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Einführung zu „Dewezet Classics“: Singphoniker präsentieren Schubert und Kreisler

Mit einem Lied bezahlte er die Zeche

HAMELN. Sie haben eine lange Tradition, die Einführungen zu den Hamelner Konzerten, die als „Dewezet Classics“ firmieren. Übernommen hat sie inzwischen Christian Bachmann, der in Hannover Musik und Geschichte studiert. In der Matinee am Sonntag ging es um das 4. Hamelner Konzert mit dem Ensemble „Die Singphoniker“.

veröffentlicht am 25.02.2019 um 16:16 Uhr
aktualisiert am 25.02.2019 um 17:20 Uhr

Einführung zu „Dewezet Classics“: Singphoniker präsentieren Schubert und Kreisler: Christian Bachmann. Foto: wfx
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Autor

Richard Peter Reporter

Unvergessen: Karla Langehein. Sie war es, die der Reihe ihren Stempel aufdrückte, immer wieder auch unterstützt von Jürgen Schoormann, der Texte rezitierte, wenn es um Briefzitate oder Dokumente ging. Vom Foyer im Theater wechselte die Matinee ins TAB und von dort ins Große Haus. Nach dem überraschenden Tod von Karla Langehein übernahm die Musikstudentin Annika Kochmann die Reihe, die jetzt – längst in den Kunstkreis-Räumen zu Hause – von Christian Bachmann übernommen wurde. Auch er von der Hochschule für Musik in Hannover, wo er Musik und Geschichte auf Lehramt studiert.

In der Matinee am Sonntag ging es um das 4. Hamelner Konzert mit dem Ensemble „Die Singphoniker“. Ein A-Cappella-Konzert. Werke von Franz Schubert und Georg Kreisler. Zwei musikalische Welten, die hier aufeinandertreffen – und nur einen gemeinsamen Nenner haben: beide sind Wiener – und natürlich: Musiker. Christian Bachmann ging es in seiner Einführung vor allem auch um Biographisches. Schubert wurde in Wien als 13. von 16 Kindern geboren. Schon sehr früh erfand er sich auf dem alten Klavier, das im Haus stand, eigene Melodien, bekam bereits mit sieben Jahren professionellen Unterricht – wechselte, weil er eine schöne Stimme besaß, aufs Konvent. Später erhielt er bei Salieri Unterricht. Bachmann verteidigte den Musiker gegen den Vorwurf, Mozart ermordet zu haben. Der posthume Rufmord hat sich bis zum „Amadeus“-Film gehalten. Bachmann erzählte von Schuberts Freundeskreis, den „Schubertianern“ – und wie Beethoven bescheinigte: „Schubert hat den göttlichen Funken“ – aber auch die gesundheitlichen Probleme erwähnt, die vermutlich durch Syphilis ausgelöst wurden, aber auch durch seine ungesunde Lebensweise. Von Freunden wurde er, aufgeschwemmt, wie er war, „Schwammerl“ genannt. 1831 sein durch Typhus ausgelöster Tod. Dennoch ein riesiges Werk, das er mit 18 Opern, neun Symphonien, Streichquartetten, Chorliedern, seinen berühmten Lieder-Zyklen, wie „Die Winterreise“ – vor allem aber: über 1000 Lieder, hinterlassen hat.

Auf dem Programm der „Singphoniker“ steht auch das berühmte „Mignon“ nach Goethe mit „Nur wer die Sehnsucht kennt“ – auch als Quintett eingespielt. Dazu Trinklieder – angeblich hat Schubert sein ganzes Geld in Kneipen getragen, dort öfter mit einer Lied-Komposition, die vor Ort entstand, die Zeche bezahlt.

So ganz anders die Biografie von Georg Kreisler, 1922 in Wien geboren, der vor den Nazis nach Kalifornien emigrierte und in Hollywood zum Film kam. 1942 als Übersetzer der Armee, erschien sein „Soldaten-Musical“ – lernte er auch Charlie Chaplin kennen. Dann Kabarettist in New York – Rückkehr nach Europa, wo seine Karriere mit rabenschwarzen Chansons in Wiens Marietta-Bar startete. Schon 1956 hieß es „Tauben vergiften im Park“. Bitterböse, sarkastisch, absurd – Kreisler schuf über 700 Lieder, die vor allem durch seine virtuose Sprache beeindruckten und den vielen Dialekten, die von jiddisch über bemakeln (böhmisch) bis schwyzerdütsch reichten.

Ein Glück, dass Kreisler in New York nicht zum Studium beim Neuntöner Schönberg zugelassen wurde und so sein eigenes Genre entwickeln konnte. Bachmann ging auch auf die vielen Plagiatsvorwürfe ein („Der hat alles gestohlen“) – und als Beispiel „Das Mädchen mit den drei blauen Augen“ zitiert. Vor allem aber das so lyrisch-surreale „Frühlingslied“ mit „Spielt ein Neger Palestrina am Giradiplatz in Wien“. Die Singphoniker haben aus den Chansons mit eigenen Arrangements Chorsätze geschaffen – wobei eine spezielle Klangmischung gefunden werden musste, um den textlastigen Chansons gerecht zu werden. Schlusspunkt der Matinee: „Sie ist ein herrliches Weib“ und Lust gemacht auf ein ebenso ungewöhnliches wie auch außergewöhnliches Konzert.

Das Dewezet-Classics-Konzert mit den Singphonikern findet am Dienstag (26. Februar) um 19.30 Uhr im Theater Hameln statt. Karten gibt es an der Abendkasse oder unter 05151/916-220.




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