weather-image
Ein Glossar digitaler Begriffe ... und wie man Falschmeldungen erkennt

Fake News, Big Data, Bots

Berlin. Bots, Big Data und Fake News: Im Zusammenhang mit dem Ausgang der US-Wahl und der anstehenden Bundestagswahl tauchen immer wieder Begriffe aus der digitalen Welt auf. Für viele sind sie mit einem Fragezeichen versehen. Was sind Fake News und woran erkenne ich sie? Eine Übersicht:

veröffentlicht am 31.01.2017 um 09:50 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 12:26 Uhr

Falschmeldungen zu erkennen ist gar nicht so einfach – aber es gibt ein paar hilfreiche Tipps. Foto: pixabay (cc)
Tomas Krause

Autor

Tomas Krause Onlineredakteur zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Der Begriff Bots stammt vom Wort robot (Roboter) und steht für Programme, die die Nutzung in den sozialen Medien automatisieren. Manche davon können auch nützlich sein: „So gibt es Bots, die auf Twitter automatisch posten, wenn irgendwo eine Erdbebenwarnung vorliegt“, erklärt Simon Hegelich, Professor für Political Data Science an der TU München.

Gefährlich wird es, wenn Bots als Meinungs- oder Propaganda-Werkzeug zum Einsatz kommen. Social Bots gaukeln vor, echte User zu sein. Sie erstellen Beiträge auf Twitter oder Facebook und können auch auf Beiträge antworten oder diese teilen. Dadurch werden Meinungsbilder vervielfacht und Trends verzerrt. Im Verhältnis zu Aufwand und Kosten sind Social Bots als Propaganda-Maschinen sehr effektiv. Eine ferngesteuerte 10 000 Bot starke Twitter-Armee kostet Hegelich zufolge rund 500 Dollar.

Fake News werden oft als Falschmeldung übersetzt, sind aber in der Regel mehr als das. Sie sind wissentlich gefälschte oder erfundene Nachrichten, mit denen die Öffentlichkeit für politische oder kommerzielle Zwecke manipuliert werden soll.

Um Kunden – oder auch den Wähler – effektiver zu erreichen, sind persönliche Daten besonders wertvoll. Der Begriff Big Data steht für die Auswertung großer Mengen an Daten. Dazu können auch die digitalen Spuren gehören, die Menschen zuhauf hinterlassen, ob Google-Suchbegriffe, Facebook-Likes, eventuell auch Informationen aus Beiträgen in Online-Netzwerken oder Ortsangaben. Anhand dieser Informationen können Experten User analysieren. Für Aufsehen sorgte mit ihren psychologischen Modellen die Firma Cambridge Analytica, die sowohl bei der Brexit-Kampagne als auch bei Donald Trumps Online-Wahlkampf mitmischte.

Das Sammeln, Auswerten und Kombinieren dieser Daten ermöglicht, dass Nutzer durch das Targeting passgenau mit Werbung oder News bespielt werden. Eine Partei würde etwa eine alleinerziehende junge Frau mit anderen Botschaften versorgen, als den konservativen Rentner. Als Dark Posts werden dabei Online-Anzeigen etwa auf Facebook bezeichnet, die nur einzelnen Usern angezeigt werden.

Woran erkennt man Fake News ?

Viele Klicks, viel Aufmerksamkeit: Nach diesem Motto verbreiten sich Fake News rasant im Netz. Kritiker werfen den Internetriesen vor, dass sie Fake News nur halbherzig unterbinden, obwohl sie selbst den US-Wahlkampf beeinflusst haben könnten. Das sei eine verrückte Annahme, sagte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg nach dem Ausgang der US-Wahl. Dennoch will Facebook künftig die Dienste unabhängiger Faktenprüfer in Anspruch nehmen und vor dubiosen Nachrichten deutlich erkennbar warnen. Und daran tun die Konzerne gut, denn Falschmeldungen beeinflussen die Nutzer von Nachrichten täglich – weil sie in das entsprechende Weltbild passen oder den Nutzer emotionalisieren wollen. Aber wie erkennt man Fake News?

Grundsätzlich sei es ratsam, seine Grundeinstellung zu Onlinemedien zu überprüfen. Sei misstrauisch: Das ist die wichtigste Grundregel für alle, die nicht auf gefälschte Nachrichten hereinfallen wollen. Denn vieles im Netz sei für den Privatmann nicht überprüfbar, sagt der Münsteraner Wirschaftsinformatiker Dr. Martin Grimme in einem Interview mit WDR 5.

Auch wichtig: Aufs Gefühl hören und gleichzeitig den Verstand einschalten. Macht diese Nachricht Sinn, klingt das seriös, wäre das nicht zu schön, um wahr zu sein? Jeder Mensch hat bei Nachrichten so ein „Gefühl“ – überprüfen lässt sich das einfach mit einer Suchmaschine. Wenn zum Beispiel ein Politiker zitiert wird, dessen Name unbekannt ist, dann lohnt es sich, diesen Namen oder ein anderes Stichwort aus der Nachricht in der Suchmaschine einzugeben, mit dem Zusatz „Fake“. Im Falle einer Falschmeldung werden dann häufig schon entsprechende Hinweisseiten angezeigt. Es gibt auch Internetseiten, auf denen Falschmeldungen gesammelt werden: uebermedien.de, bildblog.de, Hoaxmap.org oder mimikama.at.

Oberstes Gebot: Mehrere Quellen nutzen. Wer sich nur auf seinen Newsstream verlässt, läuft zu schnell Gefahr, in der Filterblase festzustecken – und damit sehr einseitig mit Meinungen und Meldungen versorgt zu werden. Experten raten stets, unterschiedliche Webseiten zu besuchen und den nachrichtlichen Inhalt zu vergleichen. Und es gibt noch ein anderes Indizien für Fake News: Wenn Nachrichten aus einer unbekannten Quelle stammen, zum Beispiel von einer Homepage, von der man noch nie etwas gehört hat, ist besondere Vorsicht geboten. Hier empfiehlt es sich, die Seite kritisch anzuschauen und das Impressum zu prüfen – wer steckt dahinter, was ist die Absicht, welche Art Nachrichten werden hier gezeigt?

Immer wieder werden auf Facebook echte Artikel mit gefälschten Überschriften geteilt. Um diese zu entlarven, empfiehlt es sich, sich nicht nur die Facebook-Vorschau zu verlassen, sondern auch die Originalquelle anzuschauen und erst wenn man den Inhalt geprüft hat, ihn mit den Freunden zu teilen.

Auch Fotos werden im Netz oft und gerne in falsche Zusammenhänge gebracht. Das lässt sich recht einfach überprüfen. In der Google Bildersuche lassen sich Fotos hochladen oder die URL von Bildern eingeben. Anschließend durchsucht Google das Netz und schlägt ähnliche oder dasselbe Bild vor. So lässt sich schnell erkennen, ob das Bild, das dem Nutzer als aktuell vorgehalten wird, bereits mehrere Jahre alt ist oder aus einem ganz anderen Zusammenhang kommt. Entsprechend lassen sich auch Videos überprüfen – mit dem YouTube Data Viewer von Amnesty International. Von Jenny Tobien und Tomas krause




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare