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Musik und Lesung über das bewegte Leben der Punkband „The Bates“

Einmal Rockstar und zurück

HAMELN. Nein, eine gewöhnliche Lesung war es nicht. Christof Dörr und Frank „Klube“ Klubescheidt spielten sich die Bälle jedoch gegenseitig zu. Mal las Autor Dörr aus seinem Buch, mal erzählte der Ex-Schlagzeuger der Punkband „The Bates“, Klube, sehr emotionsgeladen von seinen Erlebnissen als Rockstar.

veröffentlicht am 09.12.2018 um 20:17 Uhr

Frank „Klube“ Klubescheidt, Christof Dörr, Armin Beck und Dieter Dannhäuser erzählten in Hameln über das leben der „Bates“. Foto: kke

Autor:

Karin Kellerer
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Die Lesung aus dem Buch „Klube & The Bates“, die auch mit Livemusik des Gitarristen und Sängers Armin Beck sowie Dieter Dannhäuser am Schlagzeug kombiniert wurde, fand großen Anklang bei zahlreichen Fans in der Hamelner Kneipe K 3.

„The Bates“ war eine im Jahr 1987 in Eschwege gegründete Punkband, die vor allem für ihre zahlreichen Coverversionen bekannt war. Sie spielten puren Punkrock, obwohl es in den Texten meistens um Liebe, Schmerz und Sehnsucht ging. „Ich hatte meine Lieblingsband, die aus meiner Heimat stammt irgendwie aus den Augen verloren“, berichtete Christof Dörr. „Erst der frühe Tod des Sängers und rustikalen Songschreibers Zimbl im Alter von 42 Jahren hat mich wieder an die Band erinnert.“ Klube erwähnte in seiner zurückhaltenden, aber äußerst charmanten und liebevollen sowie kurzweiligen und spannenden Art, dass er der Einzige sei, der von Anfang bis Ende bei den Bates dabei gewesen ist. Auch erinnerte er sich daran, dass er in den 90er Jahren schon einmal in Hameln gewesen sein muss. „Unser Erfolgsrezept war ,Machen, machen, machen‘, egal ob vor drei oder dreitausend Zuhörern,“ so Klube. „Wir hatten Visionen, Träume, lebten unbeschwert. Das war meine schönste Zeit.“

Armin Beck, damals Punker, heute Pfarrer in Kassel, ergänzte: „18 Stücke in fünf Tagen aufgenommen und wir haben tagelang nichts anderes gehört als unsere eigene Scheibe. So stolz waren wir.“

Bei dem Song „It’s my Party“ kam Stimmung auf. Bei dem von Heinz Erhardt geschriebenen Lied „Der Einsame“ nachdenkliche Momente: „Als der Erfolg einsetzte, wurde der Druck größer, der Charme des rüpelhaften Sandkastenlebens und die Magie verblassten“, lauteten hierbei die traurig klingenden Worte von Klube. „Wir spielten vor 45 000 Zuhörern in Japan und in den Staaten, aßen Austern und keine Currywurst mehr. Schliefen auch nicht mehr in Schlafsäcken, sondern in den edelsten Hotels, wie es sich für Stars gehörte, die permanent in der ,Bravo‘ diverse Seiten füllten.“ Der Tod von Sänger Zimbl brachte 2006 das Aus der Band. „90 Prozent unseres Erfolges haben wir ihm zu verdanken“, sagte Klube. Klube senkte dabei seine Stimme, ihm fiel es schwer, weiter zu sprechen. „Zimbl trank drei Flaschen Korn und etliche Dosen Bier am Tag. Ich war ohnmächtig, konnte nicht helfen.“ Seine Frau Suse und das Leben in einem 800-Seelen-Dorf sei eine „unfassbar harte Vollbremsung“ gewesen.

Für Andreas Lange aus Hameln war der Abend ein ganz besonderer: „Ich hatte ich den ganzen Abend konstant Gänsehaut“, schwärmte er. Ein großer Fan sei er – ein Tattoo beweist es: Zum 10. Todestag von Zimbl hat sich Lange ein Zimbl-Motiv aufs Bein stechen lassen. Die Kombination aus Lesung und Musik hat das Publikum begeistert. Die handsignierten Bücher fanden etliche Käufer.




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