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Energiekosten steigen langfristig nur wenig – eine für Verbraucher schlechte Ausnahme gibt es aber: Strom

Strom schon wieder teurer …

Benzin und Diesel, Heizöl, Gas und Strom werden immer teurer – so jedenfalls fühlt es sich für die Verbraucher an. Tatsächlich aber haben sich die Energiepreise – bis auf Strom – in den vergangenen Jahren eher moderat entwickelt. Sie schwanken jedoch sehr stark.

veröffentlicht am 15.01.2019 um 13:48 Uhr

Die Strompreise steigen in diesem Jahr teils deutlich – Verbraucherschützer kritisieren die Argumentation der Versorger. Foto: dpa

Autor:

Eckart Gienke
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Die Energieverbraucher haben ein turbulentes Jahr hinter sich: Das Niedrigwasser des Rheins trieb die Benzin- und Dieselpreise im Süden und Westen der Republik auf rekordverdächtige Höhen. Beim Erdgas gab es nach Jahren des Rückgangs eine Preiswende. Die Heizöl-Kunden mussten im Oktober und November so hohe Preise bezahlen wie seit vier Jahren nicht mehr. Und für 2019 haben zahlreiche Gas- und Stromversorger Preiserhöhungen angekündigt.

Bei vielen Verbrauchern macht sich das Gefühl breit, dass Energie stetig teurer wird. Verbraucherzentralen und Sozialpolitiker warnen vor „Energiearmut“. Wegen unbezahlter Rechnungen wurde im vergangenen Jahr fast 344 000 Haushalten in Deutschland zeitweise der Strom abgestellt, das waren 14 000 mehr Stromsperren als im Jahr zuvor, berichtet die Bundesnetzagentur. Angedroht wurden Stromsperren sogar 4,8 Millionen Verbrauchern. „Diese Drohung trifft immer Haushalte, die in einer prekären Lage sind und deren Verschuldungsrisiko hoch ist“, sagt Christoph Strünck, Politik-Professor an der Universität Siegen und Autor einer Studie zu dem Thema. „Von der Energieversorgung abgeschnitten zu sein, ist die härteste Form von Energiearmut.“

Doch stimmt die These, dass die Energiekosten stärker gestiegen sind als die Preise für die allgemeine Lebenshaltung? Ein genauerer Blick auf die Preis- und Kostenentwicklung für private Haushalte offenbart, dass es weniger dramatisch ist, als es sich anfühlt. So mussten Verbraucher 2017 im Schnitt 57,03 Euro für 100 Liter Heizöl zahlen. Zehn Jahre zuvor waren es 58,63 Euro. Aktuell herrscht eine Phase höherer Preise, Heizöl kostet rund 72 Euro.

Der Erdgas-Preis stieg im Zehn-Jahres-Zeitraum bis 2017 von 6,51 auf 6,64 Cent je Kilowattstunde. Seitdem ist er gesunken, wird aber 2019 wieder etwas anziehen. Das ist unter dem Strich fast Preisstabilität. Und auch die Preise für Benzin und Diesel bewegten sich nicht viel.

Klar teurer geworden ist der Strom, dessen Preis von 20,15 Cent je Kilowattstunde im Zeitraum von zehn Jahren auf 29,82 Cent kletterte. Strom hat sich stärker verteuert, als die Einkommen gestiegen sind – im Wesentlichen eine Folge der Energiewende. Die Stromkosten sind auch im internationalen Vergleich sehr hoch. Nur in Dänemark ist Strom noch teurer. Die Ökostrom-Erzeugung in Deutschland steuert auf einen Rekord zu.

Nach Berechnung des Energieversorgers e.on produzieren Windparks, Solaranlagen und andere erneuerbare Energiequellen heutzutage bereits im Laufe nur einer Woche mehr Strom als früher in einem ganzen Jahr. „Im Jahr 2018 haben wir mit mehr als 200 Milliarden Kilowattstunden erzeugtem und eingespeistem Strom aus erneuerbaren Energien rund fünf Milliarden mehr als 2017 erzeugt – und damit so viel wie nie zuvor“, sagte Victoria Ossadnik, Vorsitzende der Geschäftsführung von e.on Deutschland.

Der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch lag nach e.on-Berechnungen im Jahr 2018 bei rund 38 Prozent. Im Vorjahr waren es 36 Prozent. Rund die Hälfte des Ökostroms wurde von Windkraftanlagen an Land und auf See erzeugt. Zum gesamten deutschen Energieverbrauch einschließlich Raumwärme und Verkehr steuerten die Erneuerbaren 13,9 Prozent bei.

Information

Strompreise vergleichen – Kosten sparen

Die Strompreise für private Haushalte kennen 2019 vielfach nur eine Richtung: nach oben. Vergleichsportale im Internet wie Verivox zeigen, welcher Stromversorger die günstigsten Strompreise anbietet.

Gegen steigende Strompreise können sich Verbraucher vor allem mit einem Wechsel des Stromanbieters zur Wehr setzen. Die Strompreise vergleicht man am einfachsten mit einem Strompreisrechner im Internet. Hier muss man in der Regel nur die Postleitzahl und den jährlichen Verbrauch angeben und schon bekommt man die verfügbaren Anbieter und die günstigsten Strompreise in seinem Gebiet aufgelistet.

Den passenden Tarif finden: Bei der Auswahl des neuen Stromanbieters sollte man nicht nur auf die Strompreise, sondern auch auf die Zahlungsweise, die Vertragslaufzeit, eine mögliche Preisgarantie und Bonuszahlungen achten. Bei den allermeisten Stromtarifen werden monatliche Abschlagszahlungen fällig, die dann einmal im Jahr abgerechnet werden. Die kürzeste Vertragslaufzeit hat der sogenannte „Grundversorgungstarif“ des jeweiligen örtlichen Versorgers – allerdings werden hier auch die höchsten Strompreise bezahlt. Üblich sind Vertragslaufzeiten von 12 Monaten. Außerdem sollte der Tarif eine Preisgarantie haben, die die Strompreise zumindest für eine Weile fixiert.

Selten geworden sind sogenannte „Strompakete“. Hierbei bezahlt der Verbraucher eine festgelegte Anzahl an Kilowattstunden. Man sollte den eigenen Jahresverbrauch aber sehr gut einschätzen können, da die Strompreise für den Mehrverbrauch oftmals teurer abgerechnet werden. Wer sich darum nicht kümmern möchte, sollte sich für einen regulären Stromtarif entscheiden, bei dem der tatsächliche Verbrauch abgerechnet wird.

Es gibt auch Stromanbieter, die günstige Strompreise durch jährliche Vorauszahlung anbieten. Diese Art der Vorauskasse ist in vielen Branchen (Mobilfunk oder Versicherungen) keine Seltenheit. Es besteht jedoch das Risiko, dass das vorab entrichtete Geld im Falle einer Anbieterinsolvenz ganz oder teilweise verloren ist. Vorauskassetarife werden zwar vor allem von Tochterunternehmen eingesessener Stadtwerke angeboten, wem dies dennoch zu riskant ist, der sollte zu einem herkömmlichen Stromanbieter wechseln, der günstige Strompreise bei monatlicher Zahlungsweise anbietet.

