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Brian Fallon schwadroniert und singt im ausverkauften Capitol

Kerle wie wir

HANNOVER. So ähnlich könnte „Springsteen on Broadway“ gelaufen sein. Ein Künstler, der biografische und künstlerische Stationen seines Lebens reflektiert. Solo, sich auf der Akustikgitarre begleitend. Brian Fallon, Sänger der pausierenden Indie-Rock-Band The Gaslight Anthem, schwadroniert am Mittwochabend über das Fotografieren bei Konzerten, über das Verhältnis zur Mutter, immer wieder über seine beiden Kinder: über wenig hilfreiche Erziehungsbücher und väterliche Sorgen.

veröffentlicht am 22.02.2019 um 17:21 Uhr

Brian Fallon ist Sänger der Band The Gaslight Anthem, diesmal solo unterwegs. Foto: jed
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Autor

Martin Jedicke Reporter

„Protect“ und „teach“ seien die Eckpfeiler. Und Kinder seien doch der Grund, für eine bessere Welt zu kämpfen. Aber auch dafür, regelmäßig auf Tour zu gehen: „Kids constantly eat. Buy tickets for the next show!“

Das könnte sich besonders dann lohnen, wenn Fallon wieder mit Begleitband tourt. Nur mit Klampfe reduzieren sich vor allem die wuchtig arrangierten Lieder der beiden Soloalben „Painkillers“ und „Sleepwalkers“ auf karge Folksongs. Verschwunden sind die kernigen Rock-Riffs, die jubelnden Pop-Melodien, der beseelte Motown-Soul. Das ursprünglich beschwingte Gute-Laune-Lied „A Wonderful Life“ preist das Leben nun eher lakonisch. Andererseits passt der neue Ton dann doch, schließlich durchweht Fallons Texte oft ein Hauch von Sehnsucht. Immer wieder: die Suche nach einem besseren, erfüllteren Leben, ein Klammern an das kleine Glück.

New Jersey, die Heimat Brian Fallons und Bruce Spring-steens, lasse sich ebensowenig wie Springsteens Lyrik auf „cars, girls and diners“ herunterbrechen. Fallon scheint genervt zu sein von den ewigen Vergleichen mit dem „Boss“, die sich wegen seiner ähnlich ledergegerbten Stimme, die mühelos ins Falsett kippen kann, aufdrängen.

Doch dann fantasiert er über sein Idol, das wie ein Engel durch New Jersey schwebe, alle Songideen aufsauge. Und die, die übrig bleiben, greife sich John Cougar Mellenkamp. Bei einem Besuch habe Springsteen von „guys like us“ gesprochen, von Kerlen, die aus einem Holz geschnitzt sind, was Fallon natürlich bescheiden zurückweist. Trotzdem erzählt er die Geschichte nicht ohne Stolz. Und ja: Wer so bezwingende Songs schreibt wie der 39-Jährige, der kann sogar ohne Fallhöhe Cover der verehrten Kollegen einbauen. Diesmal Dylans „The Times They Are A-Changin‘“.

Für Abwechslung sorgt, dass sich Fallon mitunter ans Keyboard setzt, wofür er kürzlich extra Unterricht genommen hat. Leider klingt dessen Sound recht matschig – ein Klavier wäre allemal die bessere Wahl, auch wenn’s umständlicher zu transportieren ist. Unaufgefordert lassen sich die 1000 Gäste im teilbestuhlten und deshalb ausverkauften Capitol zum Mitsingen animieren, wenn Fallon auf das Gaslight-Anthem-Repertoire zurückgreift: „Great Expectations“ etwa. Und „Blue Jeans & White T-Shirts“ als letztes von gerade einmal 15 Songs. Nach eineinhalb Stunden ist Schluss. Ohne Zugaben. Das hätte es beim „Boss“ nicht gegeben.




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