weather-image
17°

„arche“ zeigt Aquarelle und Radierungen von Frank Reimann

Faszinierende Wunderwelt: Natur

HAMELN. Der Künstler Frank Reimann schafft faszinierende und beeindruckende Natur-Bilder. Die Künstlergruppe „arche“ zeigt seine Werke im Haspelmathturm am Kastanienwall – dort, wo gerade so viel Natur in Form der alten Kastanien verschwindet.

veröffentlicht am 03.03.2019 um 16:58 Uhr
aktualisiert am 04.03.2019 um 10:10 Uhr

Frank Reimann schafft beeindruckende Himmelsbilder in Aquarell. Foto: GEB
pe

Autor

Richard Peter Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Wir haben sie aus dem Blick verloren – je mehr wir über sie reden und sie beschwören: Sehen sie nicht mehr, unsere „Allmutter Natur“, die uns – wenn auch kaum mehr bewusst wahrgenommen – immer noch umgibt. Dauerhaft beschädigt und nur kurzes Innehalten, wenn die Kastanien am Wall, dem sie ihren Namen gaben, plötzlich weg sind. Dann schaltet die Ampel auf Grün – ausgerechnet! Aber dort, wo jetzt Kahlschlag für trostlose Fronten sorgt – bewahrte Natur gezeigt. „Himmelsfarbträume“ und „Naturwunderbaumstücke“, wie sie Professor Wulf Schomer in seiner Einführung zur Vernissage der Retrospektive 45 Jahre Frank Reimann mit Aquarellen und Radierungen am Freitagabend in der Galerie „arche“ nannte.

Eine längst vergessene, verdrängte Wunderwelt, die eindrücklich vorführt, was wir verloren haben. Der Blick zum Himmel – längst aufs Wetter reduziert. Bei Reimann eine faszinierende Wunderwelt – Bild gewordene Phänomene, die uns Jahrhunderte lang begleitet haben, vertraut, bestaunt, bewundert, gefürchtet. Natur als unberechenbare Gewalt. So schön wie gefährlich. Reimann lässt sie wieder lebendig werden. Auch in seinen Baumbildern – genau beobachtete Objekte, perfekt grafisch umgesetzt. Dennoch nicht der Versuch, Natur nur abzuformen, naturalistisch zu zeigen – Frank Reimann verdichtet sie zum Bild-Ereignis. So individuell wie grundsätzlich. Bäume an sich – das Prinzip Baum auf sich bezogen konzentriert, solitär in die Bildmitte gestellt mit nichts als weißem Freiraum umhüllt. Gestaltbilder, die mehr sind als Abbild – und bewundernswert, wie der Künstler, der unter der Paschenburg zu Hause ist, Natur verinnerlicht, zu seinem eigensten Erlebnis macht. Und gleichzeitig universell. „Baumlandschaften und Himmelräume“ sozusagen mit Ewigkeitsbezug. Unbeirrbar – gegen all die künstlerischen Strömungen und Reimann eingebettet in Natur, die er schon als Student in Braunschweig zu fixieren sucht, als die Kommilitonen Kunst noch als politisches Instrument sahen. Spürbar das Herzblut, das Professor Schomer in seiner Einführung fühlbar macht – Bewunderung nicht nur für die technische Perfektion des Kollegen und dessen in „äußerster Dichte gezeichneten, extrem stark grafisch durchgeformten Wipfel einer durch den Wind nach unten gebogenen Kiefer“ der Einladungskarte zusammen mit dem aus „Lasurschichten gebildeten Farbraumes, ja, Himmelsraumes“.

In der „arche“ dominieren die Baum-Radierungen – allesamt „Baumstücke“ – und eines so berührend wie das andere – sowie die so faszinierenden Aquarelle mit ihrer eindrücklichen Farbbehandlung, die so unterschiedliche Stimmungen ermöglicht. „Gegenlicht“ – eine Serie im Turmzimmer mit Kaltnadel auf Kupferplatte, die, so Schomer, „in das Metall gerissen wird“ – und die Serie „Himmel über dem Wesertal“ – faszinierende Momentaufnahmen, wie sie nur noch in Reimanns Arbeiten gegenwärtig werden. Aber immer wieder in Schomers Betrachtungen diese „Naturwunderbaumstücke“ gegen die „mediale Überfülle von Bildwelten alltäglicher Verbrauchskultur gesetzt“. Was Reimanns Arbeiten so besonders macht, wie Schomer betont: Er bildet nicht ab – er verdichtet. Überhöht die Wirklichkeit. Schafft „hochästhetische Arbeiten“. Und beweist, wie wir gerade heute, Künstler wie Frank Reimann benötigen, die uns vor Augen führen, was wir zu sehen verlernt haben.

Professor Wulf Schomer (li.) im Gespräch mit dem Künstler Frank Reimann, dessen Bilder in der arche gezeigt werden. Foto: GEB



Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare