weather-image
Bodenwerder nimmt das Jubiläumsjahr 2020 ins Visier

Was Sie zum Baron Münchhausen wissen müssen

Große Ereignisse werfen lange Schatten voraus: So richtet sich in Bodenwerder jetzt schon der Blick auf das Jahr 2020. Dann wird die Weserstadt den Geburtstag des berühmtesten Sohns der Stadt feiern. Vor dann genau 300 Jahren kam Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen zur Welt. Der „Baron Münchhausen“, der „Lügenbaron“ – auch wenn er selbst unter diesem Titel litt, statt seinen internationalen Ruhm zu genießen. Wir haben hier viel Wissenswertes zum Baron zusammengetragen. Er hat es verdient – ungelogen.

veröffentlicht am 20.09.2018 um 07:22 Uhr
aktualisiert am 20.09.2018 um 13:17 Uhr

poli101 2009

Das war der Baron

Zeitgenössisches Porträt des jungen „Lügenbarons“.  Bild: Münchhausen-Museum

Der Ruhm kam spät: Der als „Lügenbaron“ berühmt gewordene Geschichtenerzähler Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen (11. Mai 1720 bis 22. Februar 1797) spielte zu Lebzeiten in seinem Adelsgeschlecht nicht die erste Geige: Er stand im Schatten des kur-braunschweig-lüneburgischen Premierministers Gerlach Adolph von Münchhausen (1688–1770). Hieronymus wurde als eines von acht Kindern in dem Gutshaus der Familie in Bodenwerder – dem heutigen Rathaus – geboren. Sein Vater war der Oberstleutnant der Kavallerie Georg Otto von Münchhausen. Er starb, als Hieronymus vier Jahre alt war. Er wuchs bei seiner Mutter auf, Sibylle Wilhelmine von Reden aus Hastenbeck (1689–1741).

Später – 1737 – wurde Hieronymus Page von Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel. Er folgte diesem nach Russland und sogleich in den Russisch-Österreichischen Türkenkrieg (1736–1739). Einige der Lügengeschichten beruhen offenbar auf diesen Kriegserlebnissen – etwa die vom „Ritt auf der Kanonenkugel“.

Seine Karriere versprach unter Anton Ulrich glänzend zu verlaufen. 1740 wurde – nach dem Tode der Zarin Anna – dessen soeben geborener Sohn als Iwan VI. zum Zaren von Russland ernannt. Doch endeten alle Hoffnungen, als Annas Cousine Elisabeth, Tochter Peters des Großen, den einjährigen Iwan stürzte und ihn und seine Familie für lange Jahre in Gefangenschaft nahm.

Münchhausen überstand den Umsturz heil, aber aus seiner eben erst begonnenen Karriere wurde nichts. Die Garnisonstadt Riga wurde sein hauptsächlicher Aufenthaltsort. Diese Jahre beeinflussten wohl seine Fähigkeiten als Erzähler: In den deutsch-baltischen adligen Freundeskreisen wurde gerne fantasievoll fabuliert. Auf dem Gut des Landadligen Georg Gustav von Dunte lernte der Baron dessen Tochter Jacobine von Dunten kennen, die er 1744 heiratete. 1750 nahm Münchhausen seinen Abschied, kehrte nach Deutschland zurück und verlebte mit seiner Frau weitere 40 Jahre auf dem Gut in Bodenwerder. Er führte das Leben eines Landedelmannes, der Geselligkeit und die Jagd liebt. Im Freundeskreis begann sein Erzähltalent allmählich berühmt zu werden. Gäste kamen – auch von weit her – um fabelhafte Geschichten zu hören.

Nach dem Tod seiner Frau 1790 heiratete er 1794 sein Patenkind, die 20-jährige Bernhardine Brunsig von Brunn aus Polle. Schnell nahm das Ehedrama seinen Lauf. Wegen ehelicher Untreue reichte der 73-Jährige die Scheidung ein. In einem drei Jahre andauernden, ruinösen Scheidungsprozess endete die kurze Ehe. Der Baron verlor fast sein ganzes Vermögen.

Ein gelegentlicher Gast in Bodenwerder, der Kasseler Museumsdirektor und Universalgelehrte Rudolf Erich Raspe, stahl 1774 Münzen aus den landgräflichen Sammlungen in Kassel. Der Diebstahl wurde entdeckt, Raspe floh nach England. Um Geld zu beschaffen, veröffentlichte er 1785 in London eine Reihe von Anekdoten und Reiseabenteuern unter Münchhausens Namen. Zuvor hatten bereits 1761 Graf Lynar und 1781 ein anonymer Autor erste Münchhausiaden publiziert.

Raspes Buch wurde ein ungeheurer Erfolg und zog vier ergänzte Neuauflagen nach sich. 1786 wurden diese Geschichten von Gottfried August Bürger ins Deutsche übersetzt und erweitert. Diese Publikationen machten Hieronymus von Münchhausen weltberühmt, brachten ihm jedoch den Ruf als „Lügenbaron“ ein und gaben ihn – in seinen Augen – der Lächerlichkeit preis. Der Ärger darüber überschattete – neben dem Ehedebakel und dem daraus resultierenden Ruin – seine späten Jahre.

