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Serie Arbeitsplatz Schloss – heute: Einsatz als Hausmeister in Pyrmont und als Concierge in Schwöbber

Jobs im Schloss: Diener dreier Herren

Arbeitsplätze im Schloss sind so rar, wie beliebt. Für viele ist es ein Traumberuf. Zum ersten Mal geben Menschen von sieben sehr unterschiedlichen Schlössern einen exklusiven Einblick in ihre Arbeitsplätze. Heute: Hausmeister Peter Roefs auf Schloss Pyrmont und Concierge Yankuba Keita im Schlosshotel Münchhausen.

veröffentlicht am 21.07.2018 um 12:06 Uhr

Der besondere Reiz von Schloss Pyrmont liegt in der Kombination einer bedeutenden Festungsanlage und ihrer Überbauung durch die barocke Sommerresidenz der Fürsten zu Waldeck und Pyrmont in den Jahren 1706 bis 1710. Foto: Staatsbad Pyrmont Betriebsges

Autor:

Birte Vogel
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Schlösser hatten einst ganze Scharen von Bediensteten. Die sorgten nicht nur dafür, dass die adligen Herrschaften in trockenen, warmen und aufgeräumten Gemächern residieren konnten. Sie trugen auch entscheidend zum Erhalt dieser einzigartigen Bauten bei. Doch wie sieht die Arbeit auf dem Schloss im 21. Jahrhundert aus? Haben Industrialisierung und Digitalisierung daran entscheidend etwas geändert? Wie wird ein Schloss heute geführt? Wer arbeitet dort, und welche Aufgaben haben diese Menschen heute? Wir haben dafür einmal hinter die Kulissen geschaut: Zum ersten Mal geben Menschen von sieben sehr unterschiedlichen Schlössern einen exklusiven Einblick in ihre Arbeitsplätze und darin, was das Arbeiten auf einem Schloss für sie bedeutet.

Wenn Peter Roefs von seiner Arbeit auf Schloss Pyrmont erzählt, kommen unweigerlich Tiere vor. Dabei gehören sie eigentlich nicht wirklich zu seinem Job, dann aber wieder doch. Als Hausmeister und Veranstaltungstechniker des Schlosses ist er nämlich für die Vorbereitung von Konzerten, Lehrgängen, Vorträgen und Trauungen zuständig, für die Beleuchtung, den Teppichboden, das Mauerwerk, den Wasserstand im Wassergraben – kurzum für alles, was in einem über 300 Jahre alten Schloss so anfällt.

Und er tut dies für die drei, die sich das Schloss heute „teilen“: die Volkshochschule, die Stadt und das Staatsbad Pyrmont. Doch der 62-Jährige aus Amsterdam ist auch für all dies im Außenbereich des Schlosses zuständig, und da kommen die Tiere ins Spiel. Er rettet Entenjungen im Wassergraben vor den Schwänen, die ihre eigenen Jungen vor der Konkurrenz beschützen wollen. Er hilft mit, wenn sich ein Reh im Schlosspark verirrt hat und nicht mehr hinausfindet. Er ist da, wenn ein Hundebesitzer seinem Hund in die Schlossgracht hinterherspringt und nun selbst nicht mehr herauskommt (während der Hund bereits am Ufer wartet). Er hängt Kästen für die Fledermäuse auf und freut sich jedes Jahr wieder auf die Ankunft der Schwalben. Denn ein Schloss kann man eben nie von seiner Umgebung und der Natur trennen.

Das Schlosshotel Münchhausen in Schwöbber bietet luxuriöses Flair. Foto: Schlosshotel Münchhausen
  • Das Schlosshotel Münchhausen in Schwöbber bietet luxuriöses Flair. Foto: Schlosshotel Münchhausen
Hausmeister Peter Roefs hat auf Schloss Pyrmont alles im Griff. Foto: Staatsbad Pyrmont Betriebsgesellschaft mbH
  • Hausmeister Peter Roefs hat auf Schloss Pyrmont alles im Griff. Foto: Staatsbad Pyrmont Betriebsgesellschaft mbH
Concierge Yankuba Keita arrangiert im Schlosshotel Münchhausen auch mal ein Picknick. Foto: Schlosshotel Münchhausen
  • Concierge Yankuba Keita arrangiert im Schlosshotel Münchhausen auch mal ein Picknick. Foto: Schlosshotel Münchhausen

Dieser Job ist sicher nicht für jeden was. Ich muss immer für alles offen sein und sofort reagieren können.

Peter Roefs, Hausmeister auf Schloss Pyrmont

Roefs, den man „Rufs“ ausspricht, ist seine niederländische Herkunft noch anzuhören. Doch nach mehr als zehn Jahren im Schloss Pyrmont kann er sich keinen besseren Ort zum Leben und Arbeiten vorstellen. „Ich bin früher viel umhergezogen, das Reisen lag mir, und ich habe schon in einigen Berufen gearbeitet“, erzählt er. Doch dann wurde im Schloss Pyrmont die Hausmeisterstelle frei, und es war ein glücklicher Tag, als er die Stelle bekam. Denn sie war ihm auf den Leib geschneidert. Auch wenn er hier an ein und demselben Ort ist, ist die Arbeit so vielfältig, dass er seine Liebe zur Welt, zum Leben und zu den Menschen noch immer ausleben kann.

