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Sie verehrt Lady Diana und die englische Königsfamilie: Auf einen Tee mit Evelyn Marie Seidel

So lebt die Vorsitzende des Lady-Di-Club

Evelyn Marie Seidel öffnet den zwei Meter hohen Holzschrank neben der Pappfigur von Lady Di im Flur ihrer Wohnung. Darin lagern Tassen, Bücher, Bilder. Überall zu sehen: Diana. Auch das Radio, worüber die Hamelnerin am 31. August 1997 erfuhr, dass die Prinzessin bei einem Autounfall gestorben war, hat sie aufbewahrt. Zwei schwarz-weiße Fotos im Passbildformat erinnern auf dem Gerät an die „Königin der Herzen“. Evelyn Marie Seidel denkt täglich an sie. Ihren Lady-Di-Club gibt es seit über 20 Jahren.

veröffentlicht am 05.02.2019 um 15:50 Uhr
aktualisiert am 12.02.2019 um 14:40 Uhr

Zuletzt war die Hamelnerin in der RTL-II-Sendung „Die Wollnys“ zu sehen. Hier spricht sie mit Mutter Silvia Wollny, die ebenfalls ein großer Fan von Lady Diana ist. Foto: pr
Muschik, Moritz

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Es ist auf die Minute genau zehn Uhr. Wer bei Evelyn Marie Seidel im Wohnzimmer steht, hört das unweigerlich. Zu fast jeder vollen Stunde schlägt ihr „Big Ben“. So nennt sie die große Pendeluhr neben der Eingangstür. „In England hört man den Big Ben nicht, ich höre ihn bei mir Zuhause regelmäßig“, sagt die 69-Jährige und lacht. Das Wahrzeichen Londons ist wegen Renovierungsarbeiten von einem Gerüst verhüllt und hat seit 2017 nicht mehr geläutet. In Hameln aber meldet sich der „Big Ben“ von Evelyn Marie Seidel – um 21 Uhr zum letzten Mal vor der Nacht. Dann kann die Anhängerin des britischen Königshauses in Ruhe schlafen. Vorher aber muss sie das silberne Diadem von dem gemusterten Kissen nehmen, das tagsüber auf ihrem Bett liegt. „Manchmal setze ich die kleine Krone auch auf“, erzählt Seidel, die einen aufwendig gestalteten Hut zum royalblauen Blazer trägt. Gleich ist der Tee fertig.

Seidel bittet in ihre Küche. Auf dem Tisch liegt eine Kunststoff-Tischdecke mit englischen Motiven wie dem bekannten „Underground“-Schild. An der Wand hängen Wimpel mit der britischen Nationalflagge, dem Union Jack. Die Hamelnerin schenkt Schwarztee ein, gibt etwas Milch und drei Zuckerwürfel in die Tasse. „Alles ‚very british‘ hier“, sagt die Hutträgerin und schmunzelt. Vor ihre Küchenzeile hat sie einen Vorhang gezogen, auf dem eine rote Telefonzelle zu sehen ist. Immer nachmittags um 17 Uhr sitzt sie hier in ihrer Küche oder in ihrem großen Ohrensessel im Wohnzimmer zur „Tea Time“. Dann macht sie ein Foto von ihrem Gedeck, schickt es ihren Freunden in England später über das Internet. „Ich muss natürlich auf die Zeitverschiebung achten“, sagt Seidel. „Da lachen meine englischen Freunde sonst auch manchmal, wenn ich mich vertue.“ Sie selbst hat Verwandtschaft in Leicester, war schon als Kind ein Fan der Royals. Nun ist sie pro Jahr meist dreimal in London. Dort kennt sie sich nach rund 60 Besuchen innerhalb von 20 Jahren recht gut aus.

