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Spurensuche auf dem Hamelner Weihnachtsmarkt

Was glüht denn da? Wissenswertes rund um den Glühwein

Glühwein gehört zum Weihnachtsmarkt wie die rote Mütze zum Weihnachtsmann. Heißer Rotwein, gezuckert und gewürzt – da kann nichts schief gehen, oder? Genießer sehen das jedoch oft ganz anders. Und generell sind da noch manche Fragen zu klären rund um den Anheizer der Saison. Wir haben auf dem Weihnachtsmarkt nach Antworten gesucht.

veröffentlicht am 10.12.2019 um 17:00 Uhr
aktualisiert am 18.10.2021 um 17:44 Uhr

10. Dezember 2019 17:00 Uhr

Frank Henke
Reporter zur Autorenseite

Glühwein gehört zum Weihnachtsmarkt wie die rote Mütze zum Weihnachtsmann. Heißer Rotwein, gezuckert und gewürzt – da kann nichts schief gehen, oder? Genießer sehen das jedoch oft ganz anders. Und generell sind da noch manche Fragen zu klären rund um den Anheizer der Saison. Wir haben auf dem Weihnachtsmarkt nach Antworten gesucht.

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Was ist drin?

Rot-, aber auch Weißwein ist erlaubt. Der darf dann gewürzt und aromatisiert, aber nicht – so sagen die Vorschriften – mit Wasser gestreckt oder mit Alkohol aufgemotzt werden. „Zucker ist immer drin“, sagt Weinstrecke-Chef Sven Kessels, dessen Stand am Pferdemarkt steht. Süße müsse sein. Zimt und Gewürznelken sind geschmacklich wohl ebenso ein Muss. Auf mindestens sieben Volumenprozent Alkohol soll es der Glühwein bringen, mehr als 14,5 Umdrehungen sind verboten. Wird statt Traubenwein ein Fruchtwein verwendet, muss er auch so – beispielsweise als „Fruchtglühwein“ – bezeichnet werden, erklärt das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Fuchtglühwein gibt es zum Beispiel am Hochzeitshaus.

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Wie heiß sollte Glühwein glühen?

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Das passt natürlich auch: ein Glühwein daheim am Adventskranz oder Weihnachtsbaum. Foto: dpa

„Das verkocht doch“, heißt es über den großzügigen Schluck Rotwein in der Bratensoße, genauer: über ihren Alkoholgehalt. Aber was wird dann aus stundenlang warmgehaltenem Weihnachtsmarkt-Glühwein? Auf mehr als 78 Grad sollte er nicht erhitzt werden, denn ab diesem Punkt macht sich Alkohol auf und davon. „Nicht über 70 Grad und so kurz wie möglich erhitzen“, rät das Landesamt sogar. Ansonsten geht auch einiges vom weihnachtlichen Gerwürzaroma mit flöten, statt dessen können sich brandige Noten breitmachen. Mancher warnt bei kochendem Glühwein auch vor dem möglicherweise entstehenden Zuckerabbauprodukt Hydroxymethylfurfural. Es steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Sven Kessel bleibt an seinem Stand bei 68 Grad. „75 Grad, mehr geht ja nicht“, sagt Eva-Marie – ihren Nachnamen möchte sie nicht nennen – in Etes Hütte.

Wärmt Glühwein uns auf?

Die Hände um den warmen Becher geschlossen, dann ein heißer Schluck, angereichert mit freundlichem Alkohol: Was könnte besser wärmen? Nun – ein Kräutertee zum Beispiel. Denn Alkohol weitet die Blutgefäße und lässt den Körper schneller auskühlen. Die glühende Wirkung verkehrt sich also schnell ins Gegenteil.

Was ist guter Glühwein?

Klar, die Geschmäcker sind verschieden. Ein einfacher Indikator ist jedoch die Farbe. Von klarem Rot sollte sie sein. Kippt sie ins Bräunliche, karamelisiert bereits der Zucker.

Was bedeutet „Winzerglühwein“?

