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Jährlich rund 7000 Studierende

Hamelner TA Bildungszentrum: Ein Erfolgsmodell

HAMELN. Woher kommen die Studenten des TA Bildungszentrums? Welche Studiengänge belegen sie und wie läuft so ein Studium in Hameln ab? Berufsbegleitendes Lernen steht im Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit an der TA. Wir haben uns das Erfolgsmodell angeschaut.

veröffentlicht am 08.10.2018 um 10:41 Uhr
aktualisiert am 11.10.2018 um 11:58 Uhr

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Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter

Dass ein Arbeitgeber die Ausbildung am TA Bildungszentrum finanziert, ist eher die Ausnahme, wie Werner Thiele, einer drei Geschäftsführer der TA, im Gespräch erklärt. „Etwa 90 Prozent unserer Absolventen müssen die Gebühren, die Bücher, ihre Wohnung und ihren Lebensunterhalt selbst bezahlen. Und bei einem Meisterkurs können da schon 10 000 Euro zusammenkommen. Aber das macht nichts“, erklärt Thiele, „das erhöht ganz klar die Motivation, intensiv zu lernen und dann auch die Prüfung bei der IHK zu bestehen.“ Wer an das TA Bildungszentrum komme und sich mit Überstunden, aufgespartem Urlaub oder anderen Regelungen die Zeit aufgespart habe, ohne Lohnverlust die Ausbildung zu absolvieren, sei eben besonders leistungsbewusst – etwas, was er in der deutschen Gesellschaft immer stärker vermisst. „Wer zu uns kommt, dessen Bildungsbewusstsein wird in jedem Fall noch mal wachgeküsst.“ 

Als einer der führenden Anbieter in Deutschland bilden wir die Führungskräfte von morgen aus.

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Wer auf die Historie des TA Bildungszentrums schaut, wird nicht umhinkommen, sie als absolute Erfolgsgeschichte zu bewerten. Kaum zu glauben, dass sie ihren Ursprung 1992 an der Eugen-Reintjes-Schule nahm. Werner Thiele war dort Berufsschullehrer und bot Abend- und Wochenendkurse für eine Meisterausbildung an. „Aber es hat sich nicht mit den Regeln einer Schule der öffentlichen Hand vertragen, dass abends und am Wochenende Türen auf- und wieder abgeschlossen werden mussten. Wir mussten das anders organisieren und haben Räume im Industriegebiet an der Kuhbrückenstraße angemietet.“ Als sich in der Industrie herumgesprochen hatte, dass in Hameln die Meisterausbildung nicht zwei oder drei Jahre dauert, sondern in kompakten Intensivkursen in wenigen Monaten zu schaffen war, war der Durchbruch geschafft. Thiele erwarb von e.on das ehemalige Wesertalgebäude und investierte im Lauf der Jahre kräftig in die Infrastruktur des Bildungszentrums, erwarb an der Jahnstraße von den Briten 21 Häuser und wandelte die Wohnungen in rund 300 Appartements um, die an die Studierenden vermietet werden. Sie reichen zwar bei Weitem nicht aus, den Bedarf der für kürzere Zeit eine Unterkunft suchenden Meister- oder Fachwirte-Aspiranten zu decken, aber sie haben die Lage bei der Wohnungssuche zumindest entspannt. Waren es vor ein paar Jahren noch 80 000 Übernachtungen, die von der TA generiert wurden, seien es heute 140 000, wie Frédéric Philipp Thiele, der Sohn von Werner Thiele und neben Frank Karl Mauve einer der drei Geschäftsführer des Bildungszentrums, erklärt.

