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Theaterleiter Wolfgang Haendeler ist ein versierter Opernschreiber

Erfolgreich in Kiel

HAMELN. Zwei Opern hat er bereits geschrieben, eine liegt fertig in der Schublade. An einer weiteren, die kürzlich in Kiel uraufgeführt wurde, hat Hamelns Theaterleiter Wolfgang Haendeler maßgeblich mitgearbeitet. Sie heißt „Falscher Verrat“, und wurde vom Kieler Feuilleton als Riesenerfolg gefeiert. Das Kieler Theater hatte die Oper, in der es um Liebe, Ideale und Verrat auf allen Ebenen geht, anlässlich des 100. Jahrestages des Kieler Matrosenaufstandes und der Novemberrevolution von 1918 auf die Bühne gebracht.

veröffentlicht am 06.11.2018 um 12:12 Uhr
aktualisiert am 06.11.2018 um 21:00 Uhr

Drei Hauptfiguren in Liebe und Eifersucht aneinander zweifelnd: Lola (Agnieszka Hauzer) mit dem Heizer Gabriel (Michael Müller Kasztelan) und Korvettenkapitän Arno von Stahl (Tomohiro Takada) Foto: Theater Kiel/ Olaf Struck
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite

Hinter dem Erfolg steckt eine Menge Arbeit. „Es war diesmal komplizierter“, sagt Wolfgang Haendeler über den Text, das sogenannte Libretto, dass er zusammen mit Luca Rossi verfasst hat. Rossi lieferte die Vorlage auf Englisch, Haendeler übersetzte, dampfte ein, poetisierte und machte den Text „singbar“. Danach musste der rhythmisch eingesprochene Text an den nicht Deutsch sprechenden Komponisten Marco Tutino übermittelt werden. Er gehört gegenwärtig zu den erfolgreichsten und meistgespielten Komponisten in der Opernszene. „Wenn er etwas ändern wollte, konnte er das nicht einfach selber machen, denn es ist ein großer Unterschied auf welcher Silbe man beispielsweise das Wort Ver-räter betont“, sagt Haendeler und ergänzt: „Bei der Oper ist das Libretto das Knochengerüst, die Musik ist das Fleisch.“ Mit der Zeit bekomme man ein Gefühl dafür, welcher Text singbar ist.

Dass der Theaterleiter ein versierter Opernschreiber ist, weiß sicher nicht jeder Hamelner Kulturfreund – zumal Hameln nicht gerade einen Namen als Opernmetropole hat. Dennoch gehören Librettos seit 25 Jahren zum Repertoire des Musikdramaturgen. „Das ist etwas, was ich von Hause aus kann“, sagt er. Wer genau hinschaue, erkenne seine Liebe zur Musik an der Konzertauswahl für das Hamelner Theater. „Falscher Verrat“ wird auf der Hamelner Bühne leider nicht zu sehen sein. Zum einen, weil es eine Auftragsarbeit des Kieler Theaters ist, zum anderen, weil der Orchestergraben in Hameln nicht ausreichen würde.

Zur Oper, so sagt Haendeler, sei er über die Literatur gekommen. „Ganz früher hatte ich zur Oper gar keinen Bezug“, sagt er. Im Vordergrund standen Symphonien und Literatur. Als Student habe er gemerkt, wie eng das Zusammenspiel von Literatur und Oper sei. „Plötzlich war es spannender, weil noch eine Ebene dazukam.“

Wolfgang Haendeler
  • Wolfgang Haendeler

Seine Magisterarbeit schreibt Haendeler anschließend über ein Opernlibretto von Schönberg, und für die Oper „Schachnovelle“ nach Stefan Zweig bekommen Wolfgang Haendeler (Libretto) und Christóbal Halffter 2013 (Komposition) viel Lob: In der Kritikerumfrage der FAZ wird die „Schachnovelle“ als „wichtigste Uraufführung des Jahres gekürt“. Eine weiteres Libretto schreibt er für die Hieronymus-Bosch-Oper „Der Garten der Lüste“ nach einem Text von Thea Dorn, Komponist ist Franz Hummel.

Über „Falscher Verrat“ heißt es in den Kieler Nachrichten: „Der Komponist konnte seine angstbesetzt düsteren Wogen ganz aus dem sehr geschickt gebastelten Libretto von Luca Rossi und Wolfgang Haendeler entwickeln.“


Kommende Vorstellungen im Kieler Theater: 9. und 21. November. Mehr Infos unter: www.theater-kiel.de




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