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Ackerbürgerstadt feiert den Abschluss des Jubiläums

Mit Grimm in Lügde unterwegs

Lügde taucht tief ein in die Welt der Sagen und Märchen. In der Ackerbürgerstadt wird der Abschluss des Jubiläums „200 Jahre Deutsche Sagen der Brüder Grimm“ gefeiert, das die Deutsche Märchenstraße 2016 eingeläutet hat. Den Auftakt machte damals die sagenhafte Rattenfängerstadt Hameln, zahlreiche Veranstaltungen folgten. Am Samstag, 1., und Sonntag, 2. September, wird ein großes Fest vor der historischen Kulisse zwischen Lügder Stadtmauer und dem Ufer der Emmer gefeiert.

veröffentlicht am 23.08.2018 um 12:46 Uhr

Auf seiner Reise machte Wilhelm Grimm auch in Lügde Halt. Die Geschichte von der Springwurzel wurde in die Sagen-Sammlung der Brüder aufgenommen. Foto: Christian Manthey/hameln-fotografie.de
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite

Zum Jubiläum gehört auch Viasaga – das Portal, in dem die Dewezet Geschichten aus der Zwischenwelt sammelt, und in dem Lügde eine eigene Seite hat.

Dass Lügde und der nahe gelegene Köterberg mystische Ort sind, erkannten bereits die Brüder Grimm. Ihre Märchentour im Jahr 1814 ist eng verknüpft mit dem wegen seiner markanten Lage von allen Seiten begehrten Berg, um den sich viele Sagen und Mythen ranken.

Für das Portal „Viasaga“ haben wir uns für die Lügder Seite in die Welt von Wilhelm Grimm versetzt und versucht, die Sage von der Springwurzel aus seiner Sicht zu erzählen. Ein Anspruch auf Wahrheit enthält die Sicht natürlich nicht, aber sie stützt sich auf Überliefertes.

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Die Springwurzel, so sagt man, ist ein Türöffner. Foto: Christian Manthey/hameln-fotografie.de
  • Die Springwurzel, so sagt man, ist ein Türöffner. Foto: Christian Manthey/hameln-fotografie.de
Innerhalb der Lügder Stadtmauern wird Anfang September das Sagenjubiläum gefeiert. Foto: Christian Manthey/hameln-fotografie.de
  • Innerhalb der Lügder Stadtmauern wird Anfang September das Sagenjubiläum gefeiert. Foto: Christian Manthey/hameln-fotografie.de

Wilhelm Grimm: „Die Welt der Sagen ist voll wiederkehrender Symbole. So habe ich, Wilhelm Grimm, es immer wieder erlebt. Auch die Erzählungen rund um die Springwurzel, die als magischer Türöffner gilt, gehören dazu. In Lügde müsste man wohl eher von Bergöffner sprechen. Die Sage gehört zu den eindrücklichsten ihrer Art, deshalb haben Jacob und ich sie in unser Sagenbuch aufgenommen.

Alles begann, als ich nach einer beschwerlichen Reise in Lügde Halt machte. Wie magisch zog mich der Köterberg an, in dessen Nähe der Ort liegt. Es war ein herrlich klarer Tag und ich genoss den stillen Ausblick ins Tal. In der Ferne erhob das Wesergebirge, die Porta Westfalica, und der Teutoburger Wald, in meinem Rücken reichte der Blick bis zur Wilhelmshöhe und bis zum Brocken im Harz. Ein beeindruckender, ob seiner strategischen Lage begehrter Berg, bei dem ich nicht eine Sekunde daran zweifelte, dass die Menschen dort ihre Götzen anbeteten. So zumindest erzählten es mir die Menschen der Ackerbürgerstadt Lügde abends bei einem guten Glas am Feuer. Während ich noch meinen Gedanken nachhing, trat ein Schäfer auf mich zu. Er musste mich schon eine Weile beobachtet haben und schien meine Gedanken zu lesen. Warum sonst hat er mir von der Springwurzel erzählt? Eine bemerkenswerte Geschichte, die mich von Anfang an fesselte und der ich sofort einen Platz in unserem Sagenbuch reservierte.

Mit Hilfe der Wurzel hatte der Schäfer selbst einen geheimen Zugang zu Gold- und Silberschätzen im Köterberg gefunden, ihn aber wieder verloren, weil er etwas Wesentliches vergaß. Aber von Anfang an.

Es begann mit einer schönen Königstochter, die dem Schäfer eine Springwurzel gab und ihn aufforderte, mit zum Köterberg zu kommen. Eigentlich, so erklärte er mir, erhalte man die Wurzel nur, wenn man einen kaum bekannten Trick anwende: Es ist nötig, das Nest einer Elster oder eines Wiedehopfes mit einem Keil zu verschließen, sodass er es nicht mehr öffnen kann. Dann fliegt der Vogel los und holt die Springwurzel, denn nur er weiß, wo sie zu finden ist. Hält er die Wurzel vor das verschlossene Nest, so springt der Keil heraus. Um selbst an diesen Wunderschlüssel zu kommen, müsse man sich also nur verstecken und Lärm machen, dann lasse der Vogel sie fallen. Während er erzählte, schweiften unsere Blicke über den Berg, als könnten wir die Öffnung wiederentdecken.

Nachdem der Schäfer nun die Wurzel von der Königstochter bekommen hatte, führte sie ihn bei einer Höhle in den Berg. Kamen sie zu einer verschlossenen Tür oder einem verschlossenen Gang, brauchten sie nur die Wurzel vorhalten und die Tür sprang auf. In der Mitte des Bergs saßen zwei junge Frauen an Spinnrädern und arbeiteten. Ihnen zu Füßen, an einem Tisch gefesselt, kauerte der Teufel, seiner Macht beraubt. Ringsherum glitzerten Berge von Gold und Edelsteinen. Die Königstochter sagte: „Nimm so viel Du willst.“ Das ließ sich der Schäfer nicht zweimal sagen. Er griff, soviel er tragen konnte. Dann, als er wieder hinaus wollte, sagte die Königstochter: „Vergiss das Beste nicht.“ Der Schäfer glaubte, sie meine die Schätze. Er dachte kurz nach, befand, dass er sich gut eingedeckt habe und ging. Aber sie hatte die Springwurzel gemeint, die er auf dem Tisch zurückgelassen hatte. Kaum war der Schäfer draußen, fiel das Tor krachend hinter ihm zu. So brachte er zwar große Reichtümer nach Hause, aber den Eingang fand er nie wieder.“




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