4000 Euro kostet die Ausbildung an der TA

Werner Thiele während einer Vorlesung. Foto: TA
  • Werner Thiele während einer Vorlesung. Foto: TA
Lockeres Treiben während einer Vorlesungspause. Foto: TA
  • Lockeres Treiben während einer Vorlesungspause. Foto: TA
Der Mensabau des Bildungszentrums. Foto: TA
  • Der Mensabau des Bildungszentrums. Foto: TA
Die drei Geschäftsführer des TA Bildungszentrums (v. li.): Frank Karl Mauve, Werner Thiele und Frédéric Philipp Thiele. Foto: wft
  • Die drei Geschäftsführer des TA Bildungszentrums (v. li.): Frank Karl Mauve, Werner Thiele und Frédéric Philipp Thiele. Foto: wft
Werner Thiele während einer Vorlesung. Foto: TA
Lockeres Treiben während einer Vorlesungspause. Foto: TA
Der Mensabau des Bildungszentrums. Foto: TA
Die drei Geschäftsführer des TA Bildungszentrums (v. li.): Frank Karl Mauve, Werner Thiele und Frédéric Philipp Thiele. Foto: wft

Dass die inzwischen in eine GmbH umgewandelte Einrichtung auch mit einem Erwerb von Immobilien auf dem Gelände der Linsingen-Kaserne liebäugelt, ist in Hameln kein Geheimnis – nur kommentieren will Werner Thiele dies genauso wenig, wie er auch keine Umsatzzahlen für die Gesellschaft nennt. „In den Bundesanzeiger werden Sie da vergeblich schauen“, warnt er vor vergeblichen Bemühungen. „Wir haben erst vor kurzem umfirmiert. Da können Sie noch keine Zahlen finden.“ Auch über die Höhe der Investitionen in Mensa, Hörsäle, Tiefgarage und Kosten für seine mehr als 120 Festangestellten und die 380 auf Honorarbasis arbeitenden Dozenten, allesamt Spezialisten auf ihren Fachgebieten, schweigt Thiele. Weil die Wachstumsdynamik des TA Bildungszentrums ungebrochen ist, reichen die Kapazitäten in Hameln längst nicht mehr aus: Göttingen, Hannover und Hildesheim sind inzwischen weitere Standorte des überregional agierenden Bildungsanbieters, der jährlich rund 7000 Studierende anzieht. Für die vier Standorte, und insbesondere für Hameln, ist er damit ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor.

Berufsbegleitendes Lernen steht im Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit an der TA. „Durch praxisnahen Unterricht werden berufliche und akademische Bildung eng miteinander verknüpft“, heißt es in einer Presseinformation des Unternehmens. Angeboten werden IHK-Aufstiegsfortbildungen, IHK-Zertifikatslehrgänge und Intensiv-Seminare. Die Studierenden kommen dabei aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. „Und der umfasst beispielsweise auch deutsche Unternehmen in China“, wie Frédéric Philipp Thiele am Beispiel von Airbus-Mitarbeitern erläutert, die sich in Hameln auf ihre Meisterprüfung vorbereiten. „Bei uns sind inzwischen 90 Prozent aller DAX-Unternehmen vertreten“, berichtet er. Nur Unternehmen wie SAP fehlten auf der Kundenliste.

Das Modell der intensiven Kompaktkurse sei bundesweit einmalig, betonen die drei Geschäftsführer. Zehn bis 16 Wochen dauerten die Kurse im effektiven Vollzeitstudium. „Die Absolventen erreichen damit staatlich anerkannte Weiterbildungsabschlüsse auf Bachelor- und Master-Niveau. „Als einer der führenden Anbieter in Deutschland bilden wir die Führungskräfte von morgen aus“, bewertet sich das Unternehmen höchst selbstbewusst.

Die Liste der angebotenen Ausbildungsgänge liest sich wie ein Who's Who des Handwerks, um maßgeschneiderte Alternativen in der Erwachsenenbildung und sie durch Gespräche mit den Unternehmen ständig den Anforderungen des Arbeitsmarktes anzupassen. Aber nicht nur das Handwerk wird hier fündig. Es gibt auch mannigfach Praxisstudiengänge in kaufmännischen und anderen Bereichen, Zertifikats-Lehrgänge im Dutzend oder Kurse für Zusatzqualifikationen, um beruflich weiter voranzukommen. Auf eines müssen sich alle Studierenden gefasst machen: Der Stoff wird knallhart vermittelt. Aber der Erfolg scheint dem Modell recht zu geben: Die Abbrecherquote ist gering, die Abschlüsse sind überdurchschnittlich gut.




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