Jedes Jahr aufs Neue ist die Anhängerin der Königsfamilie am 1. Juli in der englischen Hauptstadt. Am Kensington Palast wird dann der Geburtstag von Lady Di gefeiert. Seidel und andere Club-Mitglieder sind mit einem selbstgestalteten Plakat vor Ort. Nach den Feierlichkeiten mit Fans aus aller Welt geht es ins Café Diana. „Dort werde ich inzwischen mit einem Küsschen auf die Wange begrüßt“, sagt die Hamelnerin. Dabei habe bei ihrem ersten Besuch nicht einmal der eigentlich ortskundige Taxifahrer gewusst, dass es dieses Café in London gibt. „Wir hatten es aber im deutschen Fernsehen gesehen“, erinnert sich Seidel. Also suchten sich zusammen mit dem Taxifahrer – und wurden fündig.

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Um 17 Uhr ist „Tea-Time“: Immer dann sitzt Evelyn Marie Seidel in ihrer Wohnung in Hameln und trinkt Schwarztee. Vor ihre Küchenzeile hat die Hutträgerin einen Vorhang gezogen, auf dem eine rote Telefonzelle zu sehen ist. Foto: mo

Die Fernsehleute wissen inzwischen, wo ich wohne.

Evelyn Marie Seidel, Vorsitzende vom Lady-Di-Club

Manchmal geht es während der Zeit in London auch nach Althorp. Auf dem Familienanwesen der Spencers liegt das Grab von Diana. Charles Spencer, der jüngere Bruder von Lady Di, begrüßt Seidel inzwischen mit Handschlag. Eine große Ehre für die Hamelnerin, die den Lady-Di-Club ein halbes Jahr nach dem Tod der Prinzessin gegründet hat. Zum Todestag von Diana geht es ebenfalls an den Kensington-Palast. „Da ist es auch mal traurig“, sagt Seidel. Die Hochzeiten von William und Kate sowie von Harry und Meghan hat sie live vor Ort verfolgt. „Das ganze Drumherum ist in London toll“, meint die 69-Jährige. „Wie ist die Stadt geschmückt, was steht in den Zeitungen?“ Das begeistert Seidel seit Jahren.

Von allen Royals fasziniert sie die „Königin der Herzen“ aber am meisten. „Diana hat die Hände ausgebreitet, keine Handschuhe getragen, die Kinder auf den Arm genommen – ohne Rücksicht auf ihre Kleidung“, erklärt Seidel. Über ihrem Schreibtisch hat sie Ordner mit Informationen über die Prinzessin gefüllt. Vor Kurzem hat sie auch eine Akte für „Die Wollnys“ angelegt. Zuletzt war sie in der RTL-II-Sendung mit dem gleichnamigen Titel zu sehen. Familien-Oberhaupt Silvia Wollny, ebenfalls ein großer Lady-Di-Fan, hat die Club-Vorsitzende in Hameln besucht. Mit ihrem Mann Harald nahm sie dazu 300 Kilometer Fahrt auf sich. Seidel war von der Begegnung beeindruckt: „Ich wusste gar nicht, wie tough Silvia ist“, sagt sie.

„Die Fernsehleute wissen inzwischen, wo ich wohne“, sagt Seidel, schenkt noch etwas Schwarztee nach – und erzählt davon, dass es ihr Name auf ein Diana-Denkmal in Wien geschafft hat. „Evelyn M. Seidel – Lady-Di-Club Germany“, stehe da. Das macht sie stolz. Dann geht es vorbei an der großen Hutsammlung im Wohnzimmer in den Flur. Auch hier gibt es kaum eine Stelle, die nicht an die verstorbene Prinzessin erinnert. Überall hängen Fotos, sogar eine lebensgroße Pappfigur von Diana steht neben dem Spiegel mit dem goldenen Rand. In einem großen Holzschrank hat sie neben der Garderobe viele Erinnerungen gesammelt. Bücher, Teller, eine Klingel und ein Diadem liegen da. Und das Radio, worüber sie 1997 erfuhr, dass Diana gestorben war. „Wir waren alle schockiert“, erzählt Seidel von dem für sie wohl traurigsten Tag. Die Straßen in London seien leer gefegt gewesen. Das war vor über 20 Jahren. „Zeit vergeht, ‚time flies‘, wie man in England sagt“, meint Seidel. In ihrem Lady-Di-Club lebt die Erinnerung weiter.




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