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Irischer Theaterabend mit McPhersons „Der gute Dieb“ im TAB

Das Leben ist nicht fair

HAMELN. Theater auf der Bühne – schwarzes Kabinett, aber das Gerippe der Züge an der Seite sichtbar, eine nackte Wand gegenüber, Tische mit Stühlen. Es darf getrunken werden. Gitarrenklänge. Kneipenatmosphäre ohne Rauchschwaden. Ein trauriges Lied, „Fairy Tail“, wie es von Sebastian Kemper einmal heißt – und ein zweites, „I remember the night“.

veröffentlicht am 27.02.2019 um 16:42 Uhr

Christoph Jacobi gefiehl als namenloser Loser mit Herz. Foto: © Claudia Hoppens
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Autor

Richard Peter Reporter

Dann Christoph Jacobi, der eine Geschichte beginnt – einen „kleinen Vorfall“. Einer, der schon mal auf Leute geschossen hat – nur als Warnung. Von seiner Freundin verlassen wurde, die jetzt mit seinem Cheff zusammen lebt. „Macht zieht Frauen an“, wie er sagt. Und noch so ein Satz: „Ich hasse Leute mit Fähigkeiten“. Und dann geht Greta – die Ex – an ihm vorbeit ohne ihn zu sehen. „Das Leben ist nicht fair“ merkt er sarkastisch an – und was seinen Chef betrifft: „Blöd wie Scheisse“. Dann lässt er sich volllaufen – wacht mit einem „furchtbaren Kater“ auf, macht sich mit heißem Whyskey mit Zitrone wieder fit, bevor er einen Auftrag seines Chefs erledigt. IRA-Strumpfmaske, ein Revolver im Gürtel und eine abgesägt Knarre unterm Sakko. Mit Patrone.

Der Auftrag läuft schief – ein kleiner Gelegenheits-Ganove gegen Profis – Schusswechsel. Drei Tote. Auch der Mann von Mrs. Mitchel. „Ich wollte da weg“, war sein einziger Gedanke – und er wollte die Witwe des Mannes, den er nur erschrecken wollte, samt Tochter mitnehmen. Ihr erklären: „Es war ein Unfall“. Und sie kommen mit. Eine irrwitzige Geschichte. Ein kleiner Ganove richtet ein Blutbad an – und hat jetzt Irlands Unterwelt auf den Fersen. Träume geraten zu Alpträumen. Ein namenloser Schläger, der im falschen Moment auf Profis stößt. Es geht um Schutzgeld – und allemal auch um Irland und irischen Whyskey und Jäger, die zu Gejagten werden. Und dazwischen immer wieder Musik – unaufdringlich, oft nur ein paar Töne. Musik, die sich nicht aufdrängt, dezent begleitet.

Christoph Jacobi als namenloser Loser mit Herz. Der mit Babys spielt, den Blick auf den Shannon genießt. „Der gute Dieb“ – kein besonders guter Titel für die Geschichte und den irischen Theaterabend am „Blauen Montag“ im TAB – und „blau“ durchaus doppeldeutig. Jacobi ist ein hinreißender Erzähler, der einen mitnimmt in eine Geschichte, wie sie vermutlich nur in Irland erfunden werden kann. Manchmal stolpert er in seine Texte und die kleinen Pausen, in denen er nur kurz den Atem anhält, die aber ihre eigenen Geschichten erzählen. Immer präsent – einer, der vom Leben gebeutelt, allemal in der Scheiße landet. Dabei eigentlich ein Guter, der nur keine Chance hat, es zu sein. Da fließt viel Blut – und rührend fast, wenn er immer wieder nur an Greta, seine Verflossene, denkt. Immer dann, wenn man das eigentlich nicht erwartet. Eine Whisky-vernebelte Geschichte voll Fantasie und tausend Anspielungen. Ein geniales Volk im Dauerkoma – vermutlich ist die Insel einfach zu schön, um sie nüchtern zu ertragen.




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