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Und wie viele gibt es? Berufsverbände und Wissenschaft sind sich nicht einig

Wer ist eigentlich Journalist?

WESERBERGLAND. Ist jeder Facebook-Nutzer, der Kommentare öffentlich im Internet postet, schon ein Journalist? Betätigt sich ein Blogger journalistisch, wenn er seine Reiseberichte aus fernen Ländern im Netz präsentiert? Darf sich der Verfasser eines PR-Artikels in einer Unternehmenszeitschrift als Journalist bezeichnen? Es ist alles eine Frage der Definition.

veröffentlicht am 11.05.2017 um 14:25 Uhr
aktualisiert am 13.06.2017 um 14:32 Uhr

Lars Lindhorst

Autor

Ressortleiter zur Autorenseite

Das Problem ist: Per se gibt es keine Grundlage, auf der sich der Begriff „Journalist“ eindeutig festzurren lässt. Denn „Journalist“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Prinzipiell dürfte sich jeder „Journalist“ nennen, der sich dazu berufen fühlt. Da geht es dem Journalisten nicht anders als etwa dem „Yoga-Lehrer“, „Visagisten“ oder „Anlageberater“.

Um mehr Trennschärfe in das Berufsfeld des Journalismus zu bekommen, hat sich die Branche selbst geholfen: Sie hat festgelegt, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit die Arbeit von Redakteuren, Autoren oder Publizisten als journalistische Tätigkeit gilt. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) definiert es so: „Journalist ist, wer (...) hauptberuflich an der Erarbeitung bzw. Verbreitung von Informationen, Meinungen und Unterhaltung durch Medien mittels Wort, Bild, Ton oder Kombination dieser Darstellungsmittel beteiligt ist…“

Ein Kernmerkmal des Journalistenberufs ist demnach die hauptberufliche Tätigkeit. Die Formulierung, die der Berufsverband gewählt hat, lässt einen weiteren Schluss zu: Die Arbeit ist reich an Facetten – Journalisten arbeiten mit Worten, Bildern und Tönen. Ob sie dies nun in der schreibenden Zunft bei Zeitungen oder Fachzeitschriften, im Rundfunk, Fernsehen, in PR-Abteilungen oder online tun, spielt dabei erst mal keine Rolle. Ganz unabhängig von diesen Arbeitsfeldern sind die Tätigkeiten, die Journalisten ausführen, nahezu dieselben: Sie recherchieren, wählen Themen aus und bereiten sie für Veröffentlichungen auf. Relevanz und Aktualität sind dabei meist die wichtigsten Gradmesser.

Interessant wird die Unterscheidung der Arbeitsfelder bei der gesellschaftlichen Aufgabe, die ihnen zugeschrieben wird. Der DJV formuliert: Journalisten haben „die Aufgabe, Sachverhalte oder Vorgänge öffentlich zu machen, deren Kenntnis für die Gesellschaft von allgemeiner, politischer, wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung ist“. Und: Sie „schaffen die Grundlage dafür, dass jede Bürgerin und jeder Bürger die in der Gesellschaft wirkenden Kräfte erkennen und am Prozess der politischen Meinungs- und Willensbildung teilnehmen kann.“

Zurück zu den anfangs gestellten Fragen: Nach dieser Definition ist der Facebook-Poster eindeutig kein Journalist. Beim Blogger handelt es sich zumindest um einen Grenzfall – teilt er in seinem Reiseblog ausschließlich persönliche Erfahrungen mit, ist er aus dem Rennen. Macht er damit auch auf der Reiselände – und ist das sein Job – ist er Journalist. Beim Publizisten aus der PR-Abteilung scheiden sich die Geister: Zwar informieren sie und klären auch auf – dies jedoch in Zusammenhang mit dem Produkt, welches sie und ihr Unternehmen verkaufen.

Weltweite Zahlen über die Anzahl von Journalisten zu ermitteln, gestaltet sich als schwieriges Unterfangen, denn schon ein Blick auf Deutschland ist nicht einheitlich. Während der DJV (72 500 Festangestellte in 2012), kommt die Agentur für Arbeit auf rund 77 000 (in 2013); dazu gesellen sich etwa 74 000 freie Journalisten. Laut einer Studie der Institute für Journalistik und Kommunikationswissenschaft der Universitäten Hamburg und Münster arbeiten in Deutschland aber nur rund 48 000 hauptberufliche Journalisten. Im Gegensatz zu den Branchenverbänden haben die Forscher PR-Leute und Pressesprecher ausgeklammert.

Die „International Federation of Journalists“ spricht von 600 000 Journalisten in 140 Ländern der Welt. Sehr belastbar ist diese Zahl aber nicht: Denn hierunter werden nur diejenigen erfasst, die auch in einem Berufsverband Mitglied sind. Über die Zahl der tatsächlich weltweit arbeitenden Journalisten lässt sich demnach nur spekulieren.

Der Blick vor die Haustür macht es da etwas einfacher: Bei den zwischen Bodenwerder und Bückeburg erscheinenden Zeitungstiteln der Dewezet-Gruppe gibt es aktuell 44 festangestellte Journalisten, drei Volontäre befinden sich in der Ausbildung. Mit mal mehr oder auch weniger Beiträgen für Print und Online unterstützen darüber hinaus 70 freie Mitarbeiter die Redaktionen.



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