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Neue App ermöglicht Festlegung des letzten Willens und Planung letzter Nachrichten

Den Tod mit dem Smartphone regeln

Beim Überqueren der Straße nicht aufgepasst, auf dem nassen Badezimmerboden ausgerutscht, die Schmerzen nicht ernst genug genommen – das Ende des Lebens kann schneller kommen, als es uns lieb ist. Denn bei Weitem nicht alle Menschen sterben in hohem Alter, nach einem erfüllten Leben, im Kreise der geliebten Freunde und Familie. Und auf den Tod vorbereitet sind vermutlich die wenigsten. In einer immer digitaler werdenden Gesellschaft war es deshalb wohl nur eine Frage der Zeit, bis eine App veröffentlicht wird, mit der der eigene Tod geregelt werden kann.

veröffentlicht am 15.05.2017 um 17:23 Uhr

Feuer- oder Erdbestattung? Christlich oder weltlich? Genaue Angaben zur Beerdigung können nun in einer App hinterlegt werden. Foto: ms
Nicole Trodler

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Nicole Trodler Onlineredakteurin zur Autorenseite
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„Life Companion“ ist seit Mitte April in den App Stores für Android- und iOS-Geräte erhältlich. Die App soll den Nutzern bei der Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod helfen und notwendige Regelungen für den Notfall erleichtern. Vor allem aber diene sie der Unterstützung und Versorgung der Hinterbliebenen, so die App-Entwickler, die Mobile Software AG aus München. Aber wie funktioniert die digitale Nachlassverwaltung nun genau?

Nach dem Installieren und Öffnen der App erscheint ein Startbildschirm mit den vier Punkten „Ich“, „Ihr“, „Organisation“ und „Themen“. Unter „Ich“ können persönliche Informationen eingetragen werden, die der App-Nutzer hinterlassen möchte. Die voreingestellten Punkte umfassen unter anderem Wünsche für die eigene Beerdigung (Musik, Grabredner, Art der Bestattung), Hinweise für die Trauerkarte und allgemeine letzte Wünsche. Auch Lebensziele und Höhepunkte des eigenen Lebens können eingetragen werden. Alle Angaben, die den Hinterbliebenen beim Schreiben der Grabrede behilflich sein könnten. Menschen, die einem besonders nahe stehen, kann man in der App auch eine letzte Botschaft hinterlassen (hierfür muss die E-Mail-Adresse desjenigen hinterlegt werden, sollte derjenige die App ebenfalls installiert haben, genügt der Name). Die erwähnten Angaben können es den Hinterbliebenen tatsächlich erleichtern, die Beerdigung zu planen und sich über die letzten Wünsche des Gestorbenen bewusst zu werden. Etwas befremdlich wirkt hingegen die Option, einen letzten Facebook-Post anzugeben.

Im Punkt „Organisation“ geht es um Dokumente, die bei der Regelung des Nachlasses helfen. Das Hinterlegen von Testament, Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht ist jedoch nicht vorgesehen. Stattdessen können die Nutzer Angaben zum Aufbewahrungsort dieser wichtigen Unterlagen machen.

Das App-Menü. Foto: Screenshot
  • Das App-Menü. Foto: Screenshot

Wenn alle Eintragungen vorgenommen worden sind, muss man sich schließlich drei Personen überlegen, denen man sehr vertraut („Ihr“). Eine davon wird zum Vertreter ernannt, zwei zu Zeugen. Im Todesfall meldet der Vertreter den Tod in der App. Die Zeugen werden daraufhin per (E-Mail-) Nachricht informiert und können die Todesmeldung bestätigen oder dementieren. Erst wenn auch die Zeugen den Tod bestätigt haben, erhält der Vertreter Zugriff auf die Informationen, die in der App hinterlegt sind und kann auch die letzten Nachrichten des Verstorbenenen abschicken.

Ein großer Pluspunkt der App sind die umfangreichen Informationen, die zur Vorsorge und Vorbereitung auf den Todesfall gegeben werden. Zu fast jedem Unterpunkt gibt es zusätzliche Angaben und unter dem Menüpunkt „Themen“ kann man sich zur Forschung rund um Leben und Sterben informieren. So gibt es zum Beispiel einen Überblick über den Glauben und die Einstellung zum Tod in den verschiedenen Religionen.

Generell sollte man sich vor der Nutzung der App jedoch die Frage stellen, welche Angaben man dort eintragen will. Denn auch wenn keine Dokumente hochgeladen werden, gibt man doch viele sensible Daten preis. Um sich selbst das Thema Sterben wieder bewusst und den Hinterbliebenen wichtige Informationen schnell zugänglich zu machen, ist „Life Companion“ jedoch ein gutes Mittel.




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