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„Das klinget so herrlich“

Eine ganz andere „Zauberflöte“ im Theater Hameln

HAMELN. Wir wissen es ja: Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ mit dem Text seines Logenbruders Schikaneder ist das meistgespielte Werk des Musiktheaters! Meistens gut, manchmal weniger gut in Szene gesetzt, erleben wir es immer wieder auf der ganzen Welt. Mit dem verwirrenden Titel „Zauberflöte – Eine Prüfung“ kam nun etwas auf die Bühne des Theaters Hameln, von dem man nicht so recht wusste, was man erleben würde.

veröffentlicht am 21.01.2019 um 09:28 Uhr

„Nie hab’ ich so etwas gehört und geseh’n“: Diese Zauberflöte war mal ganz anders. Foto: Uwe Dlouhy

Autor:

Ernst-W. Holländer
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Eine Leinwand hing herunter, etliche Technik war im Hintergrund sichtbar, einige wenige Musiker im Frack nahmen Platz. Es ertönten die drei Es-Dur-Akkorde der Ouvertüre und das folgende Filigran der so geliebten Musik, ein wenig dünn in dieser kammermusikalischen Besetzung, aber das steigerte sich gekonnt.

Dann trat ein Sänger auf, der Countertenor Daniel Gloger, sang „Zu Hilfe!“, und im Bild erschien der Prinz, hier eine lustig anzusehende Puppe, in Furcht vor der „listigen Schlange“, (hier eher ein Drachen), es folgten die drei Da-men in Pappmaché: das Spiel begann! Noch wusste man nicht, was kommen würde. Es kam die Königin der Nacht in Pudelmütze, eine verquollene Alte, und spätestens hier begann reinstes Vergnügen, und das dauerte an über die folgenden viel zu kurzen Stunden. Aber es gab, künstlerisch wahrlich hochkarätig, viel echten Mozart zu hören: Der Sänger übernahm alle wesentlichen Partien, bewältigte im Falsett die Koloraturen der Königin, die Baritonpassagen des Papageno, später die sonoren Gesänge des Sarastro. Etlichen Tenorglanz gab es anfangs in der Arie „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“, natürlich stark gekürzt, leider! Aber wesentliche Teile gab es weiterhin zu hören.

Im Hintergrund der Bühne wirkten andere mit: vor allem Joachim Torbahn, zuständig für die köstlichen Puppen, die er virtuos auftreten, bis hin zum turbulenten Durcheinander tanzen ließ, das alles per Videokamera auf die Leinwand übertragen. Dann war da Tristan Vogt tätig, und der war es wohl, der in den Duet-ten mitsang. In der Oper hat auch der Chor seine Auftritte, und hier waren die Orchestermitglieder im Einsatz, spielend und singend. Für die musikalische Bearbeitung des Ganzen wurde Marcus Maria Reißenberger genannt.

Es ist gar nicht möglich, die vielen tollen Regieeinfälle zu schildern: Wir nennen nur die „wilden Tiere“, das Gespräch mit dem Sprecher, die reizvollen Szenen mit Papageno, der sich gegen Ende aus Liebeskummer aufhängen wollte, auch den ernsten Auftritt der Geharnischten. Und wie war es mit der Wasser- und Feuerprobe? Auf die Idee, das zu prüfende Paar einfach in Tonnen zu tauchen, sie anzuzünden, muss man erst mal kommen! Nun ja, ein bisschen Klamauk gehört dazu.

Vielleicht kommt nun jemand auf den Gedanken, diese „Bearbeitung“ der „Zauberflöte“ als Sakrileg zu empfinden. Aber nein, auch Mozart, der ja kein Kostverächter war, hätte sein Vergnügen an dieser Leistung des Ensembles „Thalias Kompagnons“ gehabt! Schade eigentlich nur um jeden zwangsläufig ausgefallenen Takt der Musik, um jeden Satz des Textes! Und zu bedauern alle, die sich diesen Abend entgehen liessen.

Zu den Silberklängen des Glockenspiels sangen Monostatos und seine Sklaven: „Das klinget so herrlich, das klinget so schön! Nie hab‘ ich so etwas gehört und geseh’n!“ So war es auch hier. Begeisterter Beifall …




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