„Dieser Job“, wendet er ein, „ist sicher nicht für jeden was. Ich muss immer für alles offen sein und sofort reagieren können. Man muss auch Ideen haben, um aus jeder Situation das Beste zu machen. Aber ich liebe es, den Menschen dieses Schloss zu zeigen und ihnen Auskunft zu geben.“ Denn auch das gehört zu seinem Job dazu. Und er hat bei den vielen Veranstaltungen jede Menge Gelegenheit dazu. Nicht nur bei den Tieren kommt er ins Schwärmen. „Es ist einzigartig, in einem so alten und schönen Gemäuer seine Arbeit auszuüben. Und es ist das Tollste, wenn die Leute das auch annehmen und sagen: War schön hier! Dann weiß man, dass man einen guten Job gemacht hat.“

Ganz andere Aufgaben hat Concierge Yankuba Keita, der Mann für alle Lebenslagen im Schlosshotel Münchhausen. Er ist der erste, den die Gäste des Schlosshotels Münchhausen sehen, und er ist der letzte, der sie verabschiedet. Und wenn sie einen Wunsch haben, ist er derjenige, der ihn erfüllt. „Meine Arbeit fängt schon an, bevor die Gäste überhaupt ankommen“, sagt Yankuba Keita, denn er bereitet ihre Zimmer für ihre Ankunft vor: ein Willkommensbrief, ein süßer oder gesunder Gruß des Hauses, passende Getränke, und natürlich muss alles perfekt aussehen. Wenn die Gäste ankommen, begleitet er sie von der Rezeption zu ihrem Zimmer. „Es ist ja ein Schloss“, erklärt der Concierge. „Deshalb ist hier alles ein bisschen verwinkelt, und manche Gäste finden sich nicht sofort zurecht.“ Er zeigt ihnen, wo der Frühstücksraum ist, die Sauna und wie sie von der Zehntscheune bei Regen trockenen Hauptes zum Hotel kommen können.

Information

Arbeit im Schloss – ein Traumziel?

Schaut man sich diese unterschiedlichen Berufe an, stellt man fest, dass sich das Arbeiten auf dem Schloss in den letzten Jahrhunderten gar nicht so sehr verändert hat. Sicher, die Industrialisierung und die Digitalisierung haben vieles erleichtert und Wege verkürzt. Doch vieles ist gleich geblieben: die Berufsbilder haben sich kaum verändert, da ihr Ziel immer noch ist, die Schlösser zu erhalten und sie für Menschen zugänglich und erlebbar zu machen. Die Mitarbeiter auf den Sieben Schlössern spüren auch heute eine ganz besondere Verbundenheit mit und Treue zu ihren Arbeitgebern und den alten Gemäuern. Ihr Einsatz geht oft weit über das hinaus, was von ihnen erwartet wird. Und bei ihnen allen schwingt ein großer Stolz in der Stimme mit, wenn sie über ihre Arbeit und ihr Schloss sprechen. Nicht zuletzt tragen sie damals wie heute dazu bei, Menschen aus aller Welt zusammenzubringen und ihnen die Ereignisse der Geschichte und die großen Schönheiten unserer Kultur und der Sieben Schlösser nahezubringen. Ein Traumberuf, auf einem Schloss zu arbeiten? Für diese Menschen ist es das.

Keita hat viele Jahre als Animateur gearbeitet, und auch wenn die Arbeit als Concierge eine andere ist, kann er seine ganze Erfahrung im Umgang mit sehr unterschiedlichen Menschen hier einsetzen. Der Mann aus Gambia ist im Schloss zu Hause und schnuppert dennoch immer wieder den Duft der großen weiten Welt, denn seine Gäste kommen von allen Teilen des Erdballs.

Wenn sie ihm dann ihren Autoschlüssel in die Hand drücken, damit er das gute Stück sicher für sie parken kann, wünscht sich Keita schon mal heimlich, ein paar Runden damit drehen zu können. Doch auch so findet der 49-Jährige seine Erfüllung in diesem Beruf. Und im Schloss zu arbeiten, ist etwas ganz Besonderes für ihn: „Was die damals alles geleistet haben, ist schon toll. Ich habe hier immer das Gefühl, Teil der über 400-jährigen Geschichte des Schlosses zu sein.“ Erst recht, wenn er den interessierten Gästen etwas über das Schloss erzählt und darüber, wie es früher einmal ausgesehen hat.

Doch vielleicht macht auch die ständig präsente Verbindung zur Moderne den besonderen Reiz für ihn aus. Denn genauso begeistert erzählt er von romantischen Heiratsanträgen, die er für seine Gäste vorbereitet, ob per Hubschrauber oder mit einem Picknick ganz versteckt im Park mit Champagner und Blumen.

Er könnte auch noch viel mehr erzählen von den sehr speziellen Wünschen und Bitten seiner Gäste, doch ein Concierge kann genauso gut schweigen wie uralte Schlossmauern.




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