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Ida Sand verwandelt den Jazzclub in eine Soul-Küche

Der Voodoo wirkt

veröffentlicht am 01.02.2019 um 15:32 Uhr

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Martin Jedicke Reporter
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HANNOVER. Vor 24 Jahren bricht ein Teenager vor einem Stockholmer Jazzclub in Tränen aus, denn der Türsteher verweigert der Minderjährigen den Zutritt. Drinnen spielt ihr Idol Nils Landgren mit seiner „Funk Unit“. Die Tränen erweichen den Wächter und Ida Sand, das barmende Mädchen, sieht erstmals den Gitarristen Henrik Janson und den Bassisten Lars Danielsson, die nun im ausverkauften Lindener Jazzclub zu Sands Begleitband Stockholm Underground gehören.

Ergänzt durch Nicci Notini am Schlagzeug und den Organisten Jesper Nordenström, auch er ein ehemaliges Funk-Unit-Mitglied. Landgren produziert heute Sands Alben, auf denen sich immer wieder mal Soul- und Funk-Songs wiederfanden. Zuletzt hat sie mit „My Soul Kitchen“ der Stilrichtung ein komplettes Album gewidmet, das sie im Jazzclub mit allen zwölf Liedern vorstellt.

Vom fulminanten Einstieg mit Al Greens funkigem „Take Me to the River“ bis zu Charles Sheffields „It’s Your Voodoo Working“ – der Zauber wirkt. Was die Schwedin in den beiden dreiviertelstündigen Sets in ihrer Soul-Küche zusammenbraut, mundet den Clubgästen, wie reichhaltiger Applaus beweist, auch für Soli, die sich jedoch immer songdienlich einfügen. Wie bei Danielssons Bass-Slamming zu Stevie Wonders „Please Don’t Hurt My Baby“, das mit Sands Rhodes-Piano den typischen Wonder-Sound erhält. Oder wie bei Nordenströms flirrender Orgel in Ray Charles „I Believe to My Soul“.

Und dann erinnert Sand mit dem durch Bessie Smith bekannt gewordenen „Empty Bed Blues“ an die Wurzeln, aus denen nicht nur Soul, Funk und Gospel wuchsen. Auch John Fogertys rockiger CCR-Hit „Born on the Bayou“. Eingeleitet durch Notinis heftigen Drumschlag legt die Band los, beschleunigt, verlangsamt fast bis zum Stillstand, dazu Nordenströms gespenstische Wah-Wahs aus der Keyboard-Orgel, als warnten sie vor den Sümpfen des Mississippi-Deltas. Zu dem Trennungsblues „Where the Hell Are You“ entzündet die Band ein Höllenfeuer mit Hammondorgelklang, der Bass tickt uhrwerkgleich, das Becken schlägt zur letzten Stunde. Zärtlich-berührend hingegen: „God Only Knows“ des Beach-Boys-Genies Brian Wilson und Neil Youngs „Harvest Moon“.

Sands Eigenkompositionen fügen sich ohne Qualitätsverlust ein. Ihre Ballade „If You Don’t Love Me“ klingt gar wie ein Klassiker aus dem Great American Songbook. Das aus New Orleans herübergroovende „Just Kissed My Baby“ von The Meters endet mit Publikumschören, die Sand so überzeugen, dass sie alle zum nächsten Konzert einlädt.

Die 41-Jährige hat keine schwarze Stimme, doch singt sie Blues, Soul und Funk facettenreich, besticht mit ihrem Spiel am Flügel und unterhält mit humorigen Anekdoten. Als letzte Zugabe Nina Simones „I Wish I Would Know How“, noch so ein Voodoo-Gebräu aus Idas Soul-Küche. Lecker!

Termin: Ida Sand tritt am heutigen Samstag im Musikclub Red Horn District in Horn-Bad Meinberg und am 25. Mai im Jazzclub Minden auf.




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