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Ein dorniges Röschen

Grimms „Dornröschen“ als Märchenmusical

HAMELN.. Kinder können einen beachtlichen Lärmpegel produzieren – aber dann auch ganz leise sein wie am Mittwoch-Morgen beim „Auswärts“-Spiel unseres Theaters im Weserbergland-Zentrum - sozusagen Wand an Wand daheim. „Dornröschen“ – und der Grimm-Hit von vorgestern ganz heutig und nicht nur hundert Jahre verschlafen. Da kann sich schon einiges ändern und die Spindel gegen das Smart-Phone getauscht.

veröffentlicht am 06.12.2017 um 15:58 Uhr

Geheimnisvolle Alte und munterer Teenie: Das Landestheater Detmold inszeniert Dornröschen ganz heutig. Foto: Dana
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Autor

Richard Peter Reporter
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Ganz heutig also und ein genervter, nerviger König, der die Geburt seines Sohnes erwartet. „Aber man steckt nicht drin“ wie der Haushofmeister ein ums andere Mal beteuert – und unversehens hält der König „ein kleines Mädchen wie eine Blume so schön“ im Arm. Aber dann die bekannte Misere: dreizehn weise Frauen, aber nur ein Dutzend Goldteller. Da können die Damen das Blaue vom Himmel herabwünschen – die 13., unerwünschte, wünscht nicht – verwünscht. Und den Eltern „geflüstert“, dass das Prinzesschen mit 15 Jahren tot umfallen soll.

Und dann fegt der propere Teenie über die Bühne und alles läuft aus dem Ruder. Ein Glück, dass die zwölfte Weise nicht zu Wort gekommen war und die tödliche Prophezeihung noch in einen hundertjährigen Schlaf wandeln konnte. Natürlich sind alle Spindeln als königlicher Sondermüll eingesammelt worden und die Pullover mangels Wolle aus Bangladesch geordert. Nutzt alles nichts, die geheimnisvolle Alte im Turm spinnt ganz doppeldeutig. Dornröschen sticht sich, fällt in Schlaf und mit ihr der ganze Hofstaat und „Dornen & Hecken“ wuchern.

Auftritt Prinz Achmed vom Euphrat durchs Publikum – die Frist ist um und Dornröschen erwacht. Zeitgeistig ungeküsst, schließlich hieß es am Wochenanfang im „Speakers’ Corner“ der Dewezet, eine besorgte Mutter aus England will das Märchen verboten wissen, weil es eine falsche Botschaft versende. Wo kommen wir auch hin, wenn ein fremder Prinz glaubt, einfach ungefragt drauflosküssen zu können. Dennoch Happy End und geküsst wird auch noch ins finale Blackout mit Christbaum, der hier eigentlich nicht vorgesehen ist.

Eine turbulente Märchenshow mit der Kinder-Rockband Randale aus Bielefeld. Und die bekannten Märchenfiguren in viele Rollen aufgeteilt – Wenja Imlau als Titelfigur, aber auch als Hebamme und weise Frauen - Thomas Ehrlichmann als Prinz Achmed vor allem, Robert Will als Haushofmeister und symbolische Hecke, Josephine Raschke als Königin im Disco-Queen-Look und spinnende Alte und schließlich Nils Willers als Papa König und Hecke.

Eine fetzige Aufführung, die den Kindern – Kindergärten und erste Klassen – hörbar Spaß machte. Und dort, wo sie mitmischen durften, voll da, dass man es bis auf den Wochenmarkt hören musste.


Info: Weitere Aufführungen: Donnerstag um 9.15 und 11.15 Uhr; Freitag, 9.15 und 17 Uhr sowie Samstag, 15 Uhr.

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