Zu lesen war diese Bezeichnung in der Vergangenheit an recht vielen Hamelner Glühweinständen. Was das bedeutet, kann zum Beispiel Christine Meyer von Fisch Meyer erklären: Ihr Glühwein – weiß wie rot – komme vom Weingut Schmitt im fränkischen Bergtheim. „Schon seit zehn Jahren.“ Wenn „Winzerglühwein“ draufsteht, hat der Winzer ihn selbst hergestellt, so die Spielregeln. Die Herkunft und Art des Grundweines sind also leicht nachvollziehbar. Sogar Bio-Winzerglühwein hält der Stand vom Hamelner Handbrot schräg gegenüber am Pferdemarkt bereit. Als Besonderheit gibt’s einen weißen mit Orange und Ingwer – auch in der Flasche zum Mitnehmen. „Der wird nur für uns abgefüllt“, erzählt Chef Timo Drollinger. „Winzerglühwein“ steht auch an Etes Hütte in der Osterstraße. Dort kommt der Wein von einem Pfälzer Weingut, zum Glühwein verarbeitet wird er allerdings erst in Hameln.

Macht Glühwein dick?

Ein Diätdrink ist er nun nicht gerade. Rund 200 Kalorien stecken in 200 Millilitern – gut doppelt so viele wie in der gleichen Menge Bier. Letztlich kommt es aber darauf an, wie viel Zucker dem Glühwein zugesetzt wurde. Vielleicht ein Trost: Mit etwa 300 Kalorien schlägt eine Heiße Schokolade noch mehr auf die Hüften.

Steigt Glühwein schneller zu Kopf als andere Drinks?

Schon. Wobei mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Seine Temperatur lässt den Alkohol schneller und leichter in den Blutkreislauf gelangen. Auch der zugesetzte Zucker bringt den Alkohol flott in die Blutbahn und verleitet uns zudem, den geschmacklich kaschierten Alkoholgehalt zu unterschätzen. Als Quittung gibt’s Kopfschmerzen am nächsten Morgen. Ganz besonders, wenn der Grundwein von eher bescheidener Qualität war. „Generell macht guter Wein weniger Kopfschmerzen als schlechter“, sagt Sven Kessels. Entscheidend sei die Qualität des Alkohols.

Darf ich nach einem Glühwein noch fahren?

Besser nicht. Frauen und männliche Leichtgewichte bringen es schon nach einem Becher schnell mal auf kritische Promillewerte. Bei Unfällen oder auch nur „Auffälligkeiten“ oder einer „Gefährdung“ begehen Autofahrer schließlich schon ab 0,3 Promille eine Straftat.


Darf ich den Becher behalten?

„Pfand bezahlt“ ist nicht „gekauft“: Wer den Becher einsteckt, begeht also einen Diebstahl. Mit einem kurzen Gespräch am Tresen lässt sich die Frage aber in der Regel klären. Für einen Euro zusätzlich dürfe die Glastasse als Souvenir mit nach Hause, sagt zum Beispiel Timo Drollinger vom Hamelner Handbrot.

Information

Glühwein selbst gemacht

Glühwein versetzt nicht nur zwischen den Buden des Weihnachtsmarktes in adventliche Stimmung. Für ein heißes Tässchen daheim empfiehlt das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit diese Zubereitung:

Als Grundwein sollte ein halbtrockener bis trockener Rotwein gewählt werden. Wenn der Wein auch noch eine fruchtige und kräftige Note hat – umso besser. Zum Würzen kommen traditionell Gewürznelken, Zimtstangen, Sternanis und Kardamom in Frage. Aber auch Vanilleschoten, Ingwer, Wacholderbeeren, Anis, Piment und Muskatblüten können verwendet werden – ganz nach Belieben. Wer sich längeres Fischen und Sieben am Ende ersparen möchte, füllt die Gewürze in einen Teebeutel, dann lassen sie sich leicht und ohne Rückstände wieder aus dem Wein entfernen. Für die fruchtige Note sollten auch Zitronen- und Orangenscheiben im Wein schwimmen dürfen. Für die Süße kann Zucker oder auch Honig sorgen. Und dann gilt dasselbe wie für die Profis auf dem Weihnachtsmarkt: Schön langsam erhitzen und nicht wärmer als 70 Grad – sonst leidet der Geschmack.