Quelle: Wikipedia

Die Spuren des Barons

Vor 221 Jahren starb Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen. Vor 257 Jahren erschienen – wenn auch noch ohne seinen Namen zu nennen – die ersten Geschichten vom Lügenbaron. Als solcher ist Münchhausen bis heute präsent. Beispiele gefällig?

  • Bücher: Einige wurden bereits genannt. Doch war nach den Werken von Rudolf Erich Raspe und Gottfried August Bürger noch lange nicht Schluss. Als verhältnismäßig junge Beispiele folgten das Theaterstück „Münchhausen“ von Walter Hasenclever (uraufgeführt 1948), ein weiteres von Kurt Frost („Unsterblicher Münchhausen“, veröffentlicht 1957).
  • Filme: Als Filmstoff wurden die Schnurren des Barons früh entdeckt: Der Stummfilm „Les aventures de Baron du Munchhausen“ des Franzosen Georges Méliès stammt aus dem Jahr 1911. Die vielleicht bekannteste Verfilmung war der UFA-Film „Münchhausen“ von 1943 mit Hans Albers in der Titelrolle. Das Drehbuch schrieb Erich Kästner. 1988 drehte das ehemalige Monty-Python-Mitglied Terry Gilliam „Die Abenteuer des Baron Münchhausen“, auch Robin Williams und Sting spielten mit. Für das deutsche Fernsehen schlüpften zuletzt Jan Josef Liefers und Ben Becker ins Baron-Kostüm.
    Hans Albers als Baron Münchhausen.  Foto: dpa
  • Comics: Der Texter Flix und der Zeichner Bernd Kissel veröffentlichten 2016 „Münchhausen. Die Wahrheit übers Lügen“. In diesem Jahr gaben sich Donald Duck und seine Neffen im Magazin „Micky Maus“ in Bodenwerder die Ehre.
  • In Bodenwerder: Das einstige Herrenhaus, das Schloss Münchhausen, wird heute als Rathaus genutzt. Die 2003 sanierte Schulenburg auf dem ehemaligen Gutshof der Familie beherbergt das Münchhausen-Museum. Erinnerungsstücke aus dem Besitz des Barons, Bilder und Dokumente zeichnen Stationen seines Lebensweges nach. Über 1400 Buchausgaben in 48 Sprachen und Illustrationen aus zwei Jahrhunderten belegen die weltweite Faszination für die Lügengeschichten.

Geschichten des Barons (Auswahl)

  • Das Pferd auf dem Kirchturm: Münchhausen reiste im verschneiten Winter mit seinem Pferd nach Russland. Eines Abends band er sein Pferd an einer Baumspitze fest, die aus dem Schnee herausschaute. Dann legte er sich schlafen. Als er morgens aufwachte, schien die Sonne und er lag mitten in einem Dorf auf dem Kirchhof. Sein Pferd schien verschwunden, bis er es über sich hörte. Er sah sein Tier am Wetterhahn des Kirchturms hängen. Es wieherte und zappelte. Allmählich begriff er, was geschehen war: Das Dorf samt Kirche war eingeschneit gewesen, und was er im Dunklen für eine Baumspitze gehalten habe, war der Wetterhahn gewesen. Nachts hatte es getaut und Münchhausen war mit dem schmelzenden Schnee hinabgesunken. Mit seiner Pistole schoss er sein Pferd wieder frei und reiste weiter.
  • Der trinkfeste General: Nach seiner Ankunft in Russland trank Münchhausen oft bis in die Nacht mit Freunden. Am meisten trank ein General, der im Krieg die Schädeldecke eingebüßt hatte und deswegen einen Hut trug. Doch soviel er auch trank, betrunken wurde er nie! Schließlich fiel Münchhausen auf, dass der General jede Stunde seinen Hut etwas hochhob. Und damit auch eine daran befestigte silberne Platte, die ihm als künstliche Schädeldecke diente. Somit stieg der angesammelte Alkoholdunst wie eine Wolke aus seinem Kopf hoch und er war wieder vollkommen nüchtern. Da die anderen Münchhausens Theorie nicht glauben wollten, trat dieser einmal hinter den General und zündete einfach die aufsteigende Alkoholwolke an. Die Wolke brannte blau über dem Hut des alten Herrn.
  • Der Ritt auf der Kanonenkugel: In einer Schlacht verlangte ein General von Münchhausen, eine feindliche Festung auszuspionieren. Deswegen schwang sich Münchhausen auf eine Kanonenkugel, die seine Kameraden gerade auf die Festung abgeschossen hatten. Doch da schien Münchhausen etwas zu voreilig gewesen zu sein. Im Flug überlegte er sich, wie er wieder unbeschädigt das feindliche Territorium verlassen konnte. Da kam ihm der Zufall zu Hilfe. Die Feinde hatten nämlich auch eine Kanonenkugel abgeschossen, die nun direkt auf ihn zuflog. Er wechselte von einer Kanonenkugel auf die andere. So kam er wieder heile bei seiner Truppe an.



Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare