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Über Vor- und Nachteile des Veröffentlichens von Zeitungsartikeln bei Facebook

Schnell, kostenlos, aber beliebig

Facebook ist schon seit einiger Zeit auf dem Weg zu einer der wichtigsten Informationsquellen zu werden. Vor allem junge Mediennutzer informieren sich schon jetzt vorrangig über das Soziale Netzwerk. Eine Möglichkeit für Verlage und Medienhäuser ist es, die eigenen Inhalte direkt dort einzustellen, sodass die Nutzer gar nicht mehr die Internetseite wechseln müssen. Dieses Angebot namens Facebook Instant Articles hat jedoch für die Nachrichtenproduzenten nicht nur gute Seiten. Ein Überblick über Vor- und Nachteile.

veröffentlicht am 29.05.2017 um 18:45 Uhr

Die sogenannten Instant Articles gibt es seit zwei Jahren. Zu erkennen sind sie an dem blitzförmigen Symbol (links oben). Foto: dpa/Montage

Autor:

Andreas Heimann
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Skepsis gab es gegenüber Facebooks Instant Articles von Anfang an. Inzwischen sind die ersten Medien schon wieder ausgestiegen, darunter der „Guardian“ und die „New York Times“. Auch in Deutschland stellten sich viele Häuser die Frage, wie viel es bringe, auf Facebook dabei zu sein.

„Die Erkennbarkeit der Marke geht auf Facebook ein Stück weit verloren“, sagt die Kommunikationswissenschaftlerin Wiebke Loosen vom Hans-Bredow-Institut in Hamburg. Schon jetzt sei es so, dass viele Nutzer auf die Frage, woher sie ihre Nachrichten bekommen, schlicht „Facebook“ antworteten – unabhängig von wem sie recherchiert und veröffentlicht werden. „Und das ist nicht im Interesse der Medien“, sagt Loosen.

Hinzu komme, dass es bei vielen Verlagen ein Umdenken gebe: weg vom Versuch, alles zu tun, um die Reichweite zu maximieren, hin zu möglichst starker Leserbindung. Auch in Hinblick auf Bezahlinhalte sieht Loosen Probleme. Denn wenn ein Verlag für seine digitalen Inhalte Geld verlangen will, kann er sie kaum gleichzeitig kostenfrei bei Facebook verbreiten. „Die Verlage von ,Guardian‘ und ,New York Times‘ haben das als Experiment betrachtet“, erklärt Loosen. „Und offensichtlich sind ihre Erwartungen nicht erfüllt worden.“

Für Instant Articles gibt es aus Sicht der Expertin allerdings zwei schlagende Argumente: Wer seine Texte in dem sozialen Netzwerk veröffentlicht, kann damit seinen Leserkreis erheblich ausbauen und im Idealfall neue Zielgruppen erreichen. Und die Ladezeiten sind bei Instant Articles viel kürzer als auf Websites, weil sie direkt bei Facebook gespeichert werden – das macht es für ungeduldige Nutzer attraktiv.

Hinzu kommt, dass sich mit Instant Articles über Werbung Geld verdienen lässt: Nehmen Medien das selbst in die Hand, können sie die Einnahmen zu 100 Prozent behalten. Lassen sie sich von Facebook bei der Vermarktung helfen, sind es immerhin noch 70 Prozent. Ob sich die genannten Vorteile bezahlt machen, hänge aber sehr stark vom einzelnen Medium ab, betont Loosen.

„Spiegel Online“ gehörte zu den ersten Medien in Deutschland, die es mit Instant Articles probiert haben. Torsten Beeck, dort Social-Media-Experte, findet das nach wie vor gut: „Wir sehen mehr Vorteile als Nachteile.“ Das Portal profitiere von zusätzlicher Reichweite, Instant Articles seien userfreundlich und unterm Strich ein gutes Produkt, sagt er. Man müsse zugegebenermaßen abwägen, was sich mehr lohne, zum Beispiel ob man durch den Verzicht auf Instant Articles mehr Leser auf die eigene Plattform bekomme und das den Nachteil der höheren Ladezeiten ausgleiche.

Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer beim Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), kritisiert, von den Inhalten, die die Verlage als Instant Article veröffentlichten, profitiere Facebook mehr als diejeinigen, von denen sie stammten. Deshalb müsse das Netzwerk nachlegen: „Was zu lange gedauert hat, sind Registrierungsmöglichkeiten für Verlagsangebote wie Newsletter, Abos und Events“, sagt Scherzer. „Und grundsätzlich fehlt, dass es keine ernsthaften Paid-Content-Optionen gibt.“

Facebook räumt ein, Bezahlmodelle bisher wenig unterstützt zu haben. Das Thema werde aber zunehmend wichtiger. Außerdem wurde gerade angekündigt, es Medienhäusern künftig zu ermöglichen, ihre als Instant Articles erstellten Beiträge auch in die Konkurrenzformate von Google und Apple umzuwandeln. Möglich ist das nun für Googles Accelerated Mobile Pages (AMP), die sich mobil ebenfalls schnell abrufen lassen. Die entsprechende Lösung für Apple News soll noch folgen.

Aus Sicht von Wiebke Loosen bedeutet der Ausstieg von Medien wie „Guardian“ und „New York Times“ jedenfalls nicht, dass Instant Articles gescheitert seien. Dass Verlagshäuser komplett auf die Zusammenarbeit mit Facebook verzichten könnten, sei nicht absehbar.

Facebook sieht in den Instant Articles ein erfolgreiches Produkt. Inzwischen beteiligten sich weltweit rund 9000 Publisher daran.




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