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App soll in Notfällen helfen / Pilotprojekt in Mecklenburg-Vorpommern

Leben retten per Smartphone

Mit einer Lebensretter-App soll Menschen mit Herzinfarkt in einem Pilotprojekt in Mecklenburg-Vorpommern rasch geholfen werden. Die Smartphone-App „Landretter“ wurde am letzten Dienstag für den dünn besiedelten Landkreis Vorpommern-Greifswald freigeschaltet. Die App soll kein Ersatz, sondern eine Ergänzung der bestehenden Rettungskette sein.

veröffentlicht am 18.09.2017 um 19:12 Uhr

Die Ersthelfer kriegen genaue Anweisungen, wo sich der Patient befindet und können melden, wenn sie den Einsatzort erreicht haben. Foto: Stefan Sauer/dpa
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So funktioniert’s: Die App meldet der Leitstelle, welcher registrierte Ersthelfer mit seinem Handy in der Funkzelle eingeloggt ist, aus der auch der Notruf abgesetzt wurde. Sind Helfer in der Nähe, erhalten sie eine Nachricht, bekommen auf eine Bestätigung hin den genauen Standort des Erkrankten und können rasch mit der Reanimation beginnen.

Rund 100 Menschen haben sich in Mecklenburg-Vorpommern bereits als qualifizierte Helfer registrieren lassen. Um Landretter zu werden, muss man in einem medizinischen Beruf ausgebildet sein – auch Medizinstudierende im klinischen Abschnitt, Krankenpflegepersonal oder Betriebssanitäter können sich anmelden. Als weitere Voraussetzung muss man noch nachweisen, dass man nach bestimmten Leitlinien in Erster Hilfe geschult ist (nötig sind Kenntnisse in „Basic Life Support nach aktuellen ERC-Leitlinien“ heißt es auf der Internetseite www.land-rettung.de). Zudem müssen Retter zum Zeitpunkt der Anmeldung mindestens 18 Jahre alt sein.

In Mecklenburg-Vorpommern gelten von Alarmierung bis zum Eintreffen des Rettungswagens Hilfsfristen von zehn Minuten. „Diese Vorgaben sind sportlich“, sagt der Dezernent für Soziales, Dirk Scheer. Es gebe Regionen im Kreis, in denen es schwierig werde, sie einzuhalten. Studien belegten aber, dass sich die Überlebenschance nach einem Herzinfarkt bei einer schnellen Laienreanimation verdopple und mit einer Reanimation durch professionelle Ersthelfer sogar vervierfache, sagt der Notfallmediziner Klaus Hahnenkamp von der Universitätsmedizin Greifswald, der Inititator des Projekts.

Bei einem Notfall in der Nähe schlägt die App Alarm. Foto: Stefan Sauer/dpa
  • Bei einem Notfall in der Nähe schlägt die App Alarm. Foto: Stefan Sauer/dpa

Die App ist die zweite Säule der insgesamt vier Säulen des Projekts „Landrettung“. Ein wichtiger Bestandteil ist zunächst die Mobilisierung der Bevölkerung. Ziel ist es, die Menschen wieder mehr mit den Wiederbelebungsmaßnahmen vertraut zu machen. Dafür hat es bereits bei mehreren Veranstaltungen im Landkreis Vorpommern-Greifswald Schulungen in Reanimation gegeben. Als dritte Säule nach der App soll noch im September ein „Telenotarzt-System“ eingeführt werden. Notärzte der Universitätsmedizin Greifswald sollen dann von einem festen Arbeitsplatz aus telefonisch Einsätze begleiten, solange noch kein Notarzt vor Ort ist. Auch die Verlegung eines Patienten von einem Krankenhaus in ein anderes könnte telefonisch begleitet werden, heißt es. In einem vierten Maßnahmenpaket sollen schließlich die notärztliche Versorgung und der kassenärztliche Bereitschaftsdienst besser verzahnt werden. Schlagworte sind hier die Schaffung eines gemeinsamen Alarmierungs- und Dispositionssystems, die Einbeziehung von Notärzten und Rettungswachen in den ärztlichen Bereitschaftsdienst sowie die Einrichtung von Bereitschaftsdienstpraxen. Alle vier Säulen – Laienreanimation, Mobile Ersthelfer (App), Telenotarzt und Verzahnung Akutmedizin – sollen dafür sorgen, dass die medizinische Erstversorgung auch auf dem Land weiterhin gewährleistet werden kann.

Das Landretter-Projekt wird während einer Laufzeit von drei Jahren mit insgesamt 5,4 Millionen Euro durch den Innovationsfonds der Krankenkassen gefördert. Sollte es sich bewähren, könnte es auf den gesamten Rettungsdienst im Landkreis und auch in ähnlich dünn besiedelte Regionen anderer Bundesländer übertragen werden.

nt/dpa




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