer der flexibelsten in Europa. Symbolbild: Pixabay

Autor:

Dietrich Lange
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RINTELN. Das O-I-Glaswerk in Rinteln hat seit August 2016 einen neuen Werksleiter: Mit Peter Stahlhut kam ein Glas-Experte mit langjähriger Erfahrung zum Weltmarktführer für Glasbehälter als Nachfolger von Thomas Stadie. Nach den Investitionen im Jahr 2015 und dem damit verbundenen starken Bekenntnis O-Is zum Standort, führt Stahlhut die positive Entwicklung des Werks fort. Es spielt aufgrund seiner Flexibilität eine besondere Rolle im O-I-Konzern.

„Mit Peter Stahlhut haben wir einen ausgewiesenen Experten in der Glasproduktion erhalten, der auch Erfahrungen in internationalen Unternehmen sammeln konnte. Er passt fachlich und menschlich hervorragend in unser Team und wird die sehr gute Entwicklung an unserem Standort Rinteln erfolgreich weiterführen“, so Michael Prechtl, Country Group Executive North/Central Europe. „Zuvor hat Stahlhut in verantwortungsvollen Positionen für zahlreiche renommierte Firmen gearbeitet und konnte dadurch Erfahrungen in höheren, zentralen Funktionen gewinnen.“

Der Standort Rinteln gehört zum weltweit 78 Werke umfassenden O-I-Netzwerk und ist eines der flexibelsten Werke in Europa. Es kann Glas in über 30 Farben und 1200 Formen herstellen, was gerade für das Produzieren kleiner Serien von Bedeutung ist. „Das macht die tägliche Arbeit jedoch erheblich aufwendiger als die in anderen Werken“, erklärt Stahlhut. Im Gespräch mit unserer Zeitung zieht Stahlhut eine Bilanz seiner ersten 22 Monate in Rinteln.

Die Rintelner Glashütte O-I zwischen der Stoevesandtstraße und Dankerser Straße aus der Luft: Ein Teil der alten Gebäude ist nicht voll genutzt. Es bestehen also noch Erweiterungsmöglichkeiten auf dem eigenen Gelände. Foto: pr/Grayling
  • Die Rintelner Glashütte O-I zwischen der Stoevesandtstraße und Dankerser Straße aus der Luft: Ein Teil der alten Gebäude ist nicht voll genutzt. Es bestehen also noch Erweiterungsmöglichkeiten auf dem eigenen Gelände. Foto: pr/Grayling

Herr Stahlhut, seit gut einem Jahr sind Sie Werkleiter in Rinteln. Was waren seither die größten Herausforderungen?

Als ich die neue Stelle übernommen habe, war es mein Ziel, das Vertrauen in meine Person und in die von mir vorgegebenen Ziele zu wecken. Die Herausforderungen im technischen Bereich sah ich vorrangig im Sicherstellen von stabilen Prozessen. Gerade in einem Werk wie Rinteln, in dem unterschiedliche Flaschengrößen von 20ml Kleinglas bis hin zu 3000ml Großglas in mehr als 20 verschiedenen Farbtönen hergestellt werden, ist dies von großer Bedeutung.

Was davon haben Sie schon umsetzen können?

Mein Eindruck ist, dass die Kollegen und ich sehr schnell einen gemeinsamen Weg zur vertrauensvollen Zusammenarbeit gefunden haben. Wichtig war und ist mir hierbei auch der persönliche Kontakt zu allen Mitarbeitern aus den verschiedenen Abteilungen. In den technischen Bereichen haben wir deutliche Fortschritte erzielt. Das Team, das für die Rohstoffe und die Umschmelzungen verantwortlich ist, kann ich als sehr gutes Beispiel nennen: Durch verschiedene Verbesserungsmaßnahmen im vergangenen Jahr können wir jetzt mehrere hundert Tonnen verkaufsfähiges Glas mehr erzeugen als noch in den Vorjahren. Gleiches gilt für die verbesserte Zuverlässigkeit der technischen Anlagen in den verschiedenen Serviceabteilungen und dem Produktionsbereich.

Das O-I-Werk Rinteln ist bekannt für große Vielfalt an Farben und Formen auch in kleineren Serien von Glasbehältern. Und das bei anerkannt hoher Qualität. Bewegt sich das Werk weiter in dieser Nische mit traditionell höherer Profitabilität als beim Massengeschäft oder gibt es neue Anforderungen durch den weltweit agierenden Mutterkonzern?

Die Stärke von Rinteln ist das Geschäft mit unterschiedlichen Farben. Diese Flexibilität werden wir weiterentwickeln und ausbauen. Um der Nachfrage unserer Kunden nach kleineren Losgrößen Rechnung zu tragen, haben wir in den vergangenen zwölf Monaten Technik installiert, die es uns ermöglicht, parallel unterschiedliche Artikel zu produzieren. Dies eröffnet uns Möglichkeiten im Nischenmarkt und damit im Bereich mit hoher Profitabilität. Rinteln ist aber eines der wenigen Werke, das neben der Produktion von Kleinstmengen auch Lieferant von großen Mengen Bierflaschen in speziellen Farben ist. Die Nachfrage in diesem Bereich ist stark gestiegen, und wir entwickeln uns gerade in diesem Segment hervorragend.

