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Unterwegs mit Vogelkundler Klaus-Henning Dageförde

Wer piept denn da?

Der Nabu hatte eingeladen: Vogelstimmen-Exkursion durch den Blumenwall in Rinteln. Treffpunkt: an einem Samstag um 8 Uhr am Parkhaus. Wieso ausgerechnet hier, im kleinen Park mitten in der Stadt? Kann das denn interessant sein? Doch schon auf dem Weg zum Treffpunkt begann das Staunen.

veröffentlicht am 11.07.2018 um 16:39 Uhr

Der spatzengroße Buchfink ist ein echter Schönling, zumindest was Herrn Buchfink angeht. Das Weibchen trägt ein schlichteres Federkleid. Foto: FN
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Autor

Claudia Masthoff Reporterin
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Das hatten sich nicht nur manche Teilnehmer gefragt. Auch der verantwortliche Vogelkundler, Klaus-Henning Dageförde, selbst, war mit leiser Skepsis an das Projekt herangegangen. „Als mir diese Führung angetragen wurde, dachte ich: ‚Ach du je, wahrscheinlich findest du da kaum mehr als zehn Allerweltsvögel. Und daraus sollst du dann eine spannende Veranstaltung machen…‘“

Doch schon bei seinen vorbereitenden Erkundungsgängen sei er positiv durch die dort herrschende Vielfalt der Vogelwelt überrascht worden. Und am entscheidenden Samstag schien es dann beinahe so, als wollte das Federvolk im Park mal richtig zeigen, was es zu bieten hat.

Eine schöne Eröffnung: Schon auf dem Weg zum Treffpunkt konnte man einen Ruf vernehmen, für dessen Zuordnung auch der absolute ornithologische Laie keinen Experten brauchen: Kuckuck, Kuckuck rief es vom Weserufer herüber. Doch spätestens beim Lauschen auf das direkt am Parkeingang einsetzende vielstimmige Konzert, war man doch froh, einen Fachmann zur Seite zu haben. Stieglitz, Buchfink, Ringeltaube, Zilpzalp und Zaunkönig nahmen mit ihrem Gesang die kleine Schar von Interessierten in Empfang. Die kam vor lauter aufmerksamem Horchen kaum vom Fleck. Immer wieder gab es – und das war gut so – eine Soloauftritte einzelner Sangeskünstler. Dann hatte Hobbyornithologe Dageförde eine echte Chance, sein Wissen weiterzugeben.

Der Kuckuck, der seinen Namen nach seinem eingängigen Ruf erhalten hat, ist vielerorts verschwunden, weil sein Lebensraum verloren geht. Foto: Fn
  • Der Kuckuck, der seinen Namen nach seinem eingängigen Ruf erhalten hat, ist vielerorts verschwunden, weil sein Lebensraum verloren geht. Foto: Fn
Die Kohlmeise ist sehr lebhaft. Foto: FN
  • Die Kohlmeise ist sehr lebhaft. Foto: FN
Der Zaunkönig wird nur neun Zentimeter lang. Foto: Fn
  • Der Zaunkönig wird nur neun Zentimeter lang. Foto: Fn
Den Stieglitz nennt man auch Distelfink. Foto: FN
  • Den Stieglitz nennt man auch Distelfink. Foto: FN
Der Zilpzalp oder Weidenlaubsänger. Foto: FN
  • Der Zilpzalp oder Weidenlaubsänger. Foto: FN
Der Kuckuck, der seinen Namen nach seinem eingängigen Ruf erhalten hat, ist vielerorts verschwunden, weil sein Lebensraum verloren geht. Foto: Fn
Die Kohlmeise ist sehr lebhaft. Foto: FN
Der Zaunkönig wird nur neun Zentimeter lang. Foto: Fn
Den Stieglitz nennt man auch Distelfink. Foto: FN
Der Zilpzalp oder Weidenlaubsänger. Foto: FN

Heute, wo ich doch mehr über Vögel weiß als früher, bin ich weitaus vorsichtiger mit meinen Aussagen.

Klaus-Henning Dageförde, Vogelkundler

„Da, jetzt hört man ihn ganz deutlich. Der Zilpzalp ruft seinen Namen.“ „Da rechts, diese ganz hohe Frequenz, das ist ein Sommergoldhähnchen.“ „Man muss die Gesänge erst einmal einzeln hören, bevor man sie im Gesamtkonzert ausmachen kann“, erklärte Dageförde. Es gebe keine Möglichkeit, Vogelstimmen mit Worten zu beschreiben. „Wenn du das versuchst, hast du eigentlich schon verloren“, so seine Einschätzung. Eine weitere Schwierigkeit beim Bestimmen von Vogelrufen würde in der meisterhaften Vielfalt von Melodien liegen, über die manche Arten verfügen. „Meisen zum Beispiel haben über zwanzig verschiedene Rufe. Heute, wo ich doch mehr über Vögel weiß als früher, bin ich weitaus vorsichtiger mit meinen Aussagen. Da wage ich es oft nicht mehr, mit Bestimmtheit zu behaupten, ob ich gerade eine Kohl- oder eine Blaumeise höre“, so der Experte.

Langsam bewegte sich die kleine Gruppe weiter in den Park hinein. Während die meisten Vogelarten unsichtbar, dafür aber gut zu hören, in den grünen Baumkronen versteckt blieben, gab es jetzt einige Amseln am Boden zu sehen. Auch ein Kleiber konnte beim Herumturnen in den Zweigen beobachtet werden und schließlich entdeckte man gemeinsam das Nistloch eines Starenpaares in einer der hohen alten Platanen. Beim Anflug der Elterntiere war das hungrige Piepsen des Starennachwuchses nicht zu überhören. „Die vielen alten Bäume mit ihren Astlöchern und den rauen Borken dürften der Grund dafür sein, dass hier im Park so eine vielfältige Vogelwelt lebt“, erläuterte Dageförde.

„Sie bieten Nahrung und Unterschlupf.“ Dann stellte man fest, dass auch der Teich am Rand des Blumenwalls über seine eigene Vogelbevölkerung verfügt. Stockenten und Teichhühner zogen ihre Bahnen. Ein Buntspecht überflog die Wasseroberfläche und verschwand in einem der anliegenden Hausgärten. In den Büschen sang die Heckenbraunelle und durch den Ausschnitt des blauen Himmels, der über dem Wasser sichtbar wurde, konnte man Mauersegler und Mehlschwalben gleiten sehen. „Wie viele Stunden am Tag verbringt der Mauersegler in der Luft?“, fragte der Exkursionsleiter, um auf die fragenden Blicke der Teilnehmer dann selbst zu antworten.

„24 Stunden. Mauersegler verbringen ihr ganzes Leben im Flug.“ Erst kürzlich hätten Vogelforscher beobachten können, dass bei diesen Vögeln selbst die Fortpflanzung in luftiger Höhe stattfinden würde. So langsam trat die Gruppe ihren Rückweg an. Und immer noch gab es Neues zu entdecken. „Da oben, das muss ein Grauschnäpper sein. Durch das Fernglas kann man sehen, dass dort am Wipfel viele Fliegen unterwegs sind und der Schnäpper fliegt immer wieder kurz auf und schnappt sich eine, wie sein Name schon verrät.“ Selbst am Boden wurden die Vogelfreunde noch einmal fündig. Jungvögel aus der Brut von Amseln und Wacholderdrosseln hockten im Gras und warteten darauf, von ihren Eltern gefüttert zu werden.

Wenig scheu gaben sie das perfekte Fotomotiv ab. „Das ist schon etwas Besonderes“, meinte Dageförde. „So nah werdet ihr einer Wacholderdrossel bestimmt nie wieder kommen.“ Und weil Vogelfreunde auch allgemein etwas für Tiere übrig haben, wurde auch das Eichhörnchen, das sie am Ende der Wanderung in den hohen Bäumen entdeckten mit freudigem Hallo gefeiert. Wieder am Parkhaus angelangt zerstreute sich die kleine vogelbegeisterte Gruppe. Man konnte sie noch lange am Lächeln im Gesicht erkennen. Es gibt doch keine schönere Art, den Tag zu beginnen, als mit einer vogelkundlichen Wanderung.




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