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Spritziges Vergnügen

Warum man die Sektkorken besser nicht knallen lassen sollte

In Weißweingläsern entfaltet er das beste Aroma und mit einem Moussierpunkt die schönsten Perlen. Sekt gehört für viele zur Silvesterfeier dazu. Was vor dem Anstoßen zu beachten ist und ob man wirklich die Korken knallen lassen soll, erklärt das Deutsche Weininstitut.

veröffentlicht am 31.12.2018 um 09:00 Uhr

Foto: Pixabay

Er gehört zu Silvester wie der Topf zum Deckel: Ohne Sekt oder Champagner begrüßt kaum jemand das neue Jahr. Warum Champagner-Schalen für den Silvester-Sekt keine gute Idee sind und mit welchem Trick man Sekt am schnellsten kühlt, erklärt Manuel Bretschi, Ressortleiter für Aus- und Weiterbildung beim Deutschen Weininstitut in Bodenheim.


Wie kommt das Prickeln in den Sekt?
Das kommt durch die zweite Gärung. Sie entsteht, nachdem dem Grundwein eine Mischung aus Zucker und Hefe zugesetzt wird, und bleibt in der Flasche. So reift der Wein entsprechend seiner Region zu Sekt, Champagner, Crémant oder Cava.


Die Korken knallen lassen, sagt man umgangssprachlich, wenn man etwas zu feiern hat. Sollte man die Korken knallen lassen?
Sommeliers sagen grundsätzlich: Nein! Durch den plötzlichen Druckverlust kommt es zum Überschäumen. Dabei entweicht die Kohlensäure, und wir haben kein Prickeln mehr im Glas. Deshalb sollte die Flasche vor dem Öffnen auch nicht geschüttelt werden.


Wie ist die Sektflasche am besten zu öffnen?
Mit der linken Hand die Flasche halten und mit der rechten Hand den Korken mit viel Gefühl ganz langsam herausdrehen. Bei Linkshändern eben umgedreht.


Wie schenkt man optimal den Schaumwein ein?
Es ist sinnvoll, das Glas schräg zu halten, weil dadurch eine größere Oberfläche entsteht und es so nicht zu einer großen Schaumbildung kommt.


Welche Sektgläser empfehlen Sie?
Champagnerschalen sind nicht ideal, weil dadurch die Kohlensäure entweicht. Auch schmale Sektflöten sind nicht optimal, weil die Nase so kein Aroma abbekommt. Sektgläser mit etwas Bauch sind dagegen perfekt. Sie haben am Kelchboden in der Regel eine aufgeraute Stelle, den sogenannten Moussierpunkt. Durch den perlt der Sekt besonders gut, so wie an einer Kette. Viele Sommeliers verwenden inzwischen auch schmale Weißweingläser. Durch die entfalten Schaumweine ein tolles Aroma.


Und wenn der Sekt trotz idealem Glas nicht perlt?
Dann ist meist das Glas nicht sauber oder es wurde zu viel Spülmittel verwendet. Also vorher noch einmal ausspülen und nachpolieren!


Gäste bringen gern eine Flasche Sekt als Mitbringsel mit. Wie bekommt man die Flasche am schnellsten kalt?
Man stellt die Flasche in einen Sektkühler und füllt Eis dazu sowie zwei bis drei Esslöffel Salz. Zum Auflösen des Salzes wird Energie benötigt. Diese wird als Wärmeenergie verbraucht, wodurch eine Abkühlung stattfindet. Diese Methode nennt sich „Frappieren“, dauert bei einer zimmerwarmen Flasche etwa 15 Minuten und ist damit viel schneller, als die Flasche ins Eisfach zu legen. Die ideale Trinktemperatur liegt übrigens zwischen acht und zehn Grad.

Interview: C. Wittke-Gaida

Information

Cava, Crémant, Champagner – das sind die Unterschiede

Sekt, Cava oder Crémant: Die Auswahl in den Regalen ist groß. Doch zwischen den spritzigen Getränken gibt es sowohl geschmackliche als auch qualitative Unterschiede. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Perl- und Schaumweinen, erklärt Konstantin Baum, Master of Wine. Perlweine haben nur einen leichten Kohlensäuregehalt, Schaumweine wie Sekt dagegen mehr Kohlensäure. Perlweine kosten in der Regel etwas weniger, da für sie keine Sektsteuer anfällt. Die Unterschiede im Einzelnen:


Prosecco: Ein Prosecco kann sowohl ein Perlwein (Frizzante) oder Schaumwein (Spumante) sein. Der Begriff Prosecco meint ein geografisch definiertes Gebiet im Nordosten Italiens, aus dem der Wein kommt. „Generell ist Prosecco ein fruchtiger und spritziger Wein, der vielen schmeckt“, sagt Baum.


Cava ist der spanische Begriff für Sekt. Cavas sind spanische Schaumweine, die aus der Weinregion Penedès bei Barcelona kommen. Sie werden traditionell in der Flasche gegärt. Dabei liegt der Wein mindestens neun Monate auf der Hefe.


Crémantkommt aus den französischen Anbaugebieten, unter anderem an der Loire, im Elsass und im Burgund. Die Rebsorten sind von Region zu Region unterschiedlich. Vorgeschrieben ist aber, dass Crémant mindestens neun Monate mit der Hefe im Kontakt bleiben muss.


Winzersektist ein Schaumwein, der zu 100 Prozent aus den eigenen Trauben des Winzers hergestellt wird. Der Sekt lagert manchmal mehrere Jahre auf der Hefe, um besonders feine Aromen zu entwickeln.


Industriell hergestellter Sekt kann aus Tafelweinen aus ganz Europa hergestellt werden. Damit ist er deutlich günstiger als Qualitätsweine, in die nur bestimmte Rebsorten kommen.


Champagner ist ein streng geschütztes Produkt. Champagner darf er nur heißen, wenn er im französischen Weinanbaugebiet Champagne angebaut und gekeltert wird. Hergestellt wird er überwiegend aus drei Rebsorten: Pinot Noir (Spätburgunder), Pinot Meunier (Müllerrebe) sowie Chardonnay.

dpa

Wichtiger Hinweis: Nicht allzu lange lagern!

Wer eine gute Flasche Schaumwein hat, will sie sich oft für einen besonderen Anlass aufheben. Allzu lange sollte man damit aber nicht warten. Denn Schaumwein verliert mit der Zeit an Geschmack. So entweicht über den Verschluss konstant ein kleines bisschen Kohlensäure – und das edle Getränk perlt weniger, erklären die Experten vom TÜV Süd. Am besten lagern Sekt, Champagner und Co. im Dunkeln und im Stehen. Aufpassen muss man, wenn man die Flasche beispielsweise in eine Tonröhre eines Weinregals legt: Dabei kann es zu Kratzern an der Flasche kommen. Deshalb sollten Schaumweine unbedingt in die Röhre gelegt und nicht hineingeschoben werden. Ist eine Flasche bereits geöffnet, sollte man sie so rasch wie möglich mit einem Sektflaschenverschluss verschließen. Auch damit und im Kühlschrank bleibt Schaumwein den Angaben zufolge aber höchstens einen Tag lecker, dann verliert er sein Bouquet und wird schal.dpa




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