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Uriah Heep und The Zombies rocken Capitol

Die alten Männer können es noch

Es wurde eine Menge geboten an diesem Donnerstagabend im hannoverschen Capitol. Uriah Heep und The Zombies standen auf der Bühne. Insgesamt fast drei Stunden Musik bei tropischer Hitze im mit 1400 Fans fast ausverkauften Saal, gespielt von (meist) älteren Herren, die kein bisschen verlernt und immer noch sichtbar Freude an ihrer Musik haben.

veröffentlicht am 16.11.2018 um 15:28 Uhr

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Autor:

Cord Wilhelm Kiel
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HANNOVER. Fast 50 Jahre Hardrock-Geschichte, 40 Millionen verkaufte Tonträger. Dazu als „Special Guest“ eine echte Sixties-Legende:

Vorgruppe sind keine Geringeren als die bereits 1961 gegründeten The Zombies mit Rod Argent und Colin Blunstone. Ihr Konzeptalbum „Odessey and Oracle“ gehört zu den einflussreichsten Platten aller Zeiten. Im Jahr 1968 lösten sich die Zombies schon wieder auf, jahrzehntelang hörte man nichts von ihnen. Die Reunion 2008 war eine Sensation, aber „richtig“ auf Tour ist die Band erst wieder jetzt, 50 (!) Jahre nach dem eigentlichen Ende ihrer Karriere. Und sie können es immer noch: Großartige Gesangsharmonien, Songs, die jeder kennt – wobei wahrscheinlich viele Zuschauer erst seit Donnerstag wissen, dass es diese fünf ergrauten Herren auf der Bühne sind, die Klassiker wie „Time of the Season“ geschrieben haben. Eine Stunde lang feiern The Zombies mit dem Publikum diese Klassiker und auch ihre eigene Legende. Einzig die überlangen Soli von Keyboarder Argent nerven nach einiger Zeit.

Nach der Umbaupause wird in puncto Härte nicht nur eine Schippe, sondern ein ganzer Laster draufgelegt. Uriah Heep sind seit 1970 unterwegs und gehören zusammen mit Black Sabbath, Deep Purple und Led Zeppelin zu den Gründervätern des Hardrock. Während die einstigen Kollegen aufgehört haben oder auf Abschiedstour sind, stehen Uriah Heep noch immer voll im Saft, haben mit ihrem neuen Album „Living The Dream“ gerade eins ihrer besten und härtesten Alben der fast 50jährigen Bandgeschichte veröffentlicht. Auch live geht es richtig zur Sache – so sehr, dass sich etliche jüngere Bands von der Energie, der Spielfreude, aber auch Härte der Altvorderen eine große Scheibe abschneiden könnten!

Aber halt – sind das wirklich Altvordere? Die heutige Besetzung der Band hat nur noch wenig mit jenem Line-Up zu tun, das in den siebziger Jahren Mega-Erfolge feiern konnte. Als einziges Gründungsmitglied ist noch Gitarrist Mick Box dabei. Phil Lanzon drückt immerhin seit 1986 die Tasten. Schlagzeuger Russel Gilbrook (seit 2007) und Bassist Davey Rimmer (2013) sind Jungspunde und treiben die Gruppe mit ihrem druckvollen Spiel unaufhörlich nach vorne. Sänger Bernie Shaw Seit frontet nunmehr 32 Jahre die britischen Dinosaurier – mehr als doppelt so lang wie alle anderen Sänger zusammen. Lange kämpfte er um die Akzeptanz der Die-Hard-Fans, denn der Schatten des unglaublich charismatischen David Byron, dessen Stimme fast alle großen Hits der Band prägte, ist bis heute groß. Byron hat sich schon vor Jahrzenten in den Tod gesoffen. Etliche Vokalisten haben seither versucht, diese Lücke zu füllen, darunter das leider völlig zu Unrecht in Vergessenheit geratene Goldkehlchen John Lawton, der mit seiner souligen vier-Oktaven-Stimme spätere Heep-Charterfolge wie „Free Me“ veredelte. Bernie Shaw ist hingegen ein Rocker mit einem rauen, „dreckigen“ Timbre und inzwischen „der“ Mann am Mikro der Legende geworden. An seinen gesanglichen Fähigkeiten gibt es keine Zweifel, denn Shaw kann röhren, zart wie eine Elfe trällern und schafft es auch mit über 60 Jahren noch, die hohen Töne fast eine halbe Minute lang zu halten.

Natürlich stehen Top-Hits wie „Lady in Black“, „Look at Yourself“, „Gypsy“ und „Easy Livin‘“ im Mittelpunkt der Show. Höhepunkt ist das unvergleichliche Epos „July Mornng“ – drei Songs in einem, wie der ewig jung wirkende Mick Box erläutert. Dazu kommen recht viele (sechs) Songs vom neuen Album sowie Überraschungen wie „Sunrise“ (erste Zugabe) oder das seit Ewigkeiten nicht mehr gespielte „Rainbow Demon“ von 1972. Während Zeppelin, Sabbath und Purple Geschichte sind beziehungsweise . bald sein werden – Uriah Heep werden weitermachen. Gut so: Keep on living the Dream!




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