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Vargas Blues Band erhebt in der Sumpfblume Anspruch auf den Titel

Der König des Latin Blues

veröffentlicht am 18.03.2019 um 17:20 Uhr
aktualisiert am 19.03.2019 um 11:50 Uhr

Die Vargas Blues Band mit ihrem Namensgeber Javier Vargas (li.) und Bassist Luis Mayo (re.). Als Special Guest war John Byron Jagger (M.), Neffe von Rolling Stone Mick Jagger, dabei. Foto: jed
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Autor

Martin Jedicke Reporter
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HAMELN. In Madrid geboren, argentinische Eltern, in Südamerika aufgewachsen, später die Zelte in Los Angeles aufgeschlagen und einige Zeit mit Carlos Santana zusammengearbeitet – Javier Vargas muss der Latin Blues im Blut liegen. Nicht ganz unbescheiden heißt der einen Karriereüberblick bietende Tonträger zur Tour „King of the Latin Blues“. Und wenn man Santana den Kaisertitel verleiht, dann kommt das mit der Königswürde schon hin.

In der Sumpfblume erweist sich die Zahl der Untertanen aber als recht überschaubar. Drei Dutzend ziehen Livemusik dem Münster-Tatort vor und werden mit zwei Stunden Latin Rock, Blues und Rock ’n’ Roll belohnt. Vargas spielt eine E-Gitarre, die den Santana-Sound in eigenen Kompositionen wieder aufleben lässt. Dazu pulsieren afrikanische, mittelamerikanische und kubanische Rhythmen, klingen Rumba, Samba und Mambo durch. Befeuert durch Peter Kunst am Schlagzeug und Albero Cheuere an den Congas. „Nach all den Regentagen tragen wir die Sonne im Herzen – für euch“, ruft Vargas ohne Scheu vor Kitsch dem Publikum zu, schlägt die Faust an die Brust und Bassist Luis Mayo stimmt ein Lied namens „Luna“ an. In der zweiten Hälfte des Konzerts nehmen Blues und Rock ’n’ Roll immer mehr Platz ein. Jetzt gibt es mit dem „Black Cat Boogie“ Blues-Rock, der hier klingt wie ZZ Top auf Conga Speed. Mayo versucht sich mit ähnlichen Tanzeinlagen wie Gibbons und Hill, da fehlen nur noch die Fellgitarren. Und dann erweist sich der unscheinbar am Bühnenrand verharrende Egg-Shaker und Schellenkranz bewegende Mensch als der angekündigte „Special Guest“-Sänger John Byron Jagger, Neffe des Rolling Stone Mick Jagger. Lange habe er sich gescheut, im Musikbusiness mitzuspielen: „Bei dieser Familie!“ Aber schließlich habe die Leidenschaft für die Musik gesiegt. Wie befreit springt er munter auf der Bühne herum und präsentiert sich als überaus passabler Sänger. Statt Latin Rock gleich drei Songs von Chuck Berry, die vereinzelte Gäste zum Mittanzen motivieren, dazwischen „Come on in My Kitchen“ vom Delta-Blues-Genie Robert Johnson und Marley/Toshs „Get up, Stand up“. Ganz der Onkel, greift Jagger zu „On the Road Again“ zur Blues-Harp. Funktioniert. Cheuere, in der Latin-Abteilung stilprägend, trommelt nun nur noch begleitend. Vorsicht, Cover-Band-Alarm.

Durchweg lohnend aber ist Vargas‘ Gitarrenspiel: ob klagende Schwebetöne, brachiale Rock-Riffs oder Slide-Fahrten – ein Genuss. Vier Zugaben, auch wenn Vargas sich ein bisschen bitten lässt. Wie es einem König gebührt.




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