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Jetzt sind sie wieder unterwegs: Mücken, Zecken, Wespen & Co.

Sommer, Sonne, Plagegeister

Jetzt sind sie wieder unterwegs: Bienen, Wespen, Mücken, Bremsen und Hummeln. Bei einigen Menschen löst der Stich einer Stechmücke starke allergische Reaktionen aus. Bienen- und Wespenstiche können für manche Menschen sogar besonders gefährlich werden.

veröffentlicht am 01.08.2018 um 08:30 Uhr

Süße Früchte mögen Wespen besonders gern – die Wespenberater wird mittlerweile häufiger gerufen. Foto: dpa

Autor:

Gabriele Müller
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„Bei Allergikern kann bereits ein einziger Stich lebensbedrohlich werden und im schlimmsten Fall zu einem allergischen Schock führen“, sagt Hendrik Diepenbrock, Inhaber der Kur-Apotheke in Bodenwerder. Wenn Allergiker oder auch Kinder gestochen werden, ist es deshalb wichtig, schnell zu reagieren. Allergiker sollten sich vom Arzt unbedingt ein Notfallset verordnen lassen und genau wissen, wie es angewendet wird.

Für alle anderen Geplagten gilt: Bei Bienenstichen den Stachel so schnell wie möglich mit einer Pinzette, dem Fingernagel oder einer Plastikkarte entfernen. Beim Herausziehen des Stachels ist allerdings besondere Vorsicht geboten. Hier muss darauf geachtet werden, dass die Giftblase, die mit dem Stachel bei einem Stich in der Stichstelle hängen bleibt, nicht gequetscht wird, damit kein weiteres Gift in die Haut eindringen kann. Direktes Kühlen danach und Druck auf die Stichstelle lindern die Schmerzen und verringern das Ausbreiten der Giftstoffe. Wespen hingegen hinterlassen keinen Stachel in der Haut. Es gelten aber die gleichen Sofortmaßnahmen wie bei Bienenstichen und auch hier hilft sofortiges Kühlen.

„Bei Insektenstichen haben antiallergische Gele oder Cremes eine abschwellende Wirkung und eignen sich sehr gut für die sofortige Behandlung“, weiß Diepenbrock, der auch Vorsitzender des Bezirks Hameln-Pyrmont des Landesapothekerverbandes Niedersachsen (LAV) ist. „Auch eine niedrig dosierte kortisonhaltige Creme kann helfen. Sie ist bei einer Wirkstoffkonzentration bis 0,5 Prozent rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Zubereitungen mit Hydrocortison sollten aber nicht bei Kindern unter sechs Jahren aufgetragen werden.“

Eine Mücke saugt Blut aus dem Arm eines Mannes. Foto: dpa
  • Eine Mücke saugt Blut aus dem Arm eines Mannes. Foto: dpa
Durch das langanhaltende Sommerwetter ist das Risiko von Zeckenbissen gestiegen. Foto: dpa
  • Durch das langanhaltende Sommerwetter ist das Risiko von Zeckenbissen gestiegen. Foto: dpa

Dieses Jahr bleibt voraussichtlich eher mückenarm.

Dirk Reichle, Biologe von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage

Um Insektenstiche aller Art zu vermeiden, ist es ratsam, im Sommer auf Parfüm und den Verzehr von aromatischen Speisen wie Pflaumenkuchen oder Apfelsaft im Freien zu verzichten, da sie besonders Wespen anlocken können. Auch insektenabschreckende Präparate (Repellentien) auf chemischer und pflanzlicher Basis helfen. Für Säuglinge und kleinere Kinder eignen sich Mischungen aus ätherischen Ölen wie Lavendel- oder Zitronenöl. Viele weitere Vorbeugungs- und Beratungstipps rund um das Thema Insektenstiche gibt die Apotheke vor Ort.

Andere Plagegeister sind Zecken. Auch wer keine Zecke bemerkt hat, sollte nach einem Insektenbiss zum Arzt gehen, wenn sich eine Wanderröte zeigt. Sie deutet auf eine Borreliose-Infektion ist. „Die Wanderröte – Erythema migrans – sieht aus wie eine Zielscheibe“, erklärt Hans Michael Mühlenfeld vom Hausärzteverband. Um die Einstichstelle herum ist die Haut blass und um dieses kleine helle Feld herum breitet sich die Rötung aus. „Sie tritt etwa drei bis vier Tage nach dem Biss auf und bleibt für rund zwei bis drei Wochen.“ In dieser Zeit wird die Rötung täglich etwas größer.

Nicht jeder Zeckenbiss zieht auch eine Borreliose-Infektion nach sich

Bemerkt jemand eine solche Rötung, sollte er zu seinem Hausarzt gehen. Unabhängig davon, ob sich der Patient an einen Zeckenbiss erinnert, wird der Arzt ein Antibiotikum verschreiben. „Wird dieses nach Vorschrift genommen, bekämpft es die Infektion effektiv“, sagt Mühlenfeld. Unbehandelt kann eine Borreliose-Infektion später die Nerven angreifen und unterschiedliche Beschwerden hervorrufen. Es sei daher unbedingt notwendig, eine Infektion rechtzeitig mit Antibiotika zu behandeln, betont Mühlenfeld.

Nicht jeder Zeckenbiss zieht allerdings eine solche Infektion nach sich. Mühlenfeld zufolge hilft es, eine Rötung nach einem Insektenstich oder -biss mit Bildern der sogenannten Erythema migrans im Internet zu vergleichen. „Daran kann man selbst gut erkennen, ob man betroffen sein könnte.“

Mit dem langanhaltenden Sommerwetter ist das Risiko von Zeckenstichen gewachsen. Denn je mehr Menschen sich in kurzen Hosen und ärmellosen Shirts in der Natur vergnügen, desto größer ist die Chance der kleinen Parasiten auf eine Blutmahlzeit.

Beim Robert-Koch-Institut (RKI) liegen die Ansteckungszahlen in den vergangenen Sommerwochen höher als im gleichen Zeitraum 2017. „Die Zeckensaison hat früher angefangen, aber die Infektionszahlen liegen insgesamt noch im Rahmen des Üblichen“, sagt RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. Die achtbeinigen Spinnentiere können Krankheiten wie Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen.

Information

Was gegen Mückenstiche hilft

Mückenstiche sind lästig, aber in aller Regel nicht gefährlich. Was gegen den Juckreiz hilft und wann ein Insektenstich doch ein Fall für den Arzt ist, das erklärt Hautärztin Jana Witte aus der Klinik für Dermatologie und Venerologie des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf.

Warum jucken Mückenstiche? Wenn Mücken stechen, saugen sie nicht nur Blut, sie injizieren auch ihren Speichel in die Haut. Der Körper erkennt diesen Speichel als Fremdkörper und setzt eine Abwehrreaktion in Gang. Dabei spielt unter anderem ein Botenstoff namens Histamin eine Rolle. Er ist für den Juckreiz verantwortlich. „Im Grunde ist das eine lokale allergische Reaktion“, erklärt Witte.

Warum bekommen manche Menschenriesige Quaddeln, wenn eine Mücke gestochen hat? Die allergische Reaktion fällt unterschiedlich stark aus. Wie stark, das ist auch genetisch festgelegt.

Wann sind Mückenstiche ein Fall für den Arzt? Wenn jemand nicht nur lokal auf der Haut reagiert, sondern mit dem ganzen Körper. Wer also zum Beispiel Kreislaufprobleme bekommt oder Schwierigkeiten hat zu atmen, wer Fieber oder Schüttelfrost entwickelt, der sollte zum Arzt gehen. Das gilt auch, wenn sich der Stich entzündet hat.

Was kann man selbst nach einem Mückenstich tun? Nicht kratzen. Denn damit öffnet man Keimen Tür und Tor und riskiert eine Entzündung. Witte rät, die Einstichstelle etwas zu kühlen und eventuell ein lokales Antihistaminikum aufzutragen. Diese Gels aus der Apotheke kann man auch im Kühlschrank aufbewahren. Wer übersät ist mit Stichen und unter dem Juckreiz leidet, kann auch versuchen, ihn mit einem frei verkäuflichen Antiallergikum in Tablettenform zu lindern.

Helfen elektronische Stichheiler gegen den Juckreiz? Elektronische Stichheiler sollen die Proteine im Mückenspeichel zerstören, indem sie die betroffene Hautstelle erhitzen. Der Hautärztin zufolge ist das durchaus einleuchtend. „Die Proteine sind hitzelabil.“ Größere Untersuchungen dazu sind ihr allerdings nicht bekannt. Wer es ausprobieren möchte, muss also selbst schauen, ob es tatsächlich wirkt. Voraussetzung sei jedenfalls, dass man den Stift schnell nach dem Stich anwendet, sagt Witte.dpa

Seit Ende Juni wurden dem Bundesinstitut aus acht Bundesländern 1292 Borreliose-Infektionen gemeldet. 2017 waren es im gleichen Zeitraum 920. Bei FSME gab es seit Ende Juni bundesweit 120 gemeldete Infektionen. 2017 waren es in diesem Zeitraum 89 Meldungen. Für das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZFI) ist 2018 ein Zeckenjahr. „Wir werden die höchste Zahl an Zecken in den letzten zehn Jahren haben“, prognostizierte DZFI-Forscher Gerhard Dobler bereits Ende Juni nach Modell-Berechnungen.

Wegen der andauernden Trockenheit sind nach Einschätzung von Fachleuten in diesem Jahr allerdings deutlich weniger Stechmücken in Deutschland unterwegs. „Im Moment gibt es so gut wie keine Mücken“, sagt der Biologe Dirk Reichle von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs). Stechmücken werden in Süddeutschland auch als Schnaken bezeichnet. „Mitte Juni hatte der Rhein einen Wasserstand-Hochpunkt erreicht, seitdem herrscht mehr oder weniger Dürre.“ Die Brutstätten zum Beispiel am Oberrhein seien „sozusagen knochentrocken“.

Nach zahlreichen Niederschlägen zum Jahresstart hatten Experten zuerst eine mückenreiche Saison erwartet. Reichle betonte nun: „Dieses Jahr bleibt voraussichtlich eher mückenarm.“

Neben der Hausmücke hat sich dem Experten zufolge in Deutschland auch die Asiatische Tigermücke verbreitet. Das Insekt kann gefährliche Viren übertragen. Dazu gehört das Denguefieber – eine Krankheit mit hohem Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen, die tödlich enden kann. Erstmals wurde die wärmeliebende Asiatische Tigermücke Ende September 2007 an einem Rastplatz der Autobahn 5 bei Weil am Rhein (Baden-Württemberg) gefunden.

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