Woraus setzen sich die Strompreise zusammen? Ein Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden pro Monat zahlte in Deutschland 2018 jährlich rund 1110 Euro für Strom. In diesem Strompreis enthalten sind die Erzeugung, der Transport, der Vertrieb, aber auch Steuern und Abgaben (Erneuerbare-Energien-Gesetz, Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz, Stromsteuer, Konzessionsabgaben, Mehrwertsteuer). Die innerhalb der Strompreise enthaltene staatliche Belastung hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt und macht nun rund 57 Prozent der Stromrechnung aus. fd

Insgesamt gibt ein Haushalt in Deutschland nach Angaben aus dem Bundeswirtschaftsministerium 232 Euro im Monat für Energie aus, nach den letzten dazu vorliegenden Zahlen von 2017. Das entspricht einem Anteil von 6,4 Prozent an den Konsumausgaben eines Haushalts, wie vor 15 Jahren. Dieser Anteil liegt in der Regel um die sieben Prozent. Nur in zwei besonders teuren Energiejahren, 2012 und 2013, erreichte er 8,0 Prozent. Das deutet darauf hin, dass die Belastung der Haushalte mit Energiekosten relativ stabil ist.

Um Geld zu sparen, könnten die Haushalte weniger Energie verbrauchen. Allerdings ist ihnen das nicht besonders gut gelungen. Zwar ging der Energieaufwand für das Wohnen von 2010 bis 2017 um neun Prozent zurück, doch ist das vor allem auf die oft milden Winter zurückzuführen. Bereinigt um die Temperaturen, betrug der Rückgang nur ein Prozent. Beim Strom wurden Effekte durch sparsame Geräte oder Leuchtmittel durch die Aufrüstung der Haushalte mit weiteren Elektrogeräten zunichtegemacht.

Und technischer Fortschritt in der Motorentechnik führte nicht zu geringerem Spritverbrauch der Gesamtflotte, weil sich viele Autofahrer für PS- und hubraumstarke Modelle entscheiden, die dann wieder einen höheren Verbrauch verursachen. Die durchschnittlichen Kraftstoffkosten für eine Strecke von 100 Kilometern betrugen zuletzt 6,33 Euro, so viel wie 2001 oder 2002. Der gesamte Energieverbrauch der privaten Haushalte lag im Jahr 2000 mit 88,2 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten nur wenig höher als 2017.

Was die Verbraucher stresst, ist weniger ein langfristiger kontinuierlicher Anstieg als vielmehr heftige Schwankungen der Energiepreise, und die kommen vom Ölmarkt. „Öl ist immer ein Trendsetter für die Märkte“, sagt Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst EID in Hamburg. Und es dient selbst als Ausgangsstoff für Benzin, Heizöl und Diesel. So waren die Jahre von 2010 bis 2013, als das Rohöl zeitweise mehr als 120 Dollar kostete, für die Verbraucher die härteste Zeit. Aktuell liegt der Ölpreis halb so hoch bei 60 Dollar.

Preise steigen

Für viele Haushalte in Deutschland wird der Strom deutlich teurer. Um durchschnittlich 4 bis 5 Prozent steigen die Preise zahlreicher Anbieter in der Grundversorgung. Ein Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden zahlt dann nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox rund 55 Euro mehr im Jahr. Verivox verzeichnet 218 Versorger mit Preiserhöhungen im Dezember und zum 1. Januar. Ähnlich sieht das Portal Check24 die Situation: 160 Stromversorger hätten ihre Preise bereits erhöht oder Erhöhungen angekündigt.

Die Versorger rechtfertigten die Preissteigerungen. Die Beschaffungskosten seien in den vergangenen zwei Jahren um mehr als die Hälfte gestiegen, teilte der Branchenverband BdEW mit. Auch der Anstieg der Preise für CO2-Emissionszertifikate wirke kostentreibend. Kleinere Entlastungen bei anderen Bestandteilen des Strompreises könnten den Anstieg nicht ausgleichen.

Verbraucherschützer kritisieren diese Argumentation. „Als vor einigen Jahren die Börsenpreise gesunken sind, haben die Versorger auf ihre langfristigen Verträge verwiesen und die Einsparungen nicht an ihre Kunden weitergegeben“, sagt der Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW, Udo Sieverding. „Jetzt sind sie bei steigenden Börsenpreisen schnell mit Preiserhöhungen dabei.“




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