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Am 3. und 4. November führt die Hamelner Kantorei Werke von Mendelssohn, Bernstein und Lili Boulanger auf

Ein Konzert starker Kontraste

HAMELN. „Heute haben wir wirklich einen großen Schritt geschafft.“ Stefan Vanselow, der Kirchenkreiskantor, ist sichtlich zufrieden mit der Chorprobe für das nächste Konzert der Hamelner Kantorei an der Marktkirche, das den Titel „Psalmen“ trägt. Es sind von den Komponisten Leonard Bernstein, Felix Mendelssohn-Bartholdy und der jung verstorbenen Französin Lili Boulanger vertonte Psalmen. Sie sollen am 3. und 4. November in der Hamelner Kantorei aufgeführt werden.

veröffentlicht am 29.10.2018 um 15:26 Uhr

Kirchenkreiskantor Stefan Vanselow probt im Haus der Kirche mit der Hamelner Kantorei. Foto: wft
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Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Was das aus sehr unterschiedlichen Zeiten stammende Programm miteinander verbindet, beantwortet Vanselow so: „Wir feiern in diesem Jahr den hundertsten Geburtstag von Bernstein und den hundertsten Todestag von Lili Boulanger und gleichzeitig auch ihren 125. Todestag.“ Dass er noch zwei Psalmenvertonungen von Mendelssohn hinzugenommen habe, sei der Arbeit mit dem Chor geschuldet. „Die Chormusik von Mendelssohn ist mit ihrem strahlenden Ton für den Chor wesentlich leichter zu erarbeiten gewesen als die Komposition von Bernstein. Denn das war wirklich harte Arbeit, sich den hebräischen Text mit der teilweise schwierigen Aussprache und den sehr schnellen Passagen zu erarbeiten.“

Mendelssohn und Bernstein – das sind zwei auch dem Hamelner Publikum bestens bekannte Komponisten, aber Lili Boulanger? Wie kommt Vanselow auf diese 1893 in eine musikalisch traditionsreiche französisch-russische Familie geborene Komponistin, die schon im Alter von 24 Jahren verstarb? „Ich habe schon an der Aufführung von zwei Werken Boulangers mitgewirkt. Unter anderem mit der Vertonung des Psalms 130 ,Aus der Tiefe rufe ich Herr zu Dir‘. Dadurch bin ich auf sie aufmerksam geworden.“ Außerdem sei es ihm ein Anliegen, auch Außenseiter zu fördern.

Im zarten Alter von nur 19 Jahren wurde Boulanger mit ihrer Kantate „Faust et Hélène“ über Goethes „Faust II“ mit dem damals höchst renommierten „Prix de Rome“ ausgezeichnet, den zuvor so weltbekannte Komponisten wie Hector Berlioz, Charles Gounod, Georges Bizet, Julès Massenet und Claude Débussy erhalten hatten. Was Vanselow darüber herausgefunden hat: Sie erhielt den „Prix de Rome“ nicht, weil sie eine Frau war, sondern obwohl sie eine weibliche Komponistin war und die Frauenfeindlichkeit der Jury bekannt gewesen sei, wie der Kantor in dem wie immer vorzüglich bestückten Programmheft schreibt, das auch sämtliche Texte sowohl in der Originalsprache als auch ins Deutsche übersetzt enthält.

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So verspricht dieses Konzert der Hamelner Kantorei mit einem Solisten des Münchener Knabenchores, den Solisten Ania Vegry (Sopran), Georg Drake (Tenor), Stefan Adam (Bass), der Jugendkantorei Hameln und dem Orchester Nordwestdeutsche Philharmonie unter der Leitung Vanselows ein außerordentliches Konzertereignis mit starken musikalischen Kontrasten zu werden.

Und noch ein Highlight bietet diese Wochenendveranstaltung am 3. und 4. November in Kooperation mit dem Theater Hameln an: am 3. November um 15 Uhr ein Familienkonzert mit dem Titel „Wie klingt eigentlich die Zahl 7?“ für Menschen ab fünf Jahren. Dort können neugierige junge Menschen als Klangdetektive großartige Musik hören und einen Chor samt Sinfonieorchester mit seinen unterschiedlichen Instrumenten hautnah erleben.

Auf dem Programm des Psalmen-Konzerts stehen die folgenden Werke: „Wie der Hirsch schreit“, Psalm 42 von Mendelssohn, „Ils m‘ont assez opprimé“, Psalm 129, und „La terre appartient à l‘Éternel“, Psalm 24, von Lilo Boulanger, „Nicht unserm Namen, Herr“, Psalm 115, von Mendelssohn sowie Leonard Bernsteins „Chichester Psalms“.

Karten für die Konzerte gibt es im Dewezet Ticketshop, in der Buchhandlung von Blum (Emmernstraße 20), bei Mitgliedern der Hamelner Kantorei, per Telefon (05151/710 62 02) oder unter der Adresse karten@hamelnder-kantorei.de. Karten für das Familienkonzert erhalten Sie im Theater Hameln.




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