weather-image
„Babylon Berlin“ und die Folgen

Bryan Ferry im Jazz-Ambiente

BERLIN. Schön, mal wieder von ihm zu hören: Der Brite Bryan Ferry (73) legt ein Album vor, auf dem er nach längerer Pause mit seiner Gentleman-Stimme verführt. Inspiriert zu Neuinterpretationen eigener Songs im Jazz-Ambiente hat ihn ein deutsches TV-Großereignis.

veröffentlicht am 01.12.2018 um 13:11 Uhr

Das neue Album „Bitter-Sweet“ von Bryan Ferry ist am 30. November erschienen. Foto: Paul Bergen/ANP/dpa

Autor:

Werner Herpell

Es war eine dicke Überraschung, als in Folge 10 der Fernsehserie „Babylon Berlin“ plötzlich Bryan Ferry vor einem großem Orchester auf der Bühne des 20er-Jahre-Vergnügungstempels „Moka Efti“ stand. Aber es passte ja auch zu gut – gilt der Brite doch schon seit seiner legendären Zeit mit Roxy Music in den 70ern als Inbegriff einer elegant-verführerischen Pop-Dekadenz.

Da sang der inzwischen 73-jährige Ferry also mit bebender Stimme zu Bigband-Jazz im Stil von Kurt Weill einen seiner alten Songs („Bitter-Sweet“ von 1974) – teils auf Deutsch: „Nein, das ist nicht/das Ende der Welt/gestrandet an Leben und Kunst/und das Spiel geht weiter/wie man weiß …“. Wunderbar schwülstig.

„Bitter-Sweet“ (BMG) heißt nun auch das neue Album von Bryan Ferry, und er nennt es selbst deutlich inspiriert von „Babylon Berlin“. Es gibt hier keine ganz neuen Lieder zu hören, sondern schöne Dixieland- und Ragtime-Interpretationen von Songs, die er einst mit Roxy Music und später solo aufgenommen hatte.

Auf acht Stücken ist Ferrys etwas dünner gewordene, aber noch immer charismatische Stimme zu hören – sein erstes Album mit großem Orchester „The Jazz Age“ war noch rein instrumental. Eigentlich jedes dieser 13 Lieder, vom Opener „Alphaville“ bis zum abschließenden „Boys And Girls“, hätte im verruchten „Moka Efti“ der TV-Serie aufgeführt werden können – als Soundtrack für den hedonistischen Tanz auf dem Vulkan in der Weimarer Republik.

So vermittelt das Album „Bitter-Sweet“ von Bryan Ferry And His Orchestra nicht nur ein Wiederhören mit einem großartigen Popsänger, sondern auch angenehme Erinnerungen an herausragende Fernsehmomente dieses Jahres. Ob Ferry aber aus der bequemen Retro-Schleife noch einmal herausfindet, muss sich noch zeigen.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare