weather-image
23°

Sprengel Museum zeigt Werke und Dokumente des Bauhaus-Künstlers Umbo

Freigeist der Fotografie

HANNOVER. Er gilt als Erfinder des Porträts der „Neuen Frau“ – oft mit Bubikopf und Zigarette: In Berlin fotografierte der 1902 geborene Bauhaus-Künstler Umbo selbstbewusste junge Frauen wie die Schriftstellerin und Schauspielerin Ruth Landshoff. „Die It-Girls der 20er Jahre standen ihm Modell“, sagt Inka Schube, Kuratorin der am Samstag beginnenden Schau „Umbo. Fotograf“ im Sprengel Museum Hannover.

veröffentlicht am 09.02.2019 um 11:00 Uhr

Phyllis Umbehr, Tochter des Fotografen Otto Maximilian Umbehr alias Umbo, steht vor einer Fotografie des Bauhaus-Fotografen. Foto: Holger Hollemann/dpa

Autor:

Christina Sticht

In den wichtigen Avantgarde-Ausstellungen der Weimarer Republik war der als Otto Maximilian Umbehr geborene Fotograf präsent, doch ein Bombenangriff zerstörte 1943 sein komplettes Berliner Atelier und Archiv. Erst Ende der 70er wurde sein expressionistisches und neusachliches Frühwerk wiederentdeckt.

„Ich bin sehr froh, dass er die zwei Jahre, in denen sein Ruhm anfing, noch erlebt hat“, sagt Umbos Tochter Phyllis Umbehr bei der Vorbesichtigung der Schau. 1980 starb Umbo in Hannover. Die 72-Jährige trägt an ihrer blauen, weiten Bluse eine Brosche mit einem Glasauge ihres Vaters. „So habe ich das Gefühl, dass er an diesem wichtigen Tag dabei ist“, sagt sie. Sein linkes Auge hatte Umbo durch einen Metallsplitter bei Arbeiten in seiner Wohnung 1945 verloren. Auch er hatte eine Vorliebe für extravaganten Schmuck.

Rund 200 Werke sowie zahlreiche Dokumente aus dem Nachlass präsentiert das Sprengel Museum in der bis zum 12. Mai dauernde Ausstellung. Sie wandert im kommenden Jahr in die Berlinische Galerie und soll später auch bei der Stiftung Bauhaus Dessau gezeigt werden. Die drei Institutionen hatten 2016 den mehr als 600 Arbeiten umfassenden Nachlass mit Hilfe von Stiftungen gekauft. Die wenigen erhaltenen Frühwerke hatte Umbo unter anderem vor der Zerstörung seines Ateliers an Freunde verschenkt.

Klassiker der Moderne sind seine Straßenansichten mit Schattenspielen, Aufnahmen von Schaufensterpuppen oder eine Porträtserie des berühmten Clowns Grock (1928/29).

Umbo selbst trat auch als Clown auf, außerdem war der gebürtige Düsseldorfer in seinen Berliner Jahren Laufbursche, Stativführer beim Film oder Kohlenträger. Er schlief auch mal im Park oder in der Bahn. 1921 wurde der Schulabbrecher und Wandervogel am Staatlichen Bauhaus Weimar angenommen und absolvierte den Vorkurs bei Johannes Itten. Doch schon 1923 flog der unbequeme Freigeist aus der Kunstschule. „Er war ein Regelbrecher, ein Unangepasster“, sagt Kuratorin Schube. Geld habe ihn nie interessiert, nur das „Fotografieren und Experimentieren“.

An seinem Wohnort nach dem Krieg, Hannover, arbeitete er für die von der Kommunistischen Partei Deutschlands gegründete „Hannoversche Volksstimme“ und bis Mitte der 1950er für das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare