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PR-Aktionen, virale Hits und eine große Aufräumaktion

So bewegt der G20-Gipfel das Internet

Der G20-Gipfel ist vorbei und Hamburg atmet auf. Im Gedächtnis werden wohl vor allem die Bilder der Krawalle bleiben. Und auch in den sozialen Netzwerken haben das Treffen und die Ereignisse rundherum einen Eindruck hinterlassen. Ein etwas anderer Rückblick auf drei Tage Ausnahmezustand – in Hamburg und im Internet.

veröffentlicht am 10.07.2017 um 18:10 Uhr

„Ich bin so wütend, ich habe zum einkaufen gehen ein Schild gemacht“, schreibt der Comedian Andre Kramer zu dem Foto, das er auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat. Foto: Andre Kramer/Facebook
Nicole Trodler

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Nicole Trodler Onlineredakteurin zur Autorenseite

Demonstration mal anders: Comedian Andre Kramer hielt in der Demonstration ein Schild in die Höhe mit der Aufschrift „Ich bin Anwohner und gehe nur kurz zu Edeka. Danke.“. Dieses Foto wurde tausendfach geteilt und rief auch den Einzelhandelskonzern auf den Plan. Dieser postete auf seiner Facebook-Seite eine Fotomontage mit einem zweiten Schild: „Bleib zu Hause. Wir bringen Dir was. Bitte.“ Kramer Möglicherweise handelt es sich bei der Sache um eine besonders ausgefeilte Marketing-Aktion. Mit Sicherheit hat der Comedian nun einen größeren Bekanntheitsgrad als vorher und auch der Supermarkt konnte sich durch die schlagfertige Reaktion seines Social Media-Teams profilieren.


Mission: Pizza ausliefern: Ein Video von einem Hamburger Pizzaboten, der mit seinem Liefermoped unerschrocken durch die gewalttätigen G20-Proteste kurvt, ist in den sozialen Netzwerken ebenfalls zum Renner geworden. Das Bild des 27-jährigen Benjamin tauchte in US-Medien ebenso auf wie in zahlreichen Twitter- und Facebook-Accounts und wurde tausendfach geteilt und geliked. Einer der ersten Tweets richtete sich gegen CDU-Generalsekretär Peter Tauber: „Wenn in Hamburg die Hölle los ist, du aber einen deiner drei Minijobs als Pizzabote machen musst…“, twitterte Koney123.

Peter Tauber war kurz vor dem Gipfel wegen eines Tweets ins Kreuzfeuer geraten. Darin hatte er via Twitter behauptet, niemand der etwas Ordentliches gelernt habe, müsse drei Minijobs haben. Möglicherweise wurde der virale Erfolg des Pizzaboten auch durch diesen Rückgriff auf einen weiteren bekannten Internet-Hit verstärkt. Das Online-Magazin „Fink.Hamburg“ machte den Pizzaboten übrigens ausfindig. Dieser sagte dem Magazin, er sei auf dem Rückweg von einer Lieferung gewesen. „Der Polizist meinte, ich würde mit meinem Roller schon durchkommen“, schilderte er. „Es war richtig gefährlich. Dort flogen auch Steine.“ Am Ende schaffte er es unversehrt in seine Filiale.


Selfie vor Chaos-Kulisse: Warum nicht einfach mal ein Selfie machen, während in Hamburg Autos und Mülltonnen brennen und Vermummte plündernd durch die Stadt ziehen? Diese Idee eines jungen Mannes sorgt im Internet für reichlich Kritik und Hohn. „Gegen #Globalisierung protestieren, Second-Hand-Babyläden abfackeln & dann mit dem #Apple (!)-Handy #Selfies schießen!“, regt sich beispielsweise Twitter-Nutzer Heiko Schomberg auf. Die Netzgemeinde nennt den Selfie-Fan mittlerweile „Riot Hipster“ und hat ihn bereits in diverse andere Szenarien hinein montiert. Beispielsweise ist er vor der brennenden Hindenburg zu sehen oder im Hintergrund setzt gerade der „Weiße Hai“ zum Angriff an. Zweifel an der Echtheit der Selfie-Aufnahme vor brennenden Barrikaden widerlegt das Online-Magazin „Fink.Hamburg“. Das Bild sei mit großer Wahrscheinlichkeit echt, denn der Mann sei auch im Livestream der Nachrichtenagentur Reuters zu sehen. Zudem hätten Augenzeugen bestätigt, dass mehrere Menschen Selfies gemacht haben.


Großreinemachen auf der Schanze: Ein Beweis, dass das Netz nicht nur für Humor und Häme gut ist, sondern auch hilfsbereit sein kann: Die große Aufräumaktion im Schanzenviertel wurde mit Hilfe des sozialen Netzwerks Facebook organisiert. Eine Gruppe zur Veranstaltung verzeichnete rund 8000 Teilnehmer, die Polizei sprach von 10 000 Bürgern. Mit Putzeimern und Besen wurde das von den Ausschreitungen besonders betroffene Viertel gereinigt. Während des Gipfeltreffens war es dort insbesondere auf der Straße Schulterblatt vor dem linksautonomen Kulturzentrum „Rote Flora“ zu Krawallen, Sachbeschädigungen und Plünderungen gekommen.


Foto: Christophe Gateau/dpa

„Wir zeigen Solidarität mit unseren Nachbarn“, sagte Thorben Harms aus dem Stadtteil Barmbek. Mohamed und Walaa, Flüchtlinge aus Syrien, sagten: „Wir wollen etwas für Hamburg tun“ - aus Dankbarkeit für die Aufnahme in der Stadt. „Das schuldet man den anderen, die das alles hier ausgebadet haben“, sagte Björn Düßler aus dem angrenzenden Stadtteil Eimsbüttel, der zusammen mit seiner Frau und Kind an der Putzaktion teilnahm.


Friedlicher Protest und die Polizei als Spielpartner: Dass Proteste auch ohne Krawalle möglich sind, bewiesen am Wochenende zehntausende friedliche Demonstranten. In Erinnerung bleiben Aufnahmen von Polizisten in Kampfuniform, die mit Protestierenden das Strategiespiel Tic-Tac-Toe spielten. Immer im Wechsel setzten die Beamten ihr Kreuz, während ein Demonstrant Kreise mit dem Peace-Symbol in das Spielfeld eintrug.

mit dpa




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