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Video-Aktion „Every second counts“

Satiriker aller Länder vereint gegen Trump

Der neue US-Präsident Donald Trump schafft es zwar nicht, die US-Bevölkerung zu vereinen, die Satiriker in Europa und darüber hinaus zeigen sich derweil jedoch geschlossen – allerdings gegen ihn. Von jetzt an heiße es immer Amerika zuerst, hatte Trump in seiner Antrittsrede am 20. Januar betont. Diese neue Devise der US-Politik nehmen zahlreiche Satire-Redaktionen nun zum Anlass, sich um den zweiten Platz zu bewerben.

veröffentlicht am 06.02.2017 um 15:11 Uhr
aktualisiert am 06.02.2017 um 16:41 Uhr

Da ist noch Platz am Tisch: Acht europäische Staaten haben bereits Filme produziert, viele weitere sollen folgen. Foto: Screenshot der Internetseite
Nicole Trodler

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Nicole Trodler Onlineredakteurin zur Autorenseite

Den Anfang machten die Niederlande: Zwei Tage nach der Amtseinführung in den USA präsentierte der Satiriker Arjen Lubach in seiner Sendung „Zondag met Lubach“ einen „Einführungsfilm“ über sein Land, der sich in den darauffolgenden Tagen zu einem viralen Hit entwickelte und mittlerweile auf YouTube fast zehn Millionen Mal angesehen wurde. „It‘s gonna be a great video. It‘s gonna be absolutely fantastic!“ (Es wird ein großartiges Video sein. Es wird absolut fantastisch sein.), verspricht der Sprecher gleich zu Beginn im typischen Trump-Sprachstil. Dieser Stil zieht sich dann auch durch den Rest des dreiminütigen Films voller Behauptungen, Übertreibungen, Schmeicheleien und zudem mit allerlei alternativen Fakten.

So heißt es beispielsweise, Niederländisch sei die beste Sprache der Welt, während Dänisch ein „totales Desaster“ sei und es die deutsche Sprache gar nicht wirklich gebe. Der Abschlussdeich (niederländisch: Afsluitdijk) sei eine große Mauer, die gebaut worden sei, um sich gegen das Wasser aus Mexiko zu schützen. Nicht nur das: Das Land habe einen kompletten Ozean errichtet, um die Mexikaner fernzuhalten, und natürlich: Die Mexikaner haben selbst dafür bezahlt. Das Video endet schließlich mit den Worten: „We totally understand, it‘s going to be America First. But can we just say, the Netherlands second?“ (Wir verstehen vollkommen, es heißt Amerika zuerst. Aber können wir nicht sagen, die Niederlande an zweiter Stelle?)

Dieser niederländische „Imagefilm“ wäre möglicherweise ein Einzelfall geblieben, hätte nicht der deutsche Satiriker Jan Böhmermann die Idee aufgegriffen und auch viele seiner Kollegen mit ins Boot geholt. Den Start der europaweiten Satirevideo-Aktion verkündete Böhmermann am letzten Donnerstag, als er sich mit seinem „Neo Magazin Royale“ aus der Winterpause zurückmeldete.

„Wir sind stark, wir sind groß und wer, wenn nicht wir, hätte eine dritte Chance verdient?“, wirbt der 35-Jährige in gewohnt bissiger Manier um Unterstützung für einen zweiten Platz Deutschlands. Dabei bringt er genauso wie die Niederländer – denen er ihren Vorstoß gespielt böse nimmt – ebenfalls das Mauer-Argument. Immerhin hätten die Deutschen bereits eine Mauer gebaut – und die Russen dafür bezahlen lassen.

So wie die Niederländer und die Deutschen spielen auch die Beiträge der anderen Satire-Redaktionen mit den Forderungen und Ankündigungen Trumps. Außerdem klingen in den Videos zahlreiche Anspielungen aus der medialen Berichterstattung über den neuen US-Präsidenten an. Die Berichte über angebliche „Golden Showers“ und Trumps Verärgerung über seine angeblichen „tiny hands“ sind da nur zwei Beispiele.

There is a good chance that Bannon already updated the no-fly-list with all the shows‘ writers. So sad! #everysecondcounts

@itsgreateu-Tweet vom 2. Februar

Das Bewerberfeld wächst nun von Tag zu Tag, mittlerweile haben acht Länder einen Beitrag eingereicht – neben den Niederlanden und Deutschland auch Belgien, die Schweiz, Litauen, Dänemark, Portugal und Luxemburg. Angekündigt sind bereits Videos aus Spanien und – ganz im Geiste des Eurovision Song Contest – aus Australien. Alle Beiträge werden auf der Internetseite http://www.everysecondcounts.eu/ gesammelt. Informationen über noch folgende Filme und allerlei Spielereien aus den Satire-Redaktionen gibt es auch auf der gemeinsamen Facebook-Seite „It‘s great“ und auf dem Twitter-Kanal „@itsgreateu“.

Abschließend bleibt nur der Aufruf: Möge die beste Nation den zweiten Platz erringen! Außen vor bleibt dabei Litauen. Das Land gibt sich ganz bescheiden mit dem dritten Platz zufrieden.




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