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Horst-Richard Schlösser bewegt sich mit „Road-Movie“ zwischen Fantastik und Realität

Auf der Suche nach der Freiheit

HAMELN. „Road-Movie“ als Titel – und einer davon: „Gesellschaft“ und ein Text von Knigge eingemalt: „Man soll nie vergessen, dass die Gesellschaft lieber unterhalten als unterrichtet sein will“. Horst- Richard Schlösser hält sich daran. So sehr die so unterschiedlich vielfältigen Arbeiten im zentralen Ausstellungsraum in der arche-Galerie auch dominieren: Die kleinformatigen Serien im Turmzimmer und der Galerie der Galerie, sind die eigentlichen Schlösser.

veröffentlicht am 21.10.2018 um 21:07 Uhr
aktualisiert am 21.10.2018 um 22:20 Uhr

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Autor

Richard Peter Reporter
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Es geht primär um Farben in unendlich variierten Nuancen, mal knallig, dann pastos, aber immer in sich stimmig – vor allem aber: um Paare. Fast schon obsessiv. Dabei nicht aufdringlich, einfach da, ganz selbstverständlich und für Schlösser, der mit Road Movies 40 Jahre „arche“-Heimat feiert, fast schon ein Markenzeichen. Wie auch seine „versponnenen Netzwerke“ – ein Grafik-Maler, der bei aller Fantastik immer auch ganz real bleibt.

Prof. Klaus Dierßen als Laudator – selbst arche-Urgestein wie Schlösser, gleichaltrig zudem und beide 1949 geboren – „so alt wie die junge Bundesrepublik“, wie Dierßen es formulierte. Und den Kollegen als bewundernswerten „Kunstberserker“ bezeichnet, einen „wie im Rausch kämpfenden Menschen“. Und über Horst, den im Ruhrgebiet geborenen, die Brücke zu Schimanski geschlagen, wie der in seinem letzten „Schimmi“ den Abflug macht, über den Ruhrpott gleitet und „Scheiße“ brüllt, während Bonnie Tyler „Against the wind“ röhrt. Und Dierßen, der als Thanner den ruhigen Part als Gegensatz übernimmt.

Schlösser, so sehr sich sein Werk als „Literarisches Papier“ charakterisieren lässt, dennoch kein „Storyteller“ – eher, so Dierßen, einer, der schlaglichtartig Impulse liefert. Sein Gesamtwerk: „Ein Roadmovie“. Eine Reise als Metapher für die Suche nach Freiheit und Identität. Außerdem an Zeiten erinnert, als die „arche“ noch Kataloge zu den Ausstellungen finanzieren konnte, wie 1983 zum 31. der arche, in dem Schlösser mit einer Feder- und Bleistiftzeichnung mit dem Titel „Aber das Leben blüht“ vertreten ist, mit „typisch verdichteten Strichlagen“, so Dierßen, der für seinen Kollegen den Begriff „Zeichnungsmalerei“ erfindet.

Fast immer: Reisende unterwegs – alles in Bewegung. Und „das Paar in Gesellschaft der Gesellschaft“, wie Dierßen es nennt. Und bewusst „innere Bilder der Außenwelt wiewohl äußere Bilder des Inneren“.

Faszinierend allemal: seine ebenfalls charakteristischen grafischen Lineaturen, die so viele seiner Arbeiten mal horizontal dann vertikal überziehen, dynamische Vergitterungen. Aber vielleicht, so der „Thanner“ über „dem Horst seine Bilder“, ist ja doch alles ganz anders. Und ganz bewusst setzt Schlösser auf die Fantasie der Besucher, die selbst auf Entdeckungsreise gehen sollen.

Und noch eine Entdeckung: Johannes Eidt, auch er mit der arche gealtert, diesmal als Sänger mit Gitarre und einer rauen, vom kratzigen Bariton immer wieder ins Falsett kippenden Seebären-Stimme – so ganz das Gegenteil seiner so zarten Bilderwelt – mit „Freu dich über die, die da sind“ und dann noch „Vernissage“ und „Ich habe den Hammer kaputt geschlagen“. Songs, wie geschaffen für eine Ausstellung.




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