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Ein pauschales Schlagwort greift die Glaubwürdigkeit an

Nichts als Lügen(presse)

Die von der Presse – die lügen doch alle! Schimpf und Schelte für die Medien ist immer wieder zu hören. Ganz besonders das Wort Lügenpresse scheint als Schlagwort im universellen Sprachgebrauch der Kritiker verankert zu sein. Aber woher kommt der Begriff überhaupt? Und wieso kann die Presse in den Augen mancher nichts als zu lügen?

veröffentlicht am 22.05.2017 um 12:32 Uhr
aktualisiert am 13.06.2017 um 14:29 Uhr

Maike Lina Schaper

Autor

Reporterin / Newsdesk zur Autorenseite

Es ist das Unwort des Jahres 2014 gewesen – Lügenpresse. Ein Begriff, den wohl jeder schon mal gehört hat. Besonders in Verbindung mit Demonstrationen von Gruppierungen derer, die betonen, nicht Rechts zu sein, aber trotzdem von einem Begriff Gebrauch machen, wie ihn schon Joseph Goebbels benutzte. Zwar ist Lügenpresse keine Erfindung der Nationalsozialisten, das Wort erlebte laut der Gesellschaft für Deutsche Sprache aber zu jener Zeit eine Renaissance. Das Wort soll ausdrücken, dass bestimmte Meinungen von einem „System“ oder ungenannten „Lügnern“ unterdrückt werden. Einen Beweis für solche Vorwürfe bleiben die Ankläger meist schuldig.

Mit diesem Schlagwort werden Medien pauschal diffamiert. Oder einfacher: Wer nicht meiner Meinung ist, der lügt – behaupten die Kritiker. Wer Lügenpresse ruft, der braucht sonst keine Argumente. Und so ist das Wort ein Kampfbegriff, der diejenigen, die lieber ihre eigenen Wahrheiten glauben, von denen trennt, die Vertrauen in die Medien haben.

Natürlich machen die Medien auch Fehler. Doch es ist etwas anderes, ob eine Nachricht bewusst durch die Berichterstattung in eine Richtung gelenkt wird, oder es sich um ein Missverständnis oder einen Flüchtigkeitsfehler handelt.

Um sich trotzdem nicht von den Kritikern abzuschotten, öffnen Zeitungen ihre Redaktionen, versuchen größtmögliche Transparenz nach außen zu tragen. Und selbstverständlich ist auch Kritik an den Medien erlaubt – nur sollte sie sachlich sein, um mehr zu sein, als ein bloßes Schmähwort, das Argumente erstickt.

Ein typisches Beispiel, welches die Presse als Lügenpresse dastehen lassen soll, ist der Umgang mit Informationen – besonders im Bereich der Berichterstattung über Straftaten. Seriöse Vertreter der Medien halten sich hier an den Pressekodex. Dieser setzt die Maßstäbe der journalistischen Berichterstattung und soll die Berufsethik wahren. Laut diesem Kodex haben die Journalisten darauf zu achten, „dass die Erwähnung der Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten nicht zu einer diskriminierenden Verallgemeinerung individuellen Fehlverhaltens führt. Die Zugehörigkeit soll in der Regel nicht erwähnt werden, es sei denn, es besteht ein begründetes öffentliches Interesse. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.“ Daran hält sich auch unsere Zeitung. Doch Kritiker bringen immer mal wieder das Argument vor, dass ihnen in der Berichterstattung etwas fehle, ja ihnen gar eine wichtige Information vorenthalten werde und dieses dann in ihren Augen die Qualität der Berichterstattung mindere. Solche Vorwürfe sind im Übrigen auch von Nicht-Lesern zu hören, die diesen Umstand letztlich gar nicht beurteilen können.

Das Vertrauen in die Medien scheint insgesamt erschüttert. Laut einer Umfrage der EU-Kommission sind 53 Prozent der Europäer der Ansicht, dass die nationalen Medien vertrauenswürdige Informationen bieten. Nur etwas mehr als die Hälfte also. In Deutschland sind immerhin 72 Prozent der Befragten der Ansicht, dass die Medien glaubwürdig sind. Ein Großteil scheint also noch Vertrauen zu haben.

Die Zeitungen, gedruckt wie online, hielten in Deutschland 68 Prozent für zuverlässig. In der Nähe rangieren Radio (72 Prozent) und Fernsehen (66 Prozent). Abgeschlagen liegen hingegen die sozialen Medien: Diese halten nur 24 Prozent der Befragten für zuverlässig.




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