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Gute Laune mit dem Bläserensemble „Aoide Winds“

Ein Konzert zum Vergnügen

HAMELN. In fröhlicher Stimmung verließ man das Theater Hameln nach einem besonderen Konzert zum Wohlfühlen und echtem Vergnügen. Dabei wusste man zu Beginn gar nicht, was es mit dem Bläserensemble „Aoide Winds“ auf sich hatte und was geboten wurde. Immerhin: der musikalische Leiter, Gerd Müller-Lorenz, informierte: Aoide war eine der giechischen Musen.

veröffentlicht am 26.09.2018 um 17:43 Uhr

Dargeboten wurde das erste Konzert der Dewezet Classics von einem technisch und gestalterisch vorzüglichen Ensemble, geleitet von einem ausgesprochen kundigen Dirigenten. Foto: hol
Holländer1

Autor

Ernst-Wilhelm Holländer Reporter

Es begann mit Dvoráks gar nicht so unbekannter Serenade für Blasinstrumente, Violoncello und Kontrabass in d-moll, opus 44. Da umrahmten Holzbläser und Hörner die beiden Streichinstrumente, die aber akustisch etwas ins Hintertreffen gerieten, und man hörte Musik zum Wohlfühlen. Im Kopfsatz zelebrierte man bekannte Klänge (das markante Thema tauchte im Schlusssatz wieder auf), in den Mittelsätzen gab es anhaltende Schönheiten, nur kurz von wuchtigen dramatischen Passagen unterbrochen, typisch für den tschechischen Komponisten. Dargeboten wurde das von einem technisch und gestalterisch vorzüglichen Ensemble, geleitet von einem ausgesprochen kundigen, werkdienenden Dirigenten. Indessen: war das eher Musik „zum Einspielen“?

Denn nun kam Fröhliches: der Amerikaner Robert Kurka hat 1958 eine Oper „The Good Soldier Schweik“ geschrieben, und daraus wurde hier eine Suite aus sechs Sätzen gespielt. Darin erklangen, durchaus herauszuhören, reizvolle Details aus dem Leben der berühmten Figur Schweik, einige eher ruhig fließende (Ouvertüre und Pastorale), vor allem aber wahrhaft deftige (der Marsch und der rasante Kriegstanz). Die Bläser des Ensembles, darunter hochwertige Solisten, musizierten dies mit spürbarem Engagement, hatten wohl selbst Freude daran. Erwähnen aber muss man wohl den Mann an den Pauken für sein schlagkräftiges Wirken.

Nach der Pause durfte man erst einmal wieder genießen: die aus einem Satz bestehende, aber vielfach gegliederte Serenade für 13 Blasinstrumente Es-Dur, opus 7, hat Richard Strauss im Alter von 17 Jahren geschrieben. Man mag angesichts dieser wohllautenden Musik kaum den späteren bis an die Grenzen der Tonalität führenden Stil des Komponisten erahnen. Immerhin wurde das Werk ein Erfolg, und die Besucher hörten es hier in klug dosierter Klangpracht.

Vehementer Abschluss und Höhepunkt dieses Abends war das Konzert für Violoncello und Blasorchester des berühmten und berüchtigten Österreichers Friedrich Gulda. Dieser Mann war als Pianist Weltklasse, er wusste aber zu provozieren, legte sich mit vielen Kollegen an, so auch mit dem Solisten der Uraufführung des Werks, dem Cellisten Heinrich Schiff.

Dieses Konzert, das übrigens in Hameln schon einmal zu hören war, ist etwas zum Bewundern, zum Amüsieren, manchmal vielleicht auch zum Ärgern, denn Gulda hat österreichische Ländler-Seligkeit und gefühlvolle Klangerlebnisse abrupt mit Jazz, Folklore und manchmal unvermittelt lautem Krach kombiniert, das alles aber mit virtuosen Ansprüchen an den Solisten und alle Beteiligten.

Wir hörten den brillanten Cellisten Oliver Mascarenhas, der den wahrlich extremen Anforderungen nichts schuldig blieb, sonore Kantilenen spielte, allen hochvirtuosen Zauber entfachte, auf sein Instrument klopfte, auch mit Händen und Füßen auftrumpfte, insgesamt aber eine Leistung der Spitzenklasse bot. Dem schlossen sich der Gitarrist, die Schlagzeuger, alle Bläser des Ensembles und natürlich auch der bis zum Äußersten geforderte Dirigent an.

Das leider wieder sehr dezimierte Publikum im Theater Hameln erkannte zunehmend den höchst vergnüglichen Inhalt dieser Musik, es spendete anhaltenden, begeisterten Beifall. Eine (erhoffte) Zugabe konnte man aber dann wahrlich nicht mehr erwarten.




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