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Die Versorger sind trotz Hitzewelle entspannt – mahnen aber zu einem sparsamen Verbrauch

Wird das Trinkwasser knapp?

Der Sommer ist heiß, trocken und sonnenreich – und das schon fast seit Mai. Einige sorgen sich schon ums Trinkwasser. Eine offenbar unnötige Sorge: Die Reservoire sind mehr als gut gefüllt.

veröffentlicht am 21.07.2018 um 14:59 Uhr
aktualisiert am 22.07.2018 um 14:10 Uhr

Die Staumauer der Eckertalsperre im Harz. Die von den Harzwasserwerken betriebene Talsperre dient vor allem der Trinkwasserversorgung und des Hochwasserschutzes. Foto:dpa

Autor:

Helmut Reuter und Hans-Christian Wöste
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Ein „Day Zero“ mit Wasserversorgungsstopp, wie es der südafrikanischen Metropole Kapstadt wegen Dürre und Wasserknappheit in diesem Jahr drohte, ist hierzulande kaum möglich. „Deutschland ist ein wasserreiches Land. Wasserstress ist in Deutschland nicht zu befürchten“, so das Umweltbundesamt. Das trifft auch auf Niedersachsen zu. Die Versorger sind entspannt.

Deutlich zu merken sei aber ein höherer Verbrauch vor allem in Spitzenzeiten am Morgen und am Abend. Auch wenn Wassermangel aktuell kein Thema zu sein scheint, sollte dennoch sorgsam mit der Ressource Wasser umgegangen werden. Tägliches Rasensprengen, Autowaschen, häufige Poolwasserwechsel – all das sollte bei der Hitzewelle zumindest eingeschränkt werden. Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen, die sich jetzt stellen.

Wo kommt das Trinkwasser in Niedersachsen her? Das Trinkwasser in Niedersachsen kommt zu 86 Prozent aus dem Grundwasser. Aber auch die großen Harztalsperren liefern Trinkwasser bis nach Bremen. „Die Talsperren sind gut gefüllt“, sagte Marie Kleine vom größten niedersächsischen Wasserversorger, der Harzwasserwerke GmbH, die sechs Talsperren (Oder, Söse, Ecker, Oker, Grane, Innerste) nutzt. Mit rund 109 Millionen Kubikmetern Wasser sind die zu 60 Prozent gefüllt. 2017 war das etwas anders, als die Talsperren mit unter 80 Millionen Kubikmeter einen historischen Tiefststand erreichten.

Auch Sonnenblumen leiden unter der Trockenheit und lassen die Köpfe hängen. Foto: dpa
  • Auch Sonnenblumen leiden unter der Trockenheit und lassen die Köpfe hängen. Foto: dpa

Zum Vergleich: In Kapstadt war der Theewaterskloof-Damm im April nur noch zu knapp elf Prozent gefüllt. „Selbst wenn es viele Monate keinen Tropfen regnen würde, wäre unsere Versorgungssicherheit voll gewährleistet“, sagte Kleine. Die Harzwasserwerke beliefern rund 2,1 Millionen Menschen mit Wasser und verkaufen jährlich 95 Millionen Kubikmeter Trinkwasser.

Ausschließlich Grundwasser nutzt der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV), der nach eigenen Angaben mit einem Einzugsgebiet von über 7500 Quadratkilometern Deutschlands größter Flächenversorger ist. „2017 war ein sehr nasses Jahr“, sagte OOWV-Sprecher Heiko Poppen. Die Reservoire seien gut gefüllt. Der Wasserverbandstag betonte, die Versorgung sei überall gesichert. „Probleme gibt es nicht, ein sorgsamer Umgang mit Wasser ist bei der aktuellen Wetterlage aber sinnvoll.“


Woher kommt das Trinkwasser auf den Ostfriesischen Inseln? Auf den sieben Ostfriesischen Inseln herrschen besondere Verhältnisse. Dort versickert Regen im sandigen Boden, der das Wasser auf natürliche Weise filtert. Es sammelt sich in Süßwasserlinsen und wird daraus zu Trinkwasser aufbereitet. In heißen Sommern und bei hohem Verbrauch zur Ferienzeit schrumpft diese Süßwasserlinse, danach füllt sie sich durch Regen wieder auf.

„Zum Ferienbeginn beobachten wir einen natürlichen Anstieg, aber wir haben alles im Griff“, sagte Werksdirektor Axel Held von den Stadtwerken Borkum. Auch auf Langeoog und Spiekeroog reiche die Versorgung über Brunnen und Süßwasserlinsen vollkommen aus, sagt ein OOWV-Sprecher.

Wangerooge und Baltrum sind unabhängig von möglichen Schwankungen in den Süßwasserlinsen und werden über eine Pipeline zum Festland versorgt. Auch diese Inseln haben aber eigene Brunnen und Wasserwerke für die Eigenversorgung im Notfall.


In welchem Maße lässt die Hitze den Verbrauch steigen? Bundesweit liegt der Durchschnittsverbrauch bei rund 121 Litern pro Tag und Einwohner. In Niedersachsen lag er nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2015 etwas darüber bei 126 Litern. Darin enthalten sind Wasser für Körperhygiene, Kochen, Autowäsche sowie Garten und Pflanzen. Durch das heiße Wetter registrierte der OOWV eine Tagesabgabe von knapp 292 000 Kubikmeter – an Normaltagen sind es 220 000 Kubikmeter. Der Rekord liegt bei 311 000 Kubikmeter am 2. Juli 2015. Die Wasserwerke der Harzwasserwerke und die Grundwasserwerke laufen etwa seit Mai auf Volllast. Die statistische Tagesspitzenleistung liegt um etwa 40 Prozent über dem normalen Betriebszustand. „Dieser Faktor ist für uns kurzzeitig kein Problem, es werden einfach alle Kapazitäten ausgeschöpft, und er ist auch normal für das Wetter“, sagte Unternehmenssprecherin Kleine. Hauptverbraucher sind Privathaushalte, Gewerbe und Landwirtschaft. Nach Informationen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen nehmen Milchkühe an heißen Tagen bis zu 150 Liter Wasser zu sich. Eine Hochleistungskuh, die pro Tag rund 40 Liter Milch gibt, benötigt den Angaben zufolge bei Hitze drei bis vier Liter Wasser, um einen Liter Milch zu produzieren.


Warum kann der Wasserdruck schwanken? Die Versorger nutzen Tausende Kilometer Wasserrohrleitungen. Über 99 Prozent der Niedersachsen sind an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen. Wenn viele Menschen zu den Spitzenzeiten am Abend oder am Morgen das Wasser aufdrehen, kann der Druck in der Leitung fallen. „Dann ist der Duschstrahl schon mal nicht ganz so stark“, sagte OOWV-Sprecher Poppe. Zwar könnte das Problem mit größeren Rohren technisch behoben werden. Das wäre aber nicht sinnvoll. Denn im Normalbetrieb bei weniger Verbrauch könnte es dann in den größeren Rohren zu Wasserstandzeiten mit dem Risiko der Keimbildung kommen.


Welche Rolle spielt der Klimawandel für die Wasserwirtschaft? Eine erhebliche Rolle. Lange Dürrezeiten, kaum Schnee im Winter und stärkere Hochwasser sieht man auch bei den Harzwasserwerken als Anzeichen für den Klimawandel. Im Sommer 2017 wurde ein Füllstand bei den Harztalsperren von 49 Prozent gemessen - ein historischer Tiefststand seit Bestehen des Talsperrenverbundes Anfang der 1970er Jahre. Diskutiert werden Langzeitstrategien. Durch den Klimawandel könne man sich nicht mehr auf stets gut gefüllte Talsperren im Harz verlassen, hieß es.




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