weather-image
21°

Touristensaison auf der Schaumburg

Wie im Märchen

Die Schaumburg habe alles, was Touristen sehen und hören wollen, sagt Katrin Bühne. Im historischen Kostüm als „Katharina Elisabeth von Münchhausen“ führt sie Touristen auf die Burg. Bei gutem Wetter bietet sich von dem historischen Gemäuer aus ein weiter Blick in die Landschaft mit Wesertal und Bergen.

veröffentlicht am 23.04.2019 um 13:04 Uhr
aktualisiert am 23.04.2019 um 20:30 Uhr

Beliebt bei Gästen wie Fotografen: die Schaumburg. Die Burgwirtschaft ist geschlossen, aber an der Straße rechts liegt der „Schaumburger Ritter“, Rintelns ältester Gastronomiebetrieb. Foto: pr./Jörg Brandt
Avatar2

Autor

Hans Weimann Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Katrin Bühne erzählt ihren Zuhörern auf der Schaumburg von einem Burgherren mit zwei Frauen. Sie berichtet von tapferen Städtegründern, denn: Ohne die Schaumburger gäbe es wohl viele Küstenstädte im Norden nicht. Sie weiß Mystisches, etwa über die Wirkung des Nesselblatts, dem Schaumburger Wappenkraut, und dem Bärlauch, der rings um die Burg wächst. Sie berichtet von den drei Nägeln vom Kreuz Christi, den Hexen und der Burglinde, die der älteste Baum im ganzen Landkreis ist. Die Gästeführerin bemüht sich, in ihrer Rolle als Gouvernante und Kräuterfrau möglichst historisch korrekt zu bleiben, doch die Gäste wollten auch unterhalten werden, soll heißen: Die Pointe zählt. So zeigt Bühne den Touristen auch, wo man den Ursprung des Wortes „Einlochen“ versteht: Die Burg war berüchtigt für ihre Gefängniszellen.

Bühne macht im Rahmen der Landsommer-Events auch „kulinarische Burgenführungen“, dann in eine Robe aus der Zeit um 1900 gekleidet, mit langem schwarzem Rock, Rüschenbluse, langen schwarzen Handschuhen und Sonnenschirm. Ob ihre Gäste bedauern, dass es auf der Burg keine Gastronomie mehr gibt? Die Burg habe Potenzial durch den Saal mit Blick ins Tal, antwortet Bühne. Aber Kaffee und Kuchen gebe es ja vor dem Tor im „Schaumburger Ritter“. Dieses Gasthaus und Hotel kann sich rühmen, das älteste im Rintelner Gebiet zu sein. Bereits im 15. Jahrhundert kehrten dort Bauern und Burglieferanten ein. Ob und wann es wieder einen gastronomischen Betrieb auf der Schaumburg geben wird, ist nach wie vor offen. Dietmar Weh, Leiter der Bauabteilung der Fürstlichen Hofkammer in Bückeburg, wird ausgesprochen wortkarg, wenn man ihn danach fragt. Dabei ist es keineswegs so, dass man in Bückeburg ansprechende Gastronomie nicht könnte – im Gegenteil. Vor drei Jahren sind die Besichtigungs- und Gastronomiebetriebe Schlossküche, Parkcafé, Wilhelmstein im Steinhuder Meer und der Ida-Turm in Eigenregie unter einer GmbH gebündelt worden. Weh bestätigt immerhin, es habe Gespräche mit Stephan und Doreen Kehlenbeck vom „Schaumburger Ritter“ gegeben, doch zu einem Ergebnis sei man noch nicht gekommen. Die Kehlenbecks vermieten die Ferienwohnungen im Torhaus, wo man sich auch standesamtlich trauen lassen kann.

Der – vorerst – letzte Pächter der Burggaststätte, Michael Becker, ist skeptisch, ob es auf der Burg jemals wieder eine Bewirtung geben wird. Der Sanierungsbedarf in der Burggastronomie sei erheblich, weil nichts mehr den aktuellen Standards entspricht, weder bei der Technik noch bei den Sanitäranlagen. Und vorbei seien die Zeiten, wo Kurgäste aus Bad Nenndorf und Bad Eilsen busweise eingekehrt seien. Heute kommen vor allem Wanderer auf die Schaumburg. „Die haben ihr Essen im Rucksack.“ Und die Touristen wollten eigentlich nur auf die Toilette. Zwar wird von Kommunalpolitikern immer wieder betont, welchen identitätsstiftenden Wert die Schaumburg für das Umland habe, doch die meisten Kommunen haben zurzeit wichtigere Baustellen, als eine Burggastronomie zu fördern.

2 Bilder
Katrin Bühne führt in ihrem historischen Kostüm als „Katharina Elisabeth von Münchhausen“ Touristen auf die Schaumburg. Foto: wm

Es gibt zwar keine Gaststätte auf der Burg, aber das Ensemble selbst ist gut in Schuss. Ihr Eigentümer, das Fürstenhaus Schaumburg-Lippe, hat stets in die Bausubstanz investiert. So wurden im Jahr 2010 zum 900-jährigen Bestehen die Mauern verfugt und gereinigt, am Burgaufgang wurde ein neuer Handlauf installiert.

Auch der Heimatbund der Grafschaft Schaumburg in Rinteln engagiert sich. Auf seine Initiative hängt wieder eine Glocke im „Kühnen Henke“, dem Glockenturm. Und in einer Gemeinschaftsaktion von Stadt und Fürstlicher Hofkammer wurde im Rahmen eines Leaderprojekts ein Rundweg um die Burg angelegt und ausgeschildert. Museumsleiter und Historiker Dr. Stefan Meyer lobt, die Burganlage sehe heute besser aus als noch vor zehn Jahren. Für ihn komme es jetzt vor allem darauf an, das Umfeld weiter instand zu halten. Dazu gehöre, dass man auf der Südseite die Vegetation kurz halte, den kleinen Garten pflege, die Wege freihalte. Und Meyer erinnert daran, dass schon einmal bürgerschaftliches Engagement die Burg gerettet hat: Im Jahr 1840 sollte sie „auf Abbruch“ verkauft werden.

Die Saison auf der Schaumburg hat mit den ersten Sonnentagen begonnen. Auf der Internetseite des Tourismusverbandes Westliches Weserbergland wird wieder für sie geworben: „Sieben Tage die Woche zugänglich und geöffnet.“ Man kann auch auf eigenes Risiko für 50 Cent über die Holztreppen auf den Georgsturm hochsteigen. Das Eintrittsgeld wirft der Besucher in eine Büchse. Nur die „gemütliche Burggaststätte“, die noch immer auf der Homepage empfohlen wird, gibt es nicht mehr.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare