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„bremer shakespeare company“ langweilt aufgeregt mit Bob Shakespeare

Gaga-Show um Dylan

HAMELN. Wann immer auch aus „Bob Shakespeare“ der Titel „Call me, Bob Dylan...please!“ wurde – die beiden zitierten „Brüder im Geiste“ hatten am Mittwochabend mit der „bremer shakespeare company“ herzlich wenig gemein.

veröffentlicht am 04.04.2019 um 16:47 Uhr

„Call me, Bob Dylan...please!“ Die Interpretation der Songs war perfekt. Foto: Marianne Menke
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Autor

Richard Peter Reporter

Und die Differenz von rund 500 Jahren: Spürbare Beziehungslosigkeit – und Shakespeare quasi als Alibi, das man der eigenen, nach ihm benannten company, zu schulden glaubte. Und Möwengeschrei als zunächst kleinster gemeinsamer Nenner. Ziemlich lange zappenduster, bevor es doch noch Licht wurde.

Nobelpreisfindung als Gaga-Show. Gut, die Literatursparte hat es vermutlich nicht anders verdient. Eine – eher billige – Persiflage. Nichts dagegen. Allerdings alles, wenn man vor lauter Persiflage nicht mehr erkennt, was eigentlich persifliert wird. Und Menschen nur noch als Karikaktur. Das kann’s doch auch nicht sein!

Es gab eine Zeit – eigentlich nur Mode – vor allem in der Oper, da war alles auf der Bühne schräg. So sollte wohl auch der letzte Besucher merken, dass sich die Welt in Schieflage befindet. Ziemlich banal und die Welt als Comedian-Stadel – und schon ein bisschen seltsam, was hier als Spezies Mensch präsentiert wird. Namensfindung für Dylan, quasi als „deus ex machina“ vom Shakespear-Heim in das Geworfensein der Moderne geplumpst. Immerhin witzig zitiert, Rimbaud und seine „Farbe der Vokale“ die er sich erfand. Als „Trunkenes Schiff“ vielleicht.

Bei aller Enttäuschung, weil es sich die „comppany“ mit dem, was sie wollte, zu einfach, vielleicht auch nur hilflos, machte – und gleichzeitig unendlich schwer. Denn sie interpretieren live und – so tief kann man den Hut gar nicht ziehen, wie man möchte – perfekt die Dylan-Songs. Auch die Musik. Und die „Desolation Row“ nur als Beispiel. Einfach bewundernswert. Dennoch „Verlorene Liebesmüh“ und boshaft nachgeschoben: Wofür, bitte? Es geht doch nicht um ein Dylan-Konzert, das nostalgisch für Gänsehaut sorgen könnte.

Es hätte durchaus um „pornografische Aschenbecher“ gehen können, „grüne Uhren“ und „purpurne Lampen“ – das Publikum hätte es verstanden. Aber so entging ihm – musste ihm entgehen – was Dylan für eine ganze Generation so wichtig machte. Seine Unbekümmertheit, die Konventionen eingerissen hat, verwundbar neu, so anders poetisch. Da wird so vieles zitiert von Ginsbergs „Rollenden Steinen“ bis zu Gretchens Glaubensfrage, die „Faust“ so samten wegsalbadert – und auch Shakepeare nur mit ein paar beliebigen Bröckchen aus „Richard III.“ und an „Was ihr wollt“ erinnert. Wenn auch nicht an „Wie es euch gefällt“. Was war da die „shakespeare company“ vergangener Zeiten noch genial erfinderisch. Tempi passati.

Sicher amüsant, wenn der große Elisabethaner Dylan angeht, ihn gefälligst nicht zu kupfern – augerechnet! Wo er selbst ganze Passagen für seinen „Caesar“ bei Plautus übernommen hat – und am Schluss mit Schreibmaschine auf dem Hochsitz am Centre Court thront. Auch da nur ein Spiel im Spiel? Schon klar, was Nora Somaini mit ihrer Konzeption, Regie und Bühne wollte – und dreifach scheiterte. Weil das Publikum nicht mitmachen will bei dieser Art Theater, diesem Chaos um des Chaos willen, das nichts mehr vermittelt. Daran können auch die sonst so guten Darsteller von Svea Auerbach über Tim Lee, Peter Lüchinger, Michael Meyer bis Markus Seuß nichts ändern. Auch nicht als Dreifach-Dylan, diesem „Homer unserer Zeit“?. Mit dem selben Schicksal. Man kennt ihn, liest ihn aber nicht

Der Applaus von denen, die tapfer ausgehalten haben – nicht alle hatten so viel Langmut – war endenwollend. Und der Abgang aus dem Parkett fast so etwas wie ein Exodus. Theater für eine Jugend vielleicht, die nicht da war – für sie: Wer ist Bob Dylan, bitte? Aber kein Grund, die Alten deshalb zu verjagen.




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