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Musik des Frühbarock und der klassischen Moderne in der Klosterkirche Amelungsborn

„Krieg und Frieden“

AMELUNGSBORN. Dass bei den nun schon 30. „Musikwochen Weserbergland“ Besonderes zu erwarten war, konnte man frühzeitig der Programm-Ankündigung entnehmen. Für das zweite Konzert dieser Reihe hatte man ein Juwel der Baukunst, die nach Kriegszerstörung wieder erstandene und äußerst sehenwerte Klosterkirche Amelungsborn, ausgewählt, und hier erklangen Werke, die man bei uns nicht oft zu hören bekommt.

veröffentlicht am 14.05.2018 um 15:46 Uhr

Der Kammerchor des Kirchenkreises Hameln-Pyrmont entfaltete seine voll Stimmkraft. Foto: Musikwochen Weserbergland
Holländer1

Autor

Ernst-Wilhelm Holländer Reporter
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Dafür stand Kreiskantor Stefan Vanselow, dessen Leistung in Vorbereitung und Durchführung nur zu bewundern ist. Dem Konzert hatte man den Titel „Krieg und Frieden“ gegeben, und wenn man das ausführliche, kenntnisreiche Programmheft studierte, die Texte mitlas, erkannte man die Bedeutung dieser beiden Worte, denn die aufgeführten Werke hatten allesamt damit zu tun.

Im ersten Teil erklangen Chorwerke berühmter, in Leipzig oder im sächsisch-böhmischen Raum wirkender Komponisten wie Heinrich Schütz, Johann Hermann Schein und Andreas Hammerschmidt. Wer frühbarocke Musik liebt, wurde reich belohnt.

Hauptträger war der von Vanselow gegründete Kammerchor des Kirchenkreises Hameln-Pyrmont, dem die intensive Probenarbeit durch einen Könner anzumerken ist: in der durchaus kritischen Akustik des Kirchenraumes entfaltete sich beweglicher Chorklang sowohl in voller Besetzung, wie auch in kleinerer Aufstellung, bei durchhörbarem a-capella-Einsatz, wie im anfangs gesungenen Chorsatz „Verleih uns Frieden“ von Heinrich Schütz, oder leuchtkräftig in den von Orgel (Yo Hirano), Laute (Daniel Seminara) und Violone (Cordula Cordes) begleiteten Folge-Stücken. In Erinnerung blieben die Echo-Wirkungen in „Siehe, wie fein und lieblich ist’s“ von Andreas Hammerschmidt, eindrucksvoll austariert.

Hauptwerk waren im zweiten Teil die „Musikalischen Exequien“ von Heinrich Schütz, eine Begräbnis-Musik mit Texten aus vielfältig ausgewählten Bibel-Zitaten. Hier wirkte neben dem Chor ein (wohl mit guten Beziehungen) hochwertig zusammengestelltes Solisten-Ensemble mit: Melissa Wedekind und Clara Donata (Sopran), Christiane Rau (Alt), Philipp Pollhard und Simon Jass (Tenor) sowie Friedrich Hamel und Paul Lüschen (Bass). Alle gestalteten ihre Partien stimmlich hervorragend, in wechselnden Einsätzen, und es machte Freude, die im Programmheft abgedruckten Texte und ihre Interpreten mit zu verfolgen.

Hörten wir hier Musik aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, so stand im Mittelpunkt des Konzertes die 1918 entstandene „Geschichte vom Soldaten“ von Igor Strawinsky. Für mich war die Aufführung dieser nicht ganz unbekannten Suite aus einem Märchenstück absoluter Höhepunkt des Abends. Sieben Instrumental-Solisten aus großen Hannoverschen Orchestern bestritten als „Ensemble alterné“ die komplexe, eigentlich kammermusikalische Partitur, die es aber wahrlich in sich hat: welche vertrackten Taktwechsel, Einsätze, klangliche Mischungen verlangt sie!

Man denke an die fast „lyrischen“ Momente, aber auch an die rhythmischen, eher „fetzigen“ Teile wie Marsch, Tango, Walzer und Ragtime, die höchste Aufmerksamkeit, präzises Spiel fordern. Alle sieben Musiker sind Könner; wir können hier nur die Protagonisten nennen: Katrin Strobelt (Violine) als musikalische Verkörperung des Soldaten und Sebastian Hahn (Schlagzeug) in der Rolle des Teufels. Stefan Vanselow als (wahrhaft notwendiger) Dirigent leitete all das mit scheinbarer Ruhe, aber konzentriert und mit absolut sicherer Zeichensprache: es mußte also gelingen!

Und noch einer verdient, erwähnt zu werden: Pastor Jürgen Harms erklomm mit bester Textverständlichkeit die Karriere-Leiter des Rezitators! Man hörte gern zu. Wie hätte dieses Konzert besser zu Ende gehen können, als mit den tröstlichen Worten „Verleih uns Frieden“ im Chorsatz von Hammerschmidt, geradezu hymnisch vorgetragen von (fast) allen Mitwirkenden!

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