Welche Farben und Formen stehen derzeit im Mittelpunkt in Rinteln?

Mengenmäßig sind in Rinteln traditionell die verschiedenen Grün- und Brauntöne sowie das Royal Blau sehr stark nachgefragt. Bekannt ist Rinteln aber auch für die verschiedenen hellen Blautöne, die verstärkt bei den Gourmet-Wasserflaschen eingesetzt werden.

In welche Länder wird geliefert? Werden Kundenwerbung und Vertrieb zentral oder auch von Rinteln organisiert?

Die Hauptabnehmer befinden sich in Europa. Wenn gewünscht, liefern wir Flaschen aber auch nach Übersee oder Asien. Vertrieb und Marketing für das Geschäft in Rinteln werden zentral organisiert.

Wie entwickelt sich der Umsatz?

Wir verzeichnen in allen Bereichen eine positive Entwicklung.

Wie groß ist die Mitarbeiterzahl, wächst sie?

Die Mitarbeiterzahl ist in den vergangenen zwei Jahren gewachsen. Dies hat mit der steigenden Flexibilisierung zu tun, aber auch mit der Nachfolgeplanung für ältere Mitarbeiter, die in naher Zukunft in Rente gehen werden. Aktuell sind am Standort Rinteln 261 Mitarbeiter beschäftigt.

Finden Sie noch genug Nachwuchs für die Ausbildung und Fachkräfte für die Neubesetzung von Stellen? Müssen Sie stärker um Fachkräfte werben als früher?

Für das kommende Ausbildungsjahr haben wir alle offenen Ausbildungsplätze in Rinteln besetzen können. Wir freuen uns schon auf die neue Generation unserer Nachwuchskräfte, die sicherlich wieder „frischen Wind“ in das Werk bringen werden. Die Veränderungen am Personalmarkt sind für alle Unternehmen spürbar: Es wird schwieriger, qualifiziertes Personal zu finden und junge Menschen für die Lehre zu begeistern. Als weltweit führendes Unternehmen für Glasverpackungen haben wir eine große Leidenschaft für Glas und wollen diese an die Jugend weitergeben. Wir arbeiten deshalb daran, unsere Marke und Werte stärker nach außen zu tragen und erwarten, damit unser Arbeitgeberimage weiter verbessern zu können.

Wird die Zusammenarbeit mit dem Schwesterwerk in Holzminden intensiviert oder bleibt das Werk Rinteln weitgehend autark?

Einer der Vorteile bei einem weltweit tätigen Unternehmen wie O-I zu arbeiten ist, dass man von einer außergewöhnlichen Erfahrung profitieren kann. So verfügt das Schwesterwerk in Holzminden über eine große Expertise im Bereich der Kleinserienproduktion. Diese Kenntnisse möchten wir auch gern im Werk Rinteln nutzen. Grundsätzlich tauschen wir uns aber auch mit anderen O-I Werken zu spezifischen Themen aus. Die Vorteile des globalen Netzwerks spüren nicht nur die Werke, sondern auch unsere Mitarbeiter.

Wann stehen die nächsten größeren Investitionen an – wie vor allem der nächste Ersatz einer der beiden Schmelzwannen?

O-I verfügt über ein umfassendes Renovierungs- und Modernisierungsprogramm, das die relative Lebensdauer jeder einzelnen Wanne im gesamten Netzwerk und die besten Wachstumschancen berücksichtigt. Die letzte Großinvestition in Rinteln hatten wir 2015 mit der Wanne B. Nun stehen weitere Investitionen in den Bereichen Sicherheit, Betriebserhaltung und Prozessstabilisierung im Vordergrund. Die Details der nächsten Großinvestition werden zu gegebener Zeit bestätigt.

Fühlen Sie sich persönlich wohl in Rinteln? Wohnen Sie hier oder pendeln Sie von außerhalb zum Arbeitsplatz? Wie ist Ihr Eindruck von der Weserstadt?

Für mich war von Anfang an klar, dass ich auf keinen Fall zu meiner Arbeitsstelle pendeln werde. Daher bin ich mit meiner Frau Anfang 2017 nach Rinteln gezogen. Mir gefällt der kurze Arbeitsweg sehr, und Rinteln hat alles, was ich zum Wohlfühlen brauche. Eine Eingewöhnung war nicht wirklich nötig, da ich nur 20 Kilometer entfernt von hier geboren wurde. In den vergangenen 30 Jahren habe ich zwar in anderen Regionen gearbeitet und gewohnt, aber für mich war der Umzug nach Rinteln wie eine Rückkehr nach Hause.

Information

Owens-Illinois, Inc. (NYSE: OI) ist der weltweit größte Hersteller von Glasverpackungen und bevorzugter Partner vieler global führender Lebensmittel- und Getränkemarken. Im Jahr 2017 erzielte O-I Einkünfte in Höhe von 6,9 Milliarden US-Dollar und beschäftigt über 26 500 Menschen in 78 Werken und 23 Ländern. Das Unternehmen mit Hauptsitz im US-amerikanischen Perrysburg, Ohio, liefert sichere, nachhaltige, reine, einzigartige und markenbildende Glasverpackungen für einen wachsenden Weltmarkt. Mehr Informationen finden Sie unter www.o-i.com. dil




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