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Rappelvolles Haus für „Als ob es regnen würde“ in Starbesetzung

Göttliche Tombola

HAMELN. Ein ziemlich verrücktes Thema – Boulevard amüsant gemischt mit surrealen Situationen. Einfach meschugge. Das Stück „Als ob es regnen würde“ im Theater Hameln bot ein spielerisches Feuerwerk.

veröffentlicht am 04.02.2019 um 16:59 Uhr
aktualisiert am 04.02.2019 um 17:50 Uhr

Beim Geldeinsammeln: Herbert Herrmann und Nora von Collande in dem Stück „Als ob es regnen würde“. Foto: Thomas Grünholz/pr
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Autor

Richard Peter Reporter
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Es beginnt ganz harmlos. Feierabend für Laurence, eine erfolgreiche Schulleiterin, Bruno als solider Anästhesist – doch da liegen überraschend hundert Euro auf dem heimischen Tisch und weder er noch sie können sich erklären, wie sie da hingekommen sind. Könnte sein, dass das Scheinchen – längst vergessen – vom Bücherschrank geflattert ist. Egal, ein Grund allemal, damit essen zu gehen.

Bis hierher ziemlich realistisch. Ehealltag eines eingespielten Paares – kleine Spitzen, ein paar harmlose Pointen – aber blendend gespielter Normalfall von Nora von Collande und Herbert Herrmann, die schon so oft im Theater Hameln erfolgreich gastierten. Sich zuletzt aber rar machten. Volles Haus also am Sonntagnachmittag für „Als ob es regnen würde“ von Sébastien Thiéry mit der Komödie am Kursfürstendamm. Dann weht ein ganzes Bündel Banknoten auf die Bühne, rund 30000 Euro. Da bricht so ein bisschen Panik aus – dazu ein paar irrwitzige Erklärungsversuche. Die spanische Putzhilfe Teresa hat ihren Auftritt – ob sie vielleicht etwas weiß – doch da kommt nur Sprechdurchfall. Außerdem auf spanisch.

Nächste Szene: Bruno war groß einkaufen. Anzug bei Dior, eine Vuitton-Tasche, ein altrosa Kleidchen für knapp unter 8000 Euro – die Wohnung füllt sich mit kostbaren Einkaufstaschen. Madame flippt aus – genau das haben sie doch nie gewollt. Aber unverdienter Geldregen ist das eine und Kaviar mit Champagner eine andere Kategorie.

Monsieur B., der neue Nachbar klingelt. Bei ihm sei eingebrochen worden. Die Situation wird mulmig. Bruno und Laurence verwickeln sich in abenteuerliche Geschichten. Erfinden eine kleine Weihnachtsfeier im Mai. Komödiantisches Schmierentheater also.

Dann regnet es Banknoten – im Schlafzimmer liegen schon zehn Zentmeter, im Wohnzimmer lagern drei Müllsäcke voll gesammelt und Geldschwemme auch in der Küche. Bruno und Laurence arbeiten mit Laubrechen und Besen. Erneuter Auftritt von Monsieur B., diesmal mit Hacke, die er in die Schlafzimmertür donnert. Ab da nur noch Chaos, spanisch verstärkt. Drei finale Schüsse. Bruno bleibt übrig, steht im erneuten Geldregen.

Bei allem Spaß – so ganz wird man den Verdacht nicht los, dass Thiéry die theatralischen Geister, die er rief, nicht mehr los wird. Was kein Beinbruch ist, wenn ein Herbert Herrmann und eine Nora von Collande auf der Bühne stehen. Ein spielerisches Feuerwerk, das brillant aufeinander reagiert – einfach Spaß macht. Marie Wolff als Teresa, eine herrliche Knallcharge, wenn sie plappernd nicht zu stoppen ist mit einem Spanisch, das einem mehr als spanisch vorkommt. Von der Rolle ein paar Schraubenwindungen überdreht, Stefan Schill als Monsieur B., der das blendend spielt. Für die Rolle kann er nichts.

Herbert Herrmann hat auch Regie geführt – und wenn jemand Boulevard und Pointen beherrscht, dann er. Nora von Collande zeichnet für die Kostüme verantwortlich und liegt mit Brunos kariertem Flanell -hemd so richtig wie mit dem altrosa Fähnchen auf Catwalk-Niveau.

Eine boulevardeske Komödie, in der es auch um Hamster-Verhalten geht – und was regnendes Geld an Gier freisetzt. Es macht einfach nicht glücklich, wenn es plötzlich so unvorbereitet vom Himmel schneit. Drei Tote bedeckt. Die Lotto-Annahmestellen werden dennoch nicht Konkurs anmelden müssen.




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