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Rebekka Bakken mit Liedern vom Zurücklassen im Theater am Aegi

Loslassen leicht gemacht

veröffentlicht am 25.03.2019 um 15:41 Uhr
aktualisiert am 25.03.2019 um 18:10 Uhr

Rebekka Bakken Foto: jed
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Autor

Martin Jedicke Reporter
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HANNOVER. New York, Wien, Prag, Mailand, eine Farm in Schweden, dann wieder New York. Chaotisch sei ihr Leben geworden. Und manche Lebensphase anders als erhofft. Aber für die quirlige Rebekka Bakken ist Chaos die Quelle der Inspiration. Nachzuhören in den Liedern des programmatisch betitelten aktuellen Albums „Things You Leave Behind“. Der namengebende Song beklagt die lauwarme Ruhe zwischen grünen Tee trinkenden Männern in New York, denen sie in pubertärem Aufbegehren nur ein provokantes Outfit und einen bestellten Wodka entgegenzusetzen weiß. Also Rückkehr aus der Metropole ins heimatliche Oslo: „You know that I’m Norwegian, I like my men on ice“, singt die 48-Jährige.

Aber ein Einrichten im Gewohnten? Man mag’s nicht glauben. Doch Bakken ist inzwischen Mutter, hat einen Partner an ihrer Seite – und plaudert am Sonntagabend im Theater am Aegi immer noch gern über ehemalige Liebhaber, die allerdings nerven, wenn sie eine neue Freundin präsentieren. „Sound of Us“ heißt das Lied dazu, mit Bakken am Flügel. Ein Griff zur Brille, trotzdem eine falsche Note, wie sie kokett zugibt. Es wirkt fast inszeniert und doch souverän. Genauso, wie sie den Ausfall ihres Mikrofons meistert.

Bakken führt wortreich durch das Programm, erzählt persönliche Anekdoten, auch Nachdenkliches zum Tod ihres Vaters als Anmoderation der getragenen Folk-Pop-Ballade „True North“. „Many words were passed between us, most of them were mine“; man kann es sich vorstellen. Auch hier ein Loslassen, aus dem Bakken trotz aller Trauer etwas Leichtes und Beruhigendes zu schöpfen weiß. Und ja, eine Besinnung auf das, was zählt.

Zählen kann Bakken auch auf ihre wunderbare Band. Was ihr Drummer Rune Arnesen mit Stöcken, Besen und Händen zwischen Percussion und Rockschlagzeug anstellt, ist allein schon grandios. Even Ormestad ergänzt die Rhythmusabteilung am Bass, während Ola Gustavsson mit kleinen, aber feinen Soli glänzen darf. Eine besondere Klangfarbe steuert der Pianist Eirik Tovsrud Knutsen an der Orgel bei.

Bakken singt mit so klarer wie sicherer Drei-Oktaven-Stimme – zu Tom Waits‘ klapperndem „A Little Drop of Poison“ mit gerolltem R. Den Blues-Rock von „Powder Room Collapse“ stattet die Band mit flirrender Orgel und trockenen E-Gitarrenriffs aus, dazu Bakkens Sprechgesang-Passagen voller (gespielter) Selbstzweifel. Dann ein Volkslied in der Landessprache, anfangs fast a cappella über einem leise grummelnden Orgel-Dräuen, das lautmalerisch zu einem Orkan mit sirenenhafter E-Gitarre anschwillt. Fast Psychedelic-Rock. „St. Pauli Hotel“ erinnert an Kurt Weill, ein wenig Reggae gibt’s in „Yankee Days“ und vor allem Popballaden zum Darin-Baden wie die melodischen Seifenblasen der beiden Zugaben „Ghost in This House“ und „Welcome Home“: „This time I‘m back for real“. Zumindest für den Moment und für die 600 Fans in Hannover.




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