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Gounods Meisterwerk „Faust“ in großartiger Wiedergabe

Méphistophélès regiert das Böse

HAMELN. Über Leben und Wirken des französischen Komponisten Charles Gounod ist vieles bekannt, aber einiges bleibt im Dunkeln – so seine engen Beziehungen zur Kirche. Immerhin spielt man auch bei uns seine geistlichen Werke, aber im Mittelpunkt steht seine 1859 erstmals und dann in endgültiger Fassung 1869 in Paris uraufgeführte Oper „Faust“, die in Deutschland lange unter dem Titel „Margarethe“ gegeben wurde. Es ist ein Meisterwerk, und das Landestheater Detmold zeigte damit eine herausragende Leistung.

veröffentlicht am 12.11.2018 um 15:42 Uhr

Sopranistin Emily Dorn war die stimmlich immer wieder und bis in die Spitzentöne begeisternde Margarethe, im Spiel oft berührend. Foto: ats
Holländer1

Autor

Ernst-Wilhelm Holländer Reporter

Als einzige Oper im ersten Teil der Spielzeit stand diese Aufführung auch im Theater Hameln auf dem Programm. Das Haus hätte eigentlich bis auf den letzten Platz besetzt sein müssen, aber was war denn los? Viele Reihen mit gähnender Leere, man musste sich fast schämen! Wer da war, hat allerdings einen absoluten Glanzpunkt des Spielplans erlebt.

Für Detmold hat Jan Eßinger das Werk inszeniert, in der Originalsprache mit gut lesbaren deutschen Übertiteln. Volles Verständnis der Handlung war somit gegeben. Der Regisseur ließ in einem schlichten Bühnenbild (Sonja Füsti) spielen, das die verschiedenen Schauplätze nahtlos aneinander reihte und große Eindrü-cke vermittelte, hervorragend die Schenken-Szene, außerordentlich wirkungsvoll die Darbietung der Walpurgis-Nacht, ein wenig gewöhnungsbedüftig freilich das Haus des Gretchen, der „Garten“ nur angedeutet. Auch die klug durchdachten Kostüme (Nora Johanna Gromer) vervollständigten die optischen Eindrücke.

Der Regisseur Eßinger sorgte für bis in Einzelheiten sorgfältige Personenführung. Er stellte den Méphistophélès eindeutig in den Mittelpunkt, man erkannte, wie er die Handlung höhnisch im Bösen regierte. Zunehmend traten die Ereignisse um Gretchen in den Vordergrund. Was aber sollte man von der großartig dargestellten Marthe Schwerdtlein sagen, die von der bewährten Brigitte Bauma verkörpert wurde? Man durfte zumindest schmunzeln. Am Ende bleibender Eindruck: Die den Abend abschließenden Szenen ließen gleichsam den Atem stocken.

Die Oper lebt von der grandiosen, oft geradezu schwelgerischen Musik, in der auch dramatische Züge keineswegs fehlen. Lutz Rademacher, der Detmolder Generalmusikdirektor, sorgte mit dem blendend aufgelegten Orchester durchgehend für Glanz, lyrischen Schmelz, aber auch harte Attacken. Als Dirigent hielt der die Fäden sicher in der Hand. Was der professionell von Francesco Damiani einstudierte verstärkte Chor leistete, würde jeder Großstadtbühne zur Ehre gereichen.

Große Stimmen hörte man von den Solisten. Ji-Woon Kim glänzte als Faust, sein gepflegter Tenor steigerte sich in der Arie mit dem berühmten hohen C. Im Spiel wirkte er etwas blass, vielleicht von der Regie vorgegeben? Einen großartigen Bariton setzte Seungweon Lee als Méphistophélès ein, wahrlich vielversprechend, in der Darstellung beherrschend.

Emily Dorn war die stimmlich immer wieder und bis in die Spitzentöne begeisternde Margarethe, im Spiel oft berührend. In den kleineren Partien reihten sich Dora Savinova (Siebel), Andreas Jören (Wagner) und Benjamin Lewis (Valentin) gültig ein. Valentins musikalisch berühmtes Gebet wurde zum leider nur kurzen Hörgenuß.

Herzlicher Beifall am Schluss. Man möchte sich wünschen, dass die Detmolder häufiger oder gar regelmäßig mit ihren Opern-Aufführungen nach Hameln kämen, wie es früher